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Penzberger Stadtfest:Achtung, hier zapft die Polizei!

Na dann Prost: In diesem Keller an der Christianstraße kreieren die Penzberger Hobbybrauer ihre Craft-Biere.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Beamte der Penzberger Dienststelle haben einen Hobbybrauerverein mitgegründet. Der kreiert eigens für das Stadtfest nun ein helles und ein dunkles Bier.

Alkohol und Polizei: Das geht nicht zusammen? Doch, zumindest in Penzberg. Man könnte die Dienststelle am Josef-Boos-Platz auch eine Keimzelle nennen, nämlich die des ersten Penzberger Heim- und Hobbybrauervereins. 2017 gründete der Polizist Uwe Sattler mit Kollegen den Verein. Inzwischen zählt dieser 21 Mitglieder, längst nicht mehr ausschließlich Polizeibeamte. Zum 100-Jährigen der Stadt Penzberg hat der Verein ein eigenes Bier kreiert. Vielmehr sind es zwei Sorten. Ein Helles namens "Gruabnliacht" und ein Dunkels, das treffend "Schicht im Schacht" heißt. Beide Sorten werden erstmals am Stadtfest am Freitag, 12. Juli, und am Sonntag, 14. Juli, am Stand des Hobbybrauervereins ausgeschenkt.

Der Deutsche setzt zwar nach wie vor auf bewährte Erzeugnisse großer Brauereien. Doch hat er daneben Geschmacksalternativen für sich entdeckt: sogenannte Craft-Biere, die dem strengen Reinheitsgebot mit der Zugabe von Gewürzen wie Koriander, Orangenschalen oder Mangopüree trotzen. Mit dem Trend zum Craft-Bier entwickelte sich auch die Szene der Hobbybrauer. Die Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer (VHD) zählt inzwischen etwa 700 Mitglieder. Wobei die Penzberger Hobbybrauer nicht ganz auf die Einhaltung des Reinheitsgebots verzichten wollen. So steht es in der Vereinssatzung. Aber das Tüfteln mit verschiedenen Hefen, Malzsorten und anderen Zutaten hat es den Hobbybrauern angetan.

Sattler machte Anfang der 1980er-Jahre bei Spatenbräu in München eine Lehre zum Brauer. Nach seinem Wehrdienst musste er sich beruflich neu orientieren. So kam er zur Polizei. Doch seine erste Liebe ließ ihn nie los. Seit 2013 braute er ein paar Mal im Jahr im heimischen Keller Bier. Kostproben brachte er seinen Kollegen mit. Die waren hellauf begeistert. "Ich hab' sie angefixt", scherzt er. So kam es 2017 zur Gründung des Vereins, eingetragen im Register ist der seit 2018. Doch fehlte es an geeigneten Räumen, um die Brauanlage in Betrieb zu nehmen und die Zutaten zu lagern. Da kam die Stadt ins Spiel, die ihrem jüngsten Verein eine Bleibe in den Kellerräumen an der Christianstraße zur Verfügung stellte. "Wir sind dafür dankbar, die Räume sind ideal zum Brauen", sagt Sattler. Die Miete sei günstig.

Handwerklich hergestelltes Bier - da stehe das Genusstrinken im Vordergrund, sagt Alexander Popp. "Es geht nicht ums Weglitern." Auch der "verantwortungsvolle Umgang mit dem alkoholhaltigen Lebens- und Genussmittel" ist in der Vereinssatzung festgeschrieben. Für viele Mitglieder stellt das Ausprobieren neuer Rezepte den Reiz des Selberbrauens dar. "Ich weiß, was drin ist", erzählt Susi Helbig. Am Anfang habe sie sich nicht getraut. Nun ist sie eifrig am Ausprobieren. Ihr gehe es um die Wertschätzung des Lebensmittels Bier. "Das ist ein ganz anderer Geschmack."

Auf den Geschmack der Kreationen des Hobbybrauervereins können jedenfalls an diesem Wochenende die Besucher des Stadtfestes kommen. Weil die eigene Brauanlage keine ausreichende Kapazität hat, suchte der Verein einen Mitstreiter und fand ihn in der Biermanufaktur "Sparifankal" von Manuel Rößle in Peiting. Er stellte den Penzbergern neben der Brauanlage auch seinen Gärkeller und die Abfüllanlage zur Verfügung. Herausgekommen ist ein fast schwarzes Bier und ein Helles.

Beide Biere sind naturtrüb, also ungefiltert, aus Gerstenmalz, Hopfen und Hefe mit einer Stammwürze von 13 Grad Plato und 5,5 Prozent Alkohol. Insgesamt gebraut wurden 1,4 Hektoliter Bier, die in Fässern und in 0,33-Liter-Flaschen abgefüllt wurden. Für die geladenen Gäste der Stadt gibt es die Biere in 0,75-Liter-Cuvée-Flaschen in Holztragerln, die die Oberland-Werkstätten gefertigt haben. Nach dem Fest verkauft der Verein sein Flaschenbier einzeln oder im Sechserkarton.