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Fälle bei Caterer:Coronavirus breitet sich erneut im Landkreis Starnberg aus

Das Landratsamt hat nach dem Ausbruch der Pandemie bei einem Gilchinger Groß-Caterer mittlerweile vier Asylbewerberunterkünfte geschlossen. Das Unternehmen beliefert Münchner Kliniken täglich mit Tausenden Mahlzeiten.

Nach dem massiven Ausbruch der Corona-Pandemie beim Caterer "Apetito" in Gilching hat das Landratsamt nach Hechendorf noch drei weitere Asylbewerberunterkünfte geschlossen. Wie Landrat Stefan Frey am Dienstag auf Anfrage der SZ sagte, handelt es sich dabei um die Unterkünfte in Herrsching, Seefeld und Pöcking, wo bislang jeweils ein Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden ist.

Von den Bewohnern sind an diesem Dienstag - zumindest teilweise - bereits Abstriche genommen worden: In Herrsching von weiteren 124 und in Seefeld von 88. Die Bewohner in Pöcking, "mehr als 90", wie Frey sagt, sollen am Mittwoch getestet werden. Unterstützung bekommt der Kreis dabei von der Staatsregierung. So wurden bereits Koordinatoren - laut Frey aus Landsberg und München - eingesetzt. Zudem ist beim Landesamt für Gesundheit unter 09131/6808-5101 für Bürger und ihre Fragen eine Hotline eingerichtet worden. Der Kreis erhält Frey zufolge weiteres zusätzliches Personal gestellt - zur Kontaktermittlung etwa, oder auch medizinisch geschulte Kräfte vom Rettungsdienstleister MKT, die in den Unterkünften des Landkreises auch weitere erforderliche Abstriche vornehmen können.

Von einer zweiten Corona-Welle, die von Gilching aus womöglich das ganze Land überziehen könnte, will zwar am Dienstag niemand in der Kreisbehörde sprechen, und auch nicht von einem erneuten Lockdown, aber von einer restriktiven Linie, die man verfolge, um das lokal begrenzte Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, schon: "Wenn weitere Fälle auch in anderen Unterkünften auftauchen, werden wir auch diese sofort schließen", sagte Frey.

Gilching:  Apetito Firmengebäude

Der Caterer in Gilching hat unter anderem die Kliniken der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität beliefert.

(Foto: Nila Thiel)

Insgesamt haben sich bis jetzt mindestens 45 Mitarbeiter des Caterers infiziert, in diesem Zusammenhang wurden 32 Menschen aus dem Landkreis positiv getestet. Zehn davon haben bislang allein in der Gemeinschaftsunterkunft Hechendorf gelebt. Über einen dieser Bewohner war das Landratsamt auf den Virusausbruch bei dem Unternehmen "Apetito" aufmerksam geworden. Er hatte sich nicht gut gefühlt und war zum Arzt gegangen. Dieser stellte dann die Infektion mit dem Corona-Virus fest. In der Folge stellte sich heraus, dass noch weitere neun Bewohner aus Hechendorf bei dem Betrieb gearbeitet und sich angesteckt haben.

Acht Bewohner der Hechendorfer Unterkunft sollen sich nun zusätzlich infiziert haben. Insgesamt leben in dieser Gemeinschaftsunterkunft 32 Männer im Alter von 21 bis 38 Jahren. Zu den bereits dort positiv getesteten Bewohnern kommen laut Frey noch ein weiterer Fall aus der Seefelder Unterkunft, einer aus der Pöckinger Unterkunft sowie einer aus Herrsching dazu. Bei letzterem Fall müsse aber noch die "Quelle" beziehungsweise die Kontaktpersonen des positiv getesteten Menschen zweifelsfrei überprüft werden. Zudem hätten sich noch elf weitere Landkreisbürger, die bei dem Caterer arbeiten, angesteckt. Weitere Testergebnisse, die auch andere Unterkünfte im Landkreis und über dessen Grenzen hinaus beträfen, stünden noch aus, so Frey.

Der Caterer mit geschätzt etwa 120 Mitarbeitern in Gilching stellt die Mahlzeiten unter anderem für die Münchner LMU-Kliniken zusammen. Es soll sich um täglich 4800 Patienten- und 1500 Mitarbeiteressen für die Krankenhäuser in Großhadern und der Innenstadt handeln. Andere Kunden der Gilchinger Firma müssen laut Frey noch ermittelt werden. Auf dem Hof des Caterers sind am Dienstag Wagen einer Desinfektionsfirma gesichtet worden. Dieses Unternehmen wird mindestens 14 Tage geschlossen bleiben. Ebenso lange werden auch die Bewohner der betroffenen Asylunterkünfte in Quarantäne bleiben müssen.

© SZ vom 01.07.2020/mmo
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