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Bad Tölz-Wolfratshausen:Hochschulstandort gesucht

Hochschule für Angewandte Wissenschaften München, 2020

Auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wird ein Gebäude bald den Schriftzug der Hochschule München tragen. Im Oberland soll schließlich ein Transfer- und Innovationszentrum entstehen.

(Foto: Catherina Hess)

Die Hochschule München will mit Unternehmen in Bad Tölz-Wolfratshausen das Transfer- und Innovationszentrum im Oberland gründen. Alle drei Städte im Landkreis und Eurasburg wollen es beherbergen. Wolfratshausen prescht mit einem Beschluss vor

Von Konstantin Kaip undKlaus Schieder

Die einstige Kreisstadt Wolfratshausen musste mehrmals schmerzliche Verluste von Institutionen überregionaler Bedeutung hinnehmen. Die Chance, Hochschulstandort zu werden, ist daher für die Loisachstadt besonders reizvoll. Die Möglichkeit steht nun im Raum, denn die Hochschule München (HM) beabsichtigt, gemeinsam mit strategischen Kooperationspartnern in der Region das für das Oberland geplante Transfer- und Innovationszentrum (Tizio) im Landkreis zu gründen. Wolfratshausen hat sich als Standort beworben und rechnet sich gute Chancen aus. Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) im Stadtrat sagte, gebe es noch drei Mitbewerber im Landkreis: Bad Tölz, Geretsried und Eurasburg.

Der Wolfratshauser Stadtrat hat am Dienstag einen Grundsatzbeschluss gefasst, in dem er die Gründung des Tizio in Wolfratshausen unterstützt und Heilinglechner beauftragt, sich mit eigenen Vorschlägen an der Standortsuche zu beteiligen. Wie der Bürgermeister erklärte, sei die Hochschule München an den Landkreis herangetreten, weil sie ein solches Zentrum im Oberland gründen wolle, das diesbezüglich noch ein "weißer Fleck" in der Landschaft der Transferzentren sei.

Finanziert werden soll das Tizio auch mit staatlicher Förderung. Laut Beschlussvorlage bereitet die Hochschule München für die Anschubfinanzierung in den ersten fünf Jahren aktuell einen Förderantrag beim bayerischen Wissenschaftsministerium vor. In dieser Zeit müsse auch die Standort-Kommune für das Zentrum Geld beisteuern, erklärte Heilinglechner. Eine Voraussetzung des Kriterienkatalogs sei, dass die nötigen Räumlichkeiten in den ersten fünf Jahren von der Stadt kostenfrei bereitgestellt werden. Der Raumbedarf für das Zentrum betrage etwa 500 Quadratmeter. Es gebe auch schon konkrete Vorstellungen, wo das Tizio in der Stadt unterkommen könnte, sagte Heilinglechner. "Wir haben einen Standort bei einem privaten Grundstücksbesitzer vorgestellt."

Die Stadträte waren von der Idee eines Hochschulstandorts unisono begeistert. Sie sahen in der Gründung des Zentrums eine "einmalige Chance für die Stadt" und attestierten Wolfratshausen ideale Voraussetzungen: wegen der im Vergleich zu den Mitbewerbern besseren Anbindung an München und der guten Infrastruktur.

In Bad Tölz reagiert Wirtschaftsförderin Sandra Herrmann halb verwundert, halb verärgert auf den öffentlichen Beschluss im Wolfratshauser Stadtrat. Eigentlich, sagt sie, habe man unter den drei Städten im Landkreis besprochen, das Thema Tizio erst einmal nicht an die große Glocke zu hängen. "Es gibt noch so viele Unsicherheiten auf dem Weg dahin." Außerdem bestehe dadurch die Gefahr, Mitkonkurrenten aus anderen Landkreisen im Wettbewerb um das Zentrum hellhörig zu machen. Eine solche Einrichtung wäre für Herrmann "eine große Chance für den ganzen Landkreis". Herrmann bestätigt, dass auch Bad Tölz ein Interesse daran habe, Hochschulstandort zu werden. Viel mehr gebe es derzeit aber nicht zu sagen: "Wir haben das im Stadtrat nicht öffentlich behandelt, um nicht zu früh an die Öffentlichkeit zu kommen."

In Geretsried bestätigt Pressesprecher Thomas Loibl lediglich, dass "wir auch unseren Hut in den Ring geworfen haben". Das Thema werde im Stadtrat behandelt, "wenn wir etwas mehr dazu sagen können". Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl will noch nicht viel sagen. Seine Kommune habe Interesse angemeldet, derzeit sei man aber noch "in der Eruierung der Möglichkeiten für einen Standort".

Auch Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) hält sich beim Thema noch bedeckt. Ein Transfer- und Innovationszentrum im Landkreis sei natürlich "für uns und unsere Wirtschaft sehr erstrebenswert", sagt er, "und wir arbeiten dran". Man sei aber noch mitten im Prozess, gemeinsam mit der Wirtschaft zu eruieren, wo es hinpassen würde. "Es gibt erste Gespräche, und mehr noch nicht."

Die Standortfrage sei noch nicht entschieden, sagt der Vizepräsident für Wirtschaft der Hochschule München, Thomas Stumpp, der für das Tizio zuständig ist. Auch wie der Prozess aussehe, müsse sich noch zeigen. Die Entscheidung treffe jedoch nicht die HM. "Wir helfen aber mit Kriterien, die wir als wichtig erachten." Dazu gehörten Erreichbarkeit, Infrastruktur, Fläche und Mietkosten. Schließlich müsse sich die Einrichtung nach der Anlaufphase selbst tragen. Der Standort müsse feststehen, bevor die HM den Förderantrag beim Staatsministerium einreichen kann, sagt Stumpp. Es sei jedoch "ein gemeinsamer Antrag mit den Partnern vor Ort", dem Landkreis und den Unternehmen, die Mitwirkungserklärungen abgeben. Stumpp rechnet damit, dass der Antrag bis Herbst eingereicht werden kann. Bei einem positiven Bescheid könne das Tizio dann frühestens im Sommer 2022 entstehen.

Es wäre das erste Transferzentrum, das die Hochschule München realisiert. Andere Hochschulen in Bayern betreiben bereits welche. Vorrangiges Ziel der Einrichtung sei die "Stärkung von Innovationen durch Kooperationen von Hochschulen mit Unternehmen in der Region", sagt Stumpp. Im Zentrum werde keine Lehre betrieben. Die fachliche Ausrichtung orientiere sich an der Struktur der Region. Als Themenfelder stünden unter anderem Werkstoffe, innovative Fertigungssysteme und 3D-Druck sowie Digitalisierung und nachhaltiger Tourismus im Raum. Das Tizio solle aber auf jeden Fall über die Landkreisgrenzen hinaus eine Anlaufstelle für Unternehmen werden, sagt Stumpp. "Ich hoffe, dass es ins ganze Oberland hinausstrahlt."

© SZ vom 16.07.2021
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