Nach dem "Sommer dahoam":Seegemeinden bitten Ausflügler zur Kasse

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Nach dem "Sommer dahoam": Immer einen Ausflug wert - aber das Parken wird teurer: Am Kochelsee kostet das Tagesticket künftig sechs Euro. Dazu kommen zwei Euro Kurbeitrag je Tagesgast. Diese Gebühr muss auch gleich am Parkautomaten entrichtet werden.

Immer einen Ausflug wert - aber das Parken wird teurer: Am Kochelsee kostet das Tagesticket künftig sechs Euro. Dazu kommen zwei Euro Kurbeitrag je Tagesgast. Diese Gebühr muss auch gleich am Parkautomaten entrichtet werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Am Walchen- und am Kochelsee wird das Parken teurer. Das Tagesticket kostet künftig fünf, teilweise sogar sechs Euro. Das soll Tagestouristen davon abhalten, mit dem Auto zu kommen

Von Petra Schneider, Jachenau/Kochel am See

Der zweite Corona-Sommer rückt näher. Die Gemeinden in den touristischen Hotspots rüsten sich deshalb schon für den erwarteten Ansturm. Es gibt verschärfte Parkregelungen, zusätzliche Stellflächen für Autos und Busse und auch höheren Parkgebühren. Am Walchensee sind die Preise allerdings nicht einheitlich: Die Gemeinde Jachenau verlangt am Südufer fünf Euro für das Tagesticket, die Gemeinde Kochel am Westufer sechs Euro - plus einen Tageskurbeitrag von zwei Euro pro Person.

Die neuen Gebühren- und Parkkonzepte sind Teil der 14 Maßnahmen, die bereits im Mai 2019 im sogenannten Walchenseekonzept festgelegt wurden. Probleme mit zunehmendem Ausflugsverkehr waren schließlich schon vor der Corona-Pandemie und dem verstärkten "Urlaub dahoam" virulent. Ein Brennpunkt ist die Süduferstraße am Walchensee, wo es im vergangenen Jahr zu teils chaotischen Verhältnissen gekommen war, weil Ausflügler die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge zugeparkt hatten. Um dies künftig zu vermeiden, wird die Zahl der Fahrzeuge zwischen Einsiedl und Niedernach nun begrenzt: Die Bayerischen Staatsforsten, die für die Mautstraße zuständig sind, bauen zwei neue Stationen, an denen die ein- und ausfahrenden Fahrzeuge per Radar gezählt werden. Bei 1000 Fahrzeugen innerhalb dieses kritischen Bereichs sind die Kapazitäten erschöpft, "dann gehen die Schranken runter", sagt der Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger. Wer danach kommt, kann auf zwei zusätzliche Parkplätze vor den Mautstationen ausweichen, mit deren Bau die Staatsforsten voraussichtlich Mitte Mai beginnen werden.

Wenn die neuen Schranken wegen Überfüllung geschlossen seien, gebe es natürlich Ausnahmen, sagt Rauchenberger. Waldarbeiter, Anwohner, Handwerker oder Schwangere würden von den Mautposten trotzdem durchgelassen. Denn die Süduferstraße sei eine Verbindung zur Garmischer Klinik, "wo viele zum Entbinden hinfahren".

Weil die Staatsforsten keine verkehrsrechtlichen Anordnungen treffen dürfen und auch nicht den Kommunalen Zweckverbänden zur Verkehrsüberwachung beitreten können, haben sie Wanderparkplätze in ihren Revieren an die dortigen Gemeinden verpachtet. So etwa an die Kommunen Jachenau, Kochel, Lenggries, Mittenwald oder Krün, die künftig für den Unterhalt der Parkplätze zuständig sind, also für Müllentsorgung, Wegebefestigung, Überwachung oder für Miettoiletten, von denen es am Walchensee-Südufer 16 gibt.

