Arbeitsmarkt in Bad Tölz-Wolfratshausen:Nachzügler gesucht

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Arbeitsmarkt in Bad Tölz-Wolfratshausen: Handwerk mit Holz: Matthias Mock (links) konnte den Ausbildungsplatz in seiner Ickinger Schreinerei heuer mit Felix Blockinger (rechts) besetzen, der dort sein zweites Lehrjahr verbringt und den Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Maschinen erlernt.

Handwerk mit Holz: Matthias Mock (links) konnte den Ausbildungsplatz in seiner Ickinger Schreinerei heuer mit Felix Blockinger (rechts) besetzen, der dort sein zweites Lehrjahr verbringt und den Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Maschinen erlernt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Zum Start des neuen Ausbildungsjahrs bleiben viele Stellen unbesetzt - auch wegen Corona. Bewerber, die noch nicht versorgt sind, haben noch gute Chancen. Denn die Betriebe brauchen Fachkräfte.

Von Sophia Ulrich

Das neue Ausbildungsjahr hat gerade erst begonnen. Aber schon jetzt fällt auf: Es gibt deutlich mehr freie Ausbildungsplätze als Bewerber. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen waren für den Monat August 4,35 Stellen pro Bewerber gemeldet. Das zeigt einerseits, dass sich der Trend der vergangenen zehn Jahre fortsetzt: Viele Schüler streben einen höheren Schulabschluss oder die Hochschulreife an, um später an einer Universität oder Hochschule studieren zu können. Einige sind sich aber auch unsicher, ob eine Ausbildung das Richtige für sie ist. Doch auch der Einfluss der Corona-Pandemie spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass viele Stellen unbesetzt blieben. "Durch die Einschränkungen konnten weniger Berufsmessen physisch stattfinden. Dabei sind gerade solche Messen durch das persönliche Kennenlernen häufig ein Türöffner", erklärt Silke Stichaner, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Rosenheim, die auch für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zuständig ist.

Die Agentur für Arbeit unterstützt Jugendliche bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz. Dabei hilft eine deutschlandweite Datenbank. So können sich die jungen Leute auch nach dem Angebot an Ausbildungsplätzen in anderen Regionen, wie zum Beispiel den Nachbarlandkreisen, orientieren. "Die direkte Durchwahl der Berufsberatung ist Gold wert", sagt Stichaner. Dort bekämen die Jugendlichen nämlich Tipps, etwa wie sie sich richtig auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten oder dass sie sich über die Geschäftsführung und die Geschäftsbereiche des jeweiligen Unternehmens informieren sollen. Für viele Unternehmen hat das Interesse der Bewerber am eigenen Betrieb einen hohen Stellenwert. Auch Ausbildungsunternehmen können sich an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit wenden. Dieser vermittelt dann Kontakte, um im Dialog Bewerber mit Betrieben zusammenzuführen.

Wer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte jetzt aktiv auf die Betriebe zugehen, rät Stichaner - und betont: "Der 1. September ist der offizielle Beginn des Ausbildungsjahres, aber es tut sich auch danach noch viel. In den allermeisten Berufen ist noch viel Bewegung bis Dezember." Schließlich brauchten die Betriebe Fachkräfte.

Service

Türöffner wie Ausbildungsmessen, hier ein Archivbild einer solchen Veranstaltung in Hohenburg, fehlen.

(Foto: privat/oh)

Die Schreinerei Mock GbR in Icking hat ihren Ausbildungsplatz schon zum 1. September besetzen können. Matthias Mock, 34 Jahre alt und seit sieben Jahren Geschäftsführer des Familienunternehmens, sieht trotz der vielen freien Stellen zu Beginn des Ausbildungsjahres das Schreinerhandwerk im Gegensatz zu anderen Handwerksberufen in einer Sonderstellung: "Es bietet ein vielseitiges Spektrum und ist für viele auch der erste Schritt in Richtung Studium Innenarchitektur." Dennoch fehlt auch dort der Nachwuchs. Der Ausbildungsmarktreport der Agentur für Arbeit Rosenheim zeigt: Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurden im August im Bereich Holzbe- und -verarbeitung sieben Bewerber und sieben freie Ausbildungsstellen gemeldet. Trotzdem blieben drei Stellen unbesetzt.

Laut Mock gewinnt das Handwerk aber auch allgemein wieder an Bedeutung. Denn eine Lehre nach dem Abitur, sagt er, könne auch eine gute Vorbereitung für ein anschließendes Studium sein. Mocks Familienbetrieb in Icking bietet alle zwei Jahre einen Ausbildungsplatz an. Diesen September ist es der 20-jährige Felix Blockinger, der sein zweites Lehrjahr in der Schreinerei beginnt. Das erste Jahr ist das sogenannte Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). In diesem Abschnitt wird der theoretische Stoff vermittelt, bevor die Auszubildenden ihre Grundkenntnisse dann im Betrieb anwenden und erweitern dürfen. Dabei werde mit verschiedenen Materialien gearbeitet, zum Beispiel mit Metall, Glas und Plattenwerkstoffen, erzählt Mock.

Lehrling Blockinger ist erstaunt darüber, warum so viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben: "Man hört immer, dass Betriebe keine Azubis finden. Ich finde, es ist andersrum. So war es bei mir. Ich habe oft telefonieren müssen und mir wurde gesagt, dass sie niemanden nehmen wegen Corona", erzählt er. "Das ist ziemlich absurd eigentlich." Sein Engagement hat sich aber ausgezahlt: In der Schreinerei Mock hilft Blockinger nun bei allem, was anfällt. Wie abwechslungsreich die Tätigkeiten sind, liegt aber in der Verantwortung des Ausbilders. Das kann Konstantin Koch, frisch gebackener Geselle der Schreinerei Mock, bestätigen: "In anderen Betrieben ist man auch mal drei Monate in der Lackkammer zum Zwischenschleifen oder auf Montage. Das ist monoton." Bei Mock sei die Ausbildung hingegen "sehr vielseitig". Das gebe nicht nur den Azubis eine wichtige Grundlage, sagt sein Chef. Auch der Betrieb profitiere schließlich von gut ausgebildeten Fachkräften, so Mock.

Die Hotline für Berufs- und Studienberatung der Agentur für Arbeit Rosenheim hat die Nummer 08031/202222. Arbeitnehmer können sich unter 0800/4555500 an die Agentur wenden, Arbeitgeber unter 0800/4555520.

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