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Wolfratshausen:Mögliches Comeback fürs Isar-Kaufhaus

Frederik Holthaus am Isar-Kaufhaus Geretsried, auf das er seine unternehmeriche Tätigkeit vor vier Jahren konzentriert hat.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Unternehmer Frederik Holthaus würde gern nach Wolfratshausen zurückkehren. Investor Rainer Scherbaum schließt keine Lösung aus.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Das Isar-Kaufhaus könnte an seinen alten Standort in Wolfratshausen zurückkehren. Frederik Holthaus, Inhaber des Isar-Kaufhauses in Geretsried, könnte sich das vorstellen. Das seit mehr als vier Jahren leer stehende ehemalige Isar-Kaufhaus am Untermarkt gilt als die schmerzlichste Lücke in der Wolfratshauser Altstadt. Dass sie nun geschlossen werden soll, erleichtert Geschäftsleute, Politiker und Bürger. Mit der Scherbaum Unternehmensgruppe aus Grünwald hat sich ein Investor gefunden, der die Immobilie abreißen und dort einen Neubau mit großem Laden und Wohnungen errichten will. Viele Wolfratshauser haben immer wieder geklagt, wie sehr sie das Kaufhaus in der Altstadt vermissen.

Holthaus, der das Wolfratshauser Stammhaus am Untermarkt im Jahr 2012 geräumt hat, würde in dem Neubau gern wieder eine Filiale errichten. Das sei eine "ernsthafte Erwägung", sagt er. Voraussetzung sei, dass der neue Investor zustimme. Er wolle deshalb noch in diesem Jahr Gespräche mit Rainer Scherbaum führen.

Ein so breites Sortiment wie früher wäre nicht mehr möglich

Die Rückkehr in den Wolfratshauser Markt, wo sein Vater Otto-Ernst Holthaus 1966 das Isar-Kaufhaus gegründet hatte, reizt den Unternehmer. Schließlich habe man das Kaufhaus am Untermarkt schweren Herzens geschlossen: "Wir hätten Wolfratshausen gerne weiter behalten" - das sei aber wirtschaftlich nicht möglich gewesen. "Wir sind ausgezogen, weil wir uns die Miete nicht mehr leisten konnten." Die Entwicklungen in Wolfratshausen hat er mit großem Interesse verfolgt. "Ich sehe es sehr, sehr positiv, dass dort nun eine neues Gebäude entsteht, das den modernen Anforderungen entspricht", sagt Holthaus zu den Plänen des Investors.

Ein neues Isar-Kaufhaus in Wolfratshausen würde laut Holthaus zwar nicht mehr das breite Sortiment anbieten können wie das frühere Geschäft. Das nahm das gesamte Haus ein, mit etwa 2200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Konzept wäre "etwas anderes, als es früher war", sagt er. Im Neubau ist laut Plänen eine Fläche von 800 bis 1600 Quadratmetern möglich, je nachdem, ob man nur das Erdgeschoss oder auch den ersten Stock für den Laden zur Verfügung stellt. In dieser Größenordnung sei ein Nahversorgungskonzept "durchaus möglich,", sagt Holthaus. Das Sortiment müsse man dann mit dem vorhandenen in der Marktstraße abstimmen. Er werde "im Laufe dieses Jahres" an den neuen Investor herantreten, erklärt der Kaufhaus-Betreiber. Sollte Scherbaum Interesse zeigen, wolle er möglichst schon im Laufe der Bauphase Absprachen treffen, um den Laden zu gestalten.

Mosler überrascht Holthaus' Interesse

Die Pläne für den Komplex hat Harald Mosler kürzlich erläutert. Der Rechtsanwalt hat nicht nur die bisherige Eigentümerin Angela Scheller vertreten und den Verkauf vermittelt, sondern wird in der eigens gegründeten Untermarkt 7-11 GmbH, die den Neubau entwickelt, auch als Geschäftsführer beteiligt sein. Laut Mosler könnte der Bau, wenn alles gut geht, Anfang 2020 einzugsbereit sein. Für den Laden gebe es eine Reihe von ernsthaften Interessenten. Als mögliche Mieter nennt er die Textilkette H&M. Aber auch einen Supermarkt will er nicht ausschließen.

Dass sich Holthaus als Bewerber meldet, "ist für mich erst mal überraschend", gesteht Mosler. Ob ein Isar-Kaufhaus am ehemaligen Standort eine Option sei, könne er im Moment nicht beurteilen. Das hänge letztlich von den Flächen ab, die in dem Komplex als Laden realisiert werden. Deshalb sei auch noch völlig offen, wer dort einziehe. "Grundsätzlich sind wir bereit, mit jedem Gespräche zu führen", sagt Mosler. "Wir suchen einen guten Laden, der für diesen Bereich der Wolfratshauser Altstadt passt." Das könne womöglich auch auf ein neues Isar-Kaufhaus zutreffen - "wenn das Konzept überzeugt". Ähnlich äußert sich Rainer Scherbaum. Zwar kenne er Holthaus nicht persönlich, sagt der Grünwalder Investor. Auch sei dieser "bis jetzt kein Kandidat in unserem Konzept gewesen". Man sei aber "offen" und werde sicher auch Gespräche mit ihm führen. Sein Konzept werde man gegebenenfalls auch mit der Stadt besprechen.

Als Geschäftspartner müssten sich Holthaus und Mosler erst einmal annähern. Schließlich schreibt der Anwalt dem Kaufhaus-Betreiber eine wesentliche Rolle am Debakel um die prominente Brache zu. Holthaus' öffentliche Äußerungen hätten zum wirtschaftlichen Schaden Schellers beigetragen, erklärte er vergangene Woche - und bezweifelte die Motive des Ladenbetreibers: Die Fortsetzung des Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen sei "nicht an überzogenen Mietforderungen gescheitert". Vielmehr habe Holthaus "nicht mehr weitermachen" wollen - und auch vorher schon keine Waren mehr geordert. Der widerspricht: Es sei zwar "nur logisch", dass Mosler als Anwalt Schellers ihre Darstellung teile. Allerdings sei er bei den Mietverhandlungen 2012 noch gar nicht dabei gewesen. Erst nach deren endgültigem Scheitern im Sommer habe er "bestimmte Bestellungen nach Geretsried verlagert" und die Poststelle ausgelagert, sagt Holthaus.

© SZ vom 31.01.2017/aip

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