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Ammersee:Die Störche sind zurück

Wegen des milden Winters sind die Vögel früher als sonst am Südufer des Ammersees angekommen. In Dießen verteidigt ein Paar gleich zwei Horste, in Raisting sind fast alle Nistplätze besetzt.

Ein Teil hat ohnehin dort überwintert, die übrigen sind angesichts des milden Winters früher zurückgekehrt als üblich: Die Weißstörche sind schon wieder fast vollständig am Südufer des Ammersees versammelt. Doch während sich auf den Raistinger Dächern inzwischen an die 30 Vögel niedergelassen haben, will in Dießen ein sesshaftes Paar keine Nachbarn dulden. Eifersüchtig wacht es gleich über zwei Horste: Obwohl es im vergangenen Jahr in der Nisthilfe auf dem Spitzenberger-Haus an der Herrenstraße gebrütet hatte, verteidigt es auch das Nest, das Franz Sanktjohanser in der Fischerei bereitstellt. Der gerade wiedergewählte Gemeinderat und seine Partnerin Renate Alton bemühen sich seit acht Jahren darum, dass sich in Dießen eine Storchenkolonie etabliert. In ihrem Garten an der Moosstraße haben sie einen 13 Meter hohen Mast errichtet, der eine Plattform für eine Storchen-Kinderstube trägt.

"Wir kriegen jetzt fast täglich Besuch", berichtet Alton, "doch niedergelassen hat sich noch keiner." Dies wisse vor allem das Männchen aus der Herrenstraße zu verhindern. Es verjage Neuankömmlinge, die das andere Nest begutachten wollen, mit Klappern, Fauchen oder Scheinattacken. "Der hält sich hier eine Zweitwohnung", sagt Alton: "Das gleiche Spielchen hat er schon das ganze Frühjahr 2019 über getrieben." So blieb der Nistplatz auf dem Mast vergangenes Jahr ungenutzt, während das einzige Dießener Storchenpaar in der Ortsmitte vier Eier ausbrütete. Doch alle ihre Jungvögel gingen dann im Dauerregen Ende Mai ein - wie schon im Jahr zuvor, als die Vögel den Horst in der Fischerei bezogen hatten.

Hält zusammen, wenn es ums Revier geht: Das Storchenpaar, das in Dießen gleich zwei Horste beansprucht - und auch die Nisthilfe auf dem Mast in der Fischerei gegen alle Konkurrenten behauptet. Dabei sind im Nachbarort Raisting derzeit viele Artgenossen auf Quartiersuche.

(Foto: Franz Sanktjohanser)

Die erneut verwaisten Eltern blieben diesen Winter ganz in Dießen: "Die haben uns am 24. Dezember beim Christbaumverkauf zugesehen", erzählt Alton. Aber nun warte man sehnsüchtig auf ein Storchenpaar, das auch bei ihnen brütet. Ihr Lebensgefährte hofft, er könne den Eifer der Revierverteidiger mit einer Storchenattrappe ins Leere laufen lassen. Er wolle ohnehin den Mast lackieren, Hebebühne und Seilrolle stünden schon bereit, sagt Sanktjohanser, der gerade als Fuhrunternehmer viel Arbeit hat. Die Vogelnachbildung will er als Bastelarbeit für derzeit von Langweile bedrohte Schüler ausloben: "Da können sich die Nachbarskinder vielleicht mit Sperrholz beschäftigen."

Eine dritte Nisthilfe in Dießen bietet Olivia Tietz-Pourroy auf Gut Romenthal an. Wie schon in den beiden Jahren zuvor haben sich auch heuer bislang Störche "leider nur zum Probewohnen eingefunden", einmal hätten sich sogar sechs Jungstörche gleichzeitig zur Besichtigung versammelt. Für Tietz-Pourroy bleibt es ein Rätsel, warum die Nisthilfe auf der Maschinenhalle des Guts nicht dauerhaft bezogen wird: Sie hat den Horst sogar mit antibakteriell wirkenden Eichenzweigen ausgestattet und mit Kalkspritzern dekoriert: Die weißen Flecken sollen ankommenden Störchen suggerieren, das Nest sei bereits intensiv genutzt worden.

Während in Dießen das Wohnungsangebot die Nachfrage noch übersteigt, sieht die Lage in Raisting ganz anders aus. Dort sind bereits 14 der 16 Horste von Paaren belegt, in einem weiteren Nest hat Wolfgang Bechtel vom Landesbund für Vogelschutz bis jetzt nur einen einzelnen Storch beobachtet. Etwa 40 Prozent der Vögel seien beringt und so identifizierbar, sagt der Herrschinger, der seit vielen Jahren die Raistinger Population kennt. Gut 15 Weißstörche hätten den gesamten Winter in den Filzen zwischen Ammersee und Weilheim verbracht, wo reichlich Mäuse als Futter zur Verfügung standen. Ein weiterer Schwung flog am 18. Februar ein, danach waren 13 Nester besetzt, doch in der Woche darauf trudelten noch weitere fünf Paare ein.

Der Horst gegenüber der Kirche wurde beim Teilabriss des Bauernhauses darunter beseitigt. Dafür haben die Störche auf dem Pfarrhof schließlich die Oberhand behalten: Nachdem ihr Nest auf dem Kamin zweimal entfernt wurde, ist der Abzug nun mit einem Rohr verlängert worden - und die Vögel dürfen nun bleiben. Leer ist noch der Horst auf einer Schreinerei im Gewerbegebiet, weil die Gebläsebox darunter erneuert wurde. Das alteingesessene Paar ist zwar umgezogen, das Männchen verteidigt aber auch den alten Wohnsitz. Auch am westlichen Ortseingang von Fischen ist das Nest auf einem Haus entfernt worden, aber nun haben die Störche ein neues auf einem Strommast nebenan gebaut.

© SZ vom 24.03.2020
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