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Coronavirus in Altenheimen:Landkreis Starnberg sucht Pflegekräfte für den Notfall

Deborah Witzner  (links) und Jana Knopf

Debora Witzner (links) und Jana Knopf helfen während ihres Urlaubs für drei Tage im Seniorenstift Pilsensee.

(Foto: privat)

Die Helfer sollen in Heimen einspringen, wenn dort das Personal in Quarantäne muss oder selbst erkrankt. Zwei Wasserretterinnen der DLRG waren bereits im Einsatz.

Von Carolin Fries

"Ich hab' nicht mehr gewusst, was ich machen soll": Heimleiter Thomas Münch erinnert sich noch gut an den Moment kurz vor dem Jahreswechsel, als er versuchte, das Pflegepersonal im Seniorenstift Pilsensee in Seefeld für die Schichten über Silvester und Neujahr zu verteilen. Und als er plötzlich keine Fachkräfte mehr hatte, die er hätte einsetzen können. Von den 29 Mitarbeitern in der Pflege seien zehn Fachkräfte, sechs davon hatten sich bei einem Ausbruch im Haus mit dem Coronavirus infiziert und waren in Quarantäne. "Pro Schicht brauche ich aber eine Fachkraft", so Münch. Mit einem Pflegepool für die Region will der Landkreis künftig in solchen Fällen schnell und unbürokratisch helfen. Denn das hat sich bewährt, wie das Beispiel Seefeld zeigt.

Münch informierte damals die Heimaufsicht im Landratsamt. Dort versuchte man zunächst, über den Pflegepool für Bayern Pflegekräfte zur Aushilfe zu rekrutieren - vergeblich. Walter Kohlenz, Vorsitzender des DLRG-Ortsverbands Pöcking-Starnberg und Fachberater der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis, startete eine Umfrage unter den Mitgliedern. Mit Erfolg: Die examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Debora Witzner aus Murnau und Jana Knopf aus Nordrhein-Westfalen meldeten sich spontan, um ehrenamtlich im Heim in Seefeld auszuhelfen.

"Sie hatten eigentlich Urlaub", so Kohlenz, dennoch reisten sie an. An drei Tagen hintereinander arbeiteten sie in Zwölf-Stunden-Schichten im Heim und halfen, den Ausbruch einzudämmen und die Bewohner zu versorgen. "Die haben einen super Job gemacht", so Münch. "Ohne die hätte ich das nicht geschafft." Landrat Stefan Frey (CSU) stellte fest: "Mit Lösungen vor Ort kann man in einigen Situationen einfach schneller reagieren."

Darum will die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis einen regionalen Pool aufbauen. "Wir müssen uns einfach gut aufstellen, um im Bedarfsfall schnell Unterstützung leisten zu können", so Roland Schwankhart, Fachberater im Bereich Pflege. "Es muss auch niemand Angst haben, hier lange gebunden zu sein. Wir sprechen von maximal zwei bis drei Wochen oder auch nur ein paar Tagen, bis die Mitarbeiter wieder gesund und einsatzfähig sind."

Wer eine Ausbildung oder Erfahrung im pflegerischen Bereich hat, wird gebeten, sich zu melden. Das Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement führt die Pflegedatenbank, in der Hilfswillige ihre Daten unter www.kobe-sta.de hinterlegen können. Bei Bedarf erfolgt eine unmittelbare Kontaktaufnahme. Die Einsätze seien nicht ehrenamtlich, heißt es, die Modalitäten würden zwischen Einrichtung und Helfer besprochen. "Wir haben der DLRG 1500 Euro gespendet", sagt Münch. Die Frauen bekamen einen Gutschein und eine Urkunde.

© SZ vom 20.01.2021
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