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Umwelt:Ammoniak trägt zur Bildung von Feinstaub bei

Ammoniak

Ammoniak ist wie so viele chemische Stoffe in der Biologie: einerseits lebenswichtig, andererseits tödlich. Die Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff hat einen stechenden Geruch nach schlecht geputztem Urinal, kann als Gas die Atemwege verätzen und Augen schädigen. In den Zellen ist der Stoff in gebundener Form wichtig als Baumaterial. Überschüssige Mengen wandelt der Körper in ungiftigen Harnstoff um und scheidet ihn mit dem Urin aus. Auch Pflanzen kommen nicht ohne den Stickstoff aus, der im Ammoniak gebunden ist. Deshalb wird die Chemikalie massenhaft zu Kunstdünger verarbeitet.

In die Luft gelang Ammoniak hauptsächlich durch die Landwirtschaft. Es entweicht den Ställen und gast aus Gülle und Mist, die Bauern als Dünger auf ihren Feldern verteilen. Laut Umweltbundesamt (UBA) entstehen um die 95Prozent der Gesamtemissionen auf diesem Weg, die von 1990 bis 2014 um gut sieben Prozent sanken.

Den größten Beitrag zur Emissionsminderung leistete nach Angaben des UBA der Abbau der Tierbestände in den neuen Bundesländern unmittelbar nach der Wiedervereinigung. In den vergangenen Jahren stieg der Ausstoß jedoch wieder leicht an, was unter anderem an den wachsenden Mengen von Gärresten aus Biogasanlagen liegt.

Es gibt technische Lösungen, um bis zu 90 Prozent des Ammoniaks aus der Stallluft zu filtern. Sie treiben jedoch den Fleisch- und Milchpreis geringfügig in die Höhe. Beim Düngen ließen sich die Emissionen durch Verfahren reduzieren, die den Dünger direkt in den Boden einarbeiten, sodass wenig Gas entweichen kann. Die neue Düngeverordnung soll außerdem den Einsatz von Düngemitteln reduzieren.

Ammoniak belastet nicht nur direkt die Luft, sondern trägt auch zur Bildung von Feinstaub bei. In der Atmosphäre wandelt sich das Gas über verschiedene Reaktionen in Ammoniumsulfat und Nitrat um. Beide Stoffe tragen dazu bei, dass sich Feinstaubpartikel bilden, die der menschlichen Gesundheit schaden.

"Die Landwirtschaft ist damit global gesehen die Ursache von einem Fünftel aller Todesfälle durch Luftverschmutzung", heißt es in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. In manchen Ländern, zum Beispiel in der Ukraine, Russland und Deutschland, liege der Anteil sogar bei mehr als 40 Prozent. Jedes Jahr sterben weltweit 3,3Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung.

Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid, chemisch CO, entsteht zu drei Vierteln bei der unvollständigen Verbrennung von Kraftstoffen, wenn zu wenig Sauerstoff vorhanden ist. Das passiert vor allem im Straßenverkehr, aber auch etwa in Kohlekraftwerken. Zu einem Viertel stammen die Emissionen in Deutschland aus der Industrie.

Viel zu merken ist nicht von dem Gas: Man sieht es nicht, man riecht es nicht, man schmeckt es nicht. Aber es ist in hohen Konzentrationen ein starkes Atemgift, das die Sauerstoff-Aufnahme von Menschen und Tieren stört und laut dem Umweltbundesamt Auswirkungen auf das Zentralnervensystem haben kann.

Über längere Zeit können auch geringere Belastungen problematisch sein, vor allem für Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie für Herzkranke, deren Herzgefäße verengt sind. Außerdem trägt es dazu bei, dass am Boden Ozon entsteht. Richtig gefährlich ist Kohlenmonoxid aber vor allem in Innenräumen: Immer wieder kommt es zu teils tödlichen Vergiftungen, wenn aus kaputten Gasheizungen Kohlenmonoxid ausströmt.

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