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Filmkulissen:Als ein Raumschiff am Starnberger See landete

Drehorte in München: Raumpatrouille Orion

Einst landete das Raumschiff aus der Kultserie "Raumpatrouille Orion" im Lenné-Park in Feldafing.

(Foto: dpa)
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Von Blanche Mamer, Starnberg

Filme und Kino werden in Starnberg groß geschrieben. Die Region war und ist nicht nur Heimat einer Reihe von Schauspielern und Filmschaffenden, sie hat seit elf Jahren auch ihr eigenes Fünfseen-Filmfestival, das Kinobetreiber und Festivalchef Matthias Helwig zum zweitgrößten in Bayern entwickelt hat. Es zieht Zehntausende Kinogänger an. "Ich bin froh, hier in der Region zu leben. So kann ich immer wieder Filme mit lokalem Bezug zeigen", sagt Helwig.

Das Fünfseenland ist jedenfalls perfekt als Filmlocation: Was wäre ein Film über Kaiserin Sisi oder König Ludwig ohne wenigstens einen Zipfel der Roseninsel vor dem Alpenpanorama. Als Luchino Visconti mit Helmut Berger und Romy Schneider "Ludwig II" drehte, gab es die Regionalausgabe der Süddeutschen noch nicht, doch in der kollektiven Erinnerung der Redaktion taucht dieser Film immer als erster auf, wenn es um Drehorte am See geht. Vielleicht, weil noch einige der alten Starnberger erzählen können, wie das war 1972, als sie als Statisten mit den großen Stars aufs Wasser gehen durften und später gern und ausführlich mit den SZ-Reportern über ihre Abenteuer sprachen.

Andere Filmaufnahmen, die immer genannt werden, sind die zur Fernsehserie mit Kultappeal "Raumpatrouille Orion" und der Landung des Raumschiffs - 1966 - im Lenné-Park in Feldafing. Aktuell hätte die SZ von den Filmen von Herbert Achternbusch berichten können, der in den späten 70er Jahren in Buchendorf lebte und seine surrealen Filme in Starnberg, Gauting (in der Gaststätte "Zum Würmbad") und in Andechs drehte. Das alte Undosa lieferte 1978 beispielsweise die Kulisse für "Der Komantsche". 1982 wanderte Achternbusch zu den Bierbichlers nach Ambach ab und machte am Ostufer Filme.

In den achtziger Jahren setzte sich mehr und mehr durch, dass Filme nicht mehr nur im Studio gedreht wurden, sondern in Privathäusern. Und wo, wenn nicht im Fünfseenland, bieten sich die schönsten Kulissen für Kinofilme, TV-Produktionen oder Krimireihen. Von den 97 Teilen der Krimi-Serie "Der Kommissar" mit Erik Ode sind viele in der Region gedreht worden, einige auch im Haus von Regisseur Michael Braun in Stockdorf, sehr zur Freude der Grundschüler, die auf dem Heimweg vom Unterricht den Cast beobachteten. Mehr als einmal waren in späteren Jahren auch die Münchner Tatort-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) am Starnberger See unterwegs.

Als Emma Watson nach Gauting kam

Anfang der 1990 Jahre war die Villa Zerboni in der Gautinger Kolonie eine wahre Attraktion für die Schüler des nahen Gymnasiums. Denn hier drehte Edgar Reitz "Die zweite Heimat". Hermann aus Schabbach im Hunsrück, mittlerweile Student an der Musikhochschule in München, hatte sich in einer herrschaftlichen Hausgemeinschaft einquartiert, wozu die Villa an der Waldpromenade/Ecke Gisilastraße wunderbar passte. Ideal als Drehort für die Verfilmung des Bestsellers von Ingrid Noll "Die Apothekerin" mit Katja Riemann bot sich 1996 die Villa Sonnenhof am Hanfelder Berg in Starnberg an. Und schon ein Jahr später war der denkmalgeschützte Landsitz Drehort für einen Thriller mit Katja Flint. Für die Eigentümerin, die Stadt Starnberg, ein lukratives Geschäft.

Doch zurück zu König Ludwig: 2012 zeigten Peter Sehr und Marie Noëlle im Historienfilm "Ludwig II" den "Menschen hinter der Legende", möglichst an Originalschauplätzen. Eine interessante Geschichte um den Kini webt auch die Krimikomödie von Dominik Graf "Die reichen Leichen" (2014), und veräppelt etliche Starnberger Eigenheiten. Und ja, auch Hollywood war schon zu Besuch: Oliver Stone drehte 2016 mehrere Takes für seinen Film "Snowden" in der Evangelischen Akademie in Tutzing. Und der aus dem Würmtal stammende Florian Gallenberger filmte mit Emma Watson einige Szenen für "Colonia Dignidad" (2015) auf dem Gelände der Asklepios Klinik in Gauting.

© SZ vom 06.05.2017/bica
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