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Religion in Penzberg:Vorerst kein Gebetsruf

Moschee Anbau orientalisches Restaurant Penzberg

Die Penzberger Moschee bleibt still. Imam Benjamin Idriz will keinen Antrag zur Übertragung freitaglicher Gebetsrufe stellen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Penzberger Muslime verzichten auf einen Antrag zur Lautsprecherübertragung. Rechtspopulisten planen dennoch eine Demo auf dem Stadtplatz.

Von Alexandra Vecchiato

Es wird keinen Gebetsruf außerhalb der Penzberger Moschee geben. Die Islamische Gemeinde verzichtet auf einen Antrag. Vorerst zumindest, wie Imam Benjamin Idriz betont. Der Wunsch seiner Gemeindemitglieder nach dem Gebetsruf, der ins Freie übertragen werden soll, bleibe bestehen. "Doch die Zeit scheint nicht reif dafür zu sein", sagt er im Gespräch mit der SZ . Dass das Ansinnen eine große Resonanz in der Öffentlichkeit nach sich ziehen würde, damit habe er gerechnet. Für diesen Freitag hat der Rechtspopulist und Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger eine Kundgebung auf dem Penzberger Stadtplatz angekündigt. Das Landratsamt Weilheim hat die Versammlung genehmigt. Stürzenberger rechnet laut Antrag mit 15 bis 20 Mitdemonstranten. Voraussichtlich wird es eine Gegendemo geben.

Kurzfristig hatte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) zu einem Pressegespräch am Donnerstag eingeladen. Vorab betonte er, dass es in der Stadt keine Probleme mit den verschiedenen Nationalitäten und Religionen gegeben habe und gebe. "Mir ist ganz wichtig, dass wir ein Penzberg sind", betonte er. Mehr als 80 Nationen lebten friedlich in der Stadt zusammen. Extremismus, in welcher Form auch immer, gebe es nicht. "Penzberg soll bunt bleiben", so Korpan.

Er habe mit Imam Idriz gesprochen, sagte der Bürgermeister. Idriz habe ihm versichert, dass er ein Gedankenspiel laut geäußert habe und es keinen Antrag auf einen öffentlichen Gebetsruf geben werde. Auch werde man sich an eine Vereinbarung aus der Zeit vor dem Bau der Moschee halten. Damals hatte der Vorsitzende des Islamischen Gemeinde in Penzberg, Bayram Yerli, unter anderem der SZ erklärt, man werde auf einen Muezzin-Ruf verzichten. "Sie stehen zu ihrem Wort."

Ganz so mag das Idriz nicht bestätigen. Das sei eine Aussage vor 18 Jahren gewesen. Die Gesellschaft habe sich weiterentwickelt. Er hoffe, irgendwann in einem Land und in einer Stadt zu leben, wo alle religiösen Symbole respektiert werden und der öffentliche Gebetsruf von der Moschee so normal sei wie Kirchenglocken. "Wenn nicht in Penzberg, wo dann könnte das so sein", betont Idriz. Die Stadt habe die einmalige Chance, ein Leuchtturm für Weltoffenheit zu sein. Die Penzberger Muslime jedenfalls wünschten sich den Gebetsruf weiterhin. Der Vorstand der Gemeinde werde überlegen, welche Vorarbeit für eine höhere Akzeptanz nötig sei. Er selbst habe keine negative Resonanz erhalten. Im Gegenteil. Die negativen Stimmen zum Gebetsruf kämen seiner Meinung nach allesamt von außerhalb. Was wiederum Bürgermeister Korpan relativiert. "Der Aufschrei der Bevölkerung ist riesig", sagt er. Sollte die Islamische Gemeinde einen Antrag stellen, werde dieser rechtlich geprüft. "Das entscheide nicht ich, sondern der Stadtrat. Es kommt bei einer Abwägung stets darauf an, was gut für Penzberg ist." Sorgen macht sich das Rathaus, dass der Muezzin-Ruf Rechtsradikale nach Penzberg locken könnte - wie am 2. Oktober. Von 15 bis 19 Uhr hält Stürzenberger eine Kundgebung unter dem Titel "Aufklärung über den Muezzin Ruf und politischer Islam" ab.

© SZ vom 02.10.2020/aip

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