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Diesel und Abgase:Einen alten Diesel umrüsten? Fast unmöglich!

SCR-System von Emitec

Es ist kompliziert, einen wirksamen SCR-Katalysator ins Abgassystem einzubinden. Einige Hersteller scheinen damit überfordert.

(Foto: Emitec)

Es sei einfach und günstig, den Euro-5-Stinker zum sauberen Euro-6-Diesel nachzurüsten, behauptet die Deutsche Umwelthilfe. Technikexperten sind da völlig anderer Meinung.

Analyse von Joachim Becker

Atemlos in der City: Die Luft in deutschen Innenstädten ist so schlecht wie zu Anfang des Jahrtausends. Zumindest was Stickoxide (NOx) aus Dieselabgasen angeht. In Stuttgart eskaliert das Ganze. 380 000 Diesel-Fahrer könnten dort ab dem nächsten Jahr von Fahrverboten betroffen sein. Von den 15 Millionen Diesel-Pkw bundesweit erfüllen nur 1,4 Millionen die Euro-6-Abgasnorm. Für alle anderen könnte es in Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf oder Frankfurt künftig heißen: Wir müssen draußen bleiben.

Ausgerechnet Volkswagen und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) suchen nun im Dialog nach Auswegen aus den Fahrverboten: Man sei in Überlegungen, sagt Konzern-Chef Matthias Müller, "auch mit unseren deutschen Wettbewerbern", inwieweit es Sinn ergebe, Lösungen anzubieten, um Euro-5-Motoren so umzurüsten, dass sie gegebenenfalls mit einer blauen Plakette ausgestattet werden können.

Viel Konjunktiv, wenig Konkretes. Dabei hat die DUH bereits Entwarnung in Bezug auf die Altdiesel gegeben: Durch Katalysator-Nachrüstungen könnten Millionen Fahrzeuge den Fahrverboten entgehen, so das Versprechen. Die Umwelthilfe hat den NOx-Ausstoß eines VW Passat gemessen, den der Zulieferer Twintec von Euro 5 auf den neuesten Stand gebracht hat. Entgegen vielen Befürchtungen sei die umweltfreundliche Nachrüstung nicht nur mit überschaubarem Aufwand, sondern auch zu vertretbaren Kosten machbar.

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich hält von alldem nichts. "Ich wüsste nicht, warum wir nachrüsten sollten. Die Diesel, die wir in den Markt gebracht haben, haben vollumfänglich die Gesetzgebung erfüllt. Und zwar nicht nur gemäß den Buchstaben, sondern auch dem Sinn nach." BMW gehöre nicht zu den Herstellern, die ihre Diesel ohnehin in die Werkstätten rufen müsse, betont Fröhlich: "Dass solche Hersteller das Thema Nachrüstung nun geschickt kommunikativ platzieren, ist klar." Deutlich klingt der Ärger durch, dass der Selbstzünder durch den Volkswagen-Abgas-Skandal in Verruf geraten ist. "Der Diesel hat zur Erreichung der CO₂-Ziele in Europa eine fundamentale Bedeutung. Er ist in der von BMW umgesetzten Form einer der saubersten Antriebe."

Euro-6-Autos als Dieselstinker alter Schule

Trotz einer ständigen Verschärfung der Abgasgrenzwerte ist in vielen Städten aber lediglich die Feinstaub- und Ozon-Belastung merklich gesunken. Die stetig wachsende Dieselflotte hat alle Maßnahmen zur NOx-Minderung konterkariert. Das Problem sind nicht mehr schwarze Rußschwaden aus dem Auspuff. Der Feinstaub wird von den obligatorischen Dieselpartikelfiltern seit zehn Jahren zuverlässig ausgesiebt. Zumindest in dieser Hinsicht sind moderne Selbstzünder sauberer als viele Benziner mit Direkteinspritzung. Das Problem sind ätzende Stickoxide. Sie machen den Stadtbewohnern weiterhin das Atmen schwer.

Neue Ergebnisse des ADAC Eco-Tests zeigen, dass selbst moderne Dieselmotoren Luftverpester sein können: Von 38 aktuell getesteten Diesel-Pkw überzeugen lediglich der neue Mercedes E220 d 9G-Tronic und der BMW 118d Steptronic. Mit jeweils vier Umweltsternen erreichen sie als einzige Dieselfahrzeuge die Gruppe der empfehlenswerten Autos. Dem gegenüber stehen Selbstzünder, die auf dem Papier zwar die jüngste Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen. Doch bei halbwegs realitätsnahen Messungen erweisen sie sich in Bezug auf NOx als Dieselstinker alter Schule.

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