Als Ausgleich für den finanziellen und personellen Aufwand erheben die Gemeinden Parkgebühren. So kostet das Tagesticket an den 14 Wanderparkparkplätzen im Gemeindegebiet von Lenggries, in der Jachenau und am Walchensee-Südufer einheitlich fünf Euro pro Tag. Die Mautgebühren für die Süduferstraße von ebenfalls fünf Euro kommen dazu. Jachenauer Bürger sind davon allerdings befreit. Für Wohnmobile, die am Südufer künftig nur noch an drei ausgewiesenen Bereichen abgestellt werden dürfen, werden zehn Euro fällig. Gleiches gilt auch am Nachtparkplatz in Fall am Sylvensteinsee. Der Wiesenparkplatz im Jachenauer Ortsteil Laich, der im vorigen Jahr wegen des großen Andrangs eingerichtet wurde, sei bereits wieder in Betrieb, sagt Rauchenberger. Wegen des weichen Untergrunds dürften dort allerdings keine Wohnmobile parken. Ein Nachtparkverbot soll künftig auch am Parkplatz im Ortsteil Petern gelten, der als Ausgangspunkt für Wanderungen auf die Benediktenwand genutzt wird. "Das ist total ausgeufert", erklärt Rauchenberger.

Walchensee am ersten warmen Wochenende nach dem Winter 2020/2021 Ende Februar

Der Walchensee war auch dieses Jahr, kaum war es ein bisschen wärmer, schon wieder komplett zugeparkt.

(Foto: Claudia Koestler)

Auch in Kochel hat der Gemeinderat am Dienstag ein neues Parkplatzkonzept gebilligt, das zwei Kernpunkte enthält. So gilt künftig zwischen Urfeld und Einsiedl eine Parkverbotszone. Am gesamten Walchensee-Westufer ist das Parken nur noch da erlaubt, wo es explizit ausgewiesen ist. Das dortige Landschaftsschutzgebiet müsse in besonderer Weise geschützt werden und ein Durchkommen von Rettungsfahrzeugen jederzeit möglich sein, sagte Bürgermeister Thomas Holz (CSU).

Künftig werden mit Ausnahme von drei privaten Betreibern alle Wander- und Badeparkplätze von der Gemeinde selbst bewirtschaftet. Dazu wurden Flächen gepachtet, etwa von den Bayerischen Staatsforsten, der Firma Dorst, dem Kraftwerksbetreiber Uniper oder Weidegenossenschaften. Es werde "kein komplett neuer Parkplatz" geschaffen und nichts asphaltiert, betonte Holz. Lediglich bereits genutzte Flächen würden ertüchtigt, geordnet und Parkautomaten aufgestellt.

Für die Umsetzung des Parkraumkonzepts sind Holz zufolge knapp 500 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Im Gegenzug müssen Ausflügler an den Wander- und Badeparkplätzen sechs Euro für ein Tagesticket zahlen, etwa an der Kochler Badstraße, entlang der gesamten Kesselbergstrecke oder am Walchensee-Westufer. Dazu kommt der Kochler Tageskurbeitrag von zwei Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren zahlen 1,50 Euro. Gemeindebürger können für 35 Euro einen Jahresparkschein kaufen, der auf allen gemeindlichen Parkplätzen gilt. Denn Einheimische sollten nicht übermäßig belastet werden, betont Holz.

Im gesamten Ortskern ist das Parken zumindest für zwei Stunden gratis, beim Walchenseekraft und am Franz-Marc-Museum gibt es Stundentarife. "Mir ist klar, dass es nun Kritik hageln wird und wir als Abzocker beschimpft werden", sagte Holz im Gemeinderat. Man müsse aber die Kosten sehen, die für die Gemeinde entstünden. Zudem erhofft sich der Bürgermeister eine "Lenkungsfunktion". Man wolle erreichen, dass mehr Tagesausflügler mit Bus und Bahn kommen, um sich Staus, Spritkosten und die Parktickets zu sparen.

Damit die Einhaltung der neuen Regeln, die ab 1. Mai gelten, besser kontrolliert werden könne, werden die Überwachungsstunden des Kommunalen Zweckverbands verdoppelt. Dass am Walchensee-Südufer das Parken billiger ist als am Westufer könnte zu einer "Parkverlagerung" führen, die der Jachenauer Bürgermeister Rauchenberger eigentlich vermeiden will. Wie sein Kochler Kollege Holz erklärt, seien die höheren Sätze auf seinem Gemeindegebiet einem "Kompromiss" geschuldet: In den vorberatenden Ausschüssen habe es Stimmen gegeben, die Parkgebühren sogar "in zweistelliger Höhe" gefordert hätten.

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