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Schlachthofviertel:Porschefahrer findet seinen Porsche nicht mehr

Mobilitätsstationen in München, 2019

Ja, wo ist er denn? Irgendwo rund um den Zenettiplatz soll ein herrenloser Porsche stehen.

(Foto: Robert Haas)

"Porsche Cayenne verloren", steht auf einem Zettel am Zigarettenautomaten in der Zenettistraße. Absender: ein anonymer Geschäftsmann. Ein Immobilien-Hai vielleicht? Wie schön, wenn die eigenen Vorurteile so trefflich bestätigt werden.

Glosse von Franz Kotteder

Eigentlich erinnert es an längst vergangene Tage, als die Menschen noch sturzbetrunken Auto fuhren und zu irgendjemanden nach Hause gingen, den sie gerade erst kennengelernt hatten. Am nächsten Tag wachten sie auf und fragten sich fassungslos: "Wer ist das neben mir? Und wo hab' ich die verdammte Karre geparkt?"

An solche Zeiten mag man denken, wenn man auf dem Zettel am Zigarettenautomaten in der Zenettistraße die Überschrift liest: "Achtung - sehr geehrter Mitbürger: Porsche Cayenne verloren". Ein Anonymus berichtet dort, er habe sich vor einigen Tagen mit seiner Frau wegen geschäftlicher Dinge in der Isarvorstadt getroffen, sich danach aber nicht mehr erinnern können, wo er seinen roten Porsche geparkt habe. "So sahen wir uns gezwungen", heißt es weiter, "zu dritt (mit unserem Chauffeur) im Auto meiner Frau nach Grünwald in unser Büro (Immobilien) zurückzukehren."

Selbst die Hausangestellten, nach München auf die Suche entsandt, hätten die Karosse, "mein Lieblingsauto für die Stadt", nicht ausfindig machen können. Deshalb erbitte man sachdienliche Hinweise unter der E-Mail-Adresse "porscherot@gmx.de".

Wie schön ist es, wenn die eigenen Vorurteile so auf das Trefflichste bestätigt werden. Man malt sich aus, wie da ein skrupelloser Immobilienhai und eitler Gimpel, ganz besoffen von der Gier nach Geld, seine bescheuerte Angeberkarre nicht wiederfindet, nachdem er zuvor seinen verschreckten Mietern eiskalt mitgeteilt hatte, dass sie leider ausziehen müssen, weil der heruntergewohnte Altbau am Schlachthof demnächst als "Meat Packer's Paradise" neu auf den Markt kommt. Da könnten sie sich ja dann bewerben, "ab 2,5 Mios sind Sie dabei, aber nur in den schnuckeligen Dachgeschossminilofts".

Ja, so stellt man sich das vor. Etwas stutzig macht die E-Mail-Adresse. Gmx, ist das nicht ein bisschen gewöhnlich für Grünwald, quasi ein Unterschichten-Dienst? Wird der Finderlohn dann gar von einem Postbankkonto aus überwiesen? Vielleicht ist das Ganze also doch nur eine künstlerische Protestaktion. Womöglich noch von einem Radfahrer!

© SZ vom 22.02.2021/sim
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