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Fehlender Wohnraum:Immer mehr Geretsrieder obdachlos

Obwohl in der Stadt in den kommenden Jahren mehr als 1000 Wohnungen entstehen sollen, schlägt die Caritas Alarm.

Die Caritas hat am Dienstag im Geretsrieder Stadtrat Alarm geschlagen: "Es fehlt bezahlbarer Wohnraum. Es fehlen Sozialwohnungen." So fasste Christine von Pechmann, die gemeinsam mit Claudia König-Heinle die Wohnungslosenhilfe leitet, die Situation zusammen. Die beiden legten den Jahresbericht 2017 vor. Die Notunterkunft für Obdachlose an der Jeschkenstraße sei "fast voll belegt", gleichzeitig stünden neue Räumungsklagen an, sagten sie. So drohten womöglich auch Familien mit Kindern demnächst obdachlos zu werden.

Die beiden Sozialpädagoginnen unterbreiteten dem Stadtrat drei Möglichkeiten, die ihrer Ansicht nach in dieser bedrängten Lage als schnelle Lösung dienen könnten: sogenannte Mobile Homes oder Holzhäuser in Leichtbauweise oder ein Kontingent von Wohnungen der Baugenossenschaft Geretsried (BG). Bürgermeister Michael Müller (CSU) sagte, eine Anlage von Mobile Homes lehne er wegen der damit verbundenen Stigmatisierung der Bewohner ab: "Das bringt die Leute nicht aus ihrer Situation raus." Vielmehr bedürfe es gemischter Wohnformen. Er kündigte ein Gespräch mit den Zuständigen der Caritas für weitere Überlegungen an.

Alle Sprecher aus dem Stadtrat waren sich darüber einig, dass in Geretsried ohnehin schon viel zur Linderung der Wohnungsnot geplant sei. Müller fasste die Bauprojekte privater Investoren vom Karl-Lederer-Platz bis zum Lorenz-Areal an der Banater Straße zusammen und sagte, in Geretsried entstünden in den kommenden Jahren mehr als 1000 Wohnungen. Mit Blick auf das 700 Einheiten umfassende Vorhaben der Krämmel-Gruppe und der Baugenossenschaft an der Banater Straße in Gartenberg sagte er: "Wir sind die Stadt, die in Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen investiert wie keine Gemeinde in Oberbayern." Für das Großprojekt sei sogar ein eigenes "Geretsrieder Modell" entworfen worden, das es ermögliche, gezielt Ortsansässige unterzubringen. Die Stadt gehe mit diesem Wachstum aber an ihre Leistungsgrenze. Und, so räumte Müller ein, es werde bei all diesen Bemühungen dennoch eine Gruppe von Wohnungssuchenden übrig bleiben, "die auch da nicht vermittelbar ist". Für diese "Klientel" sei die Stadt verantwortlich, betonte er: "Hier können wir uns nicht wegducken."

Pechmann und König-Heinle hatten zuvor geschildert, welche Menschen in den fünf Zimmern der Notunterkunft aufgenommen werden. Das Spektrum reicht demnach von Familien über anerkannte Flüchtlinge, die trotz Vollzeitbeschäftigung und "redlichen Bemühens" auf dem Markt keine Chance auf eine Wohnung haben, bis zu schwerst psychisch- und/oder alkoholkranken Personen. CSU-Stadträtin Sabine Lorenz, die als Krankenschwester und Verwaltungsbetriebswirtin selbst Wohngemeinschaften für psychisch Kranke in Geretsried leitet, wies darauf hin, dass seit etwa 15 Jahren zunehmend psychisch Kranke obdachlos würden. Dies sei ein gesellschaftliches Problem, sagte sie: "Wir können das nicht als Stadt lösen." Der Bezirk biete aber viele Einrichtungen, in denen die Betroffenen besser untergebracht seien als in einer Notunterkunft. Lorenz distanzierte sich außerdem von einem Beitrag ihres Fraktionskollegen Hans Ketelhut. Er hielt der Not einheimischer Obdachloser die Asylsuchenden gegenüber, für die Unterkünfte bereitgehalten würden: "Das kann's ja nicht sein", rief er aus, "Zigtausende werden in Wohnungen und Hütten gesteckt, und andere stehen da und haben nichts."

Dies wies Müller strikt zurück: "Die Wohnungsnot ist nicht durch die Asylbewerber ausgelöst." Vielmehr hätten sich der Bund wie die Gemeinden 20 Jahre lang vor der Notwendigkeit, Wohnungen zu bauen, "weggeduckt". Der Mangel habe längst vor der Flüchtlingskrise begonnen. Jetzt gebe es wieder Förderprogramme von Bund und Land: "Und die Flüchtlingssituation hat diese Förderprogramme erst möglich gemacht."