Kino-Schauplätze weltweitUnd Action!

Das Kino macht aus vielen Orten Sehnsuchtsziele. Plötzlich stapfen Touristen durch den Sand von "The Beach" oder die "Hobbit"-Kulissen in Neuseeland. Nur der Barkeeper der Berliner King-Size-Bar zeigt sich unbeeindruckt, dass bei ihm "Oh Boy" gedreht wurde.

Böse Ruinen

Hashima, wo Bonds Gegner haust

Für eine Apokalypse der Moderne kann man sich kaum eine bessere Filmkulisse vorstellen als die Insel Hashima vor der Bucht von Nagasaki. Hier ist die Welt bereits untergegangen. Jedenfalls jene Welt, die von Menschen auf 6,3 Hektar Insel gebaut wurde. Einst lebten hier 5000 Kohlekumpel zusammengepfercht in neunstöckigen Betonkasernen, die Stollen waren unter dem Meeresboden. Aber seit 1974 verfällt die winzige, verdichtete Stadt, ein Albtraum der Industrialisierung. Bis vor vier Jahren war sie für Besucher gesperrt.

Im James-Bond-Film Skyfall verschanzt sich der Bösewicht Raoul Silva hier (hier sehen Sie den Drehort in Bildern). Seither darf man die Insel besuchen, per Bootsausflug von Nagasaki aus. Von Bond keine Spur, man gelangt gar nicht in die Nähe der Ruinen, sondern muss auf einem Touristenpfad bleiben. Statt Spannung wie im Film herrscht hier Trostlosigkeit. Und die kann man auch von zu Hause aus besichtigen: per Google Street View. Skyfall übrigens wurde nicht in dieser realen Apokalypse gedreht, das war den Produzenten zu gefährlich. Sie bauten Hashima in den Pinewood-Filmstudios bei London nach.

Christoph Neidhart

Bild: Citrinitas / CC-by-sa-3.0 6. Dezember 2013, 16:532013-12-06 16:53:16 © SZ vom 05.12.2013/cag