Was läuft im Musiktheater?:Weltpremiere mit Nabokov-Oper

Was läuft im Musiktheater?: Live-Musik und Tanztheater: In Insbruck hat man diese Adaption des Romans "Der Große Gatsby" 2022 gefeiert, jetzt kommt die Produktion ans Deutsche Theater.

Live-Musik und Tanztheater: In Insbruck hat man diese Adaption des Romans "Der Große Gatsby" 2022 gefeiert, jetzt kommt die Produktion ans Deutsche Theater.

(Foto: Birgit Gufler)

Eine Uraufführung, München-Premieren und Wiederaufnahmen mit großen Sängerinnen und Sängern - was die Musiktheater-Bühnen der Stadt im Februar bieten.

Von Jutta Czeguhn

Vladimir Nabokov fand F. Scott Fitzgeralds berühmten Roman "Der große Gatsby" einfach schrecklich. Das überliefert zumindest Nabokovs Biograf Arthur Mizener. Fitzgerald konnte es dem Kollegen nicht mit gleicher Münze heimzahlen, denn als Nabokov 1955 sein Opus Magnum "Lolita" veröffentlichte, war er schon lange tot. In München kann man diesen beiden Riesen der amerikanischen Literatur nun begegnen - im Musiktheater. Und es könnte unterschiedlicher gar nicht sein.

Was läuft im Musiktheater?: Der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977) war auch ein anerkannter Schmetterlingsforscher.

Der russisch-amerikanische Schriftsteller Vladimir Nabokov (1899-1977) war auch ein anerkannter Schmetterlingsforscher.

(Foto: dpa)

"Ich bin irrtümlich hier - ich meine nicht speziell dieses Gefängnis - ich meine diese ganze schreckliche, gestreifte Welt", lässt Vladimir Nabokov den Protagonisten Cincinnatus in seinem Kurzroman "Einladung zur Enthauptung" klagen. Das Buch schrieb er 1934 in russischer Sprache in Berlin, 1938 wurde es in Paris erstpubliziert, 1959 in Englisch, jener Sprache, die sich der Exil-Russe Nabokov bis zur Perfektion aneignete, 1970 erst erschien es auf Deutsch. Ein Mann wartet im Gefängnis auf seine Hinrichtung, er ist der einzige Inhaftierte, man begegnet ihm dort mit folternder Höflichkeit, denn den Zeitpunkt seiner Hinrichtung will man ihm nicht verraten. Immer wieder wird dieses Werk mit Franz Kafkas "Der Prozess" verglichen, Cincinnatus ist wie Josef K. Gefangener einer undurchschaubaren, totalitären Justizmaschinerie: Leon Zmelty hat aus dem Stoff eine Kammeropernfassung komponiert, das Libretto stammt von Sören Sareck. Welturaufführung ist am Donnerstag, 22. Februar, 19.30 Uhr in der Münchner Reaktorhalle (weitere Vorstellungen 24. und 25. Februar). An dieses superspannende Projekt wagen sich in einer Gemeinschaftsproduktion Studierende der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der Hochschule für Musik und Theater München, Regie führt Maria Chagina, die musikalische Leitung hat Torbjørn Heide Arnesen.

Was läuft im Musiktheater?: Jay Gatsby und seine große Liebe Daisy.

Jay Gatsby und seine große Liebe Daisy.

(Foto: Birgit Gufler)

Ein Gefangener ist auch der schwerreiche, geheimnisvolle Jay Gatsby - ein Gefangener seiner obsessiven Liebe zu Daisy, die längst einen anderen geheiratet hat und auf der anderen Seite der Bucht lebt. Natürlich blieb F. Scott Fitzgeralds "Der große Gatsby" (1925) nicht zwischen zwei Buchdeckeln. Der Stoff ist zu genial, das hat auch Hollywood erkannt, es gab schon kurz nach Erscheinen eine Stummfilmverfilmung, 1949 mimte Alan Ladd den Titelhelden, 1974 Robert Redford, 2013 kam dann Baz Luhrmanns schrille Version mit Leonardo DiCaprio. Gatsby wurde zum Leben erweckt auf Theater- und Musical-Bühnen, die Met in New York gab 1999 eine Gatsby-Oper in Auftrag, und Ballett-Versionen gibt es natürlich auch. Gatsby als Musiktanztheater kann das Münchner Publikum jetzt im Deutschen Theater erleben. Der spanische Choreograf Enrique Gasa Valga bringt seine Produktion, die er für das Tiroler Landestheater geschaffen hat, nach München. Die sechsköpfige Live-Band um Sängerin Greta Marcolongo lässt die Musik der Zwanziger- und Dreißigerjahre aufleben, aber - Vorbild Baz Luhrmann - nicht nur die. Premiere ist am 23. Februar, 19.30 Uhr.

Was läuft im Musiktheater?: Kehrt als Adina in Donizettis "L' Elisir d' Amore" an die Bayerische Staatsoper zurück: Sopranistin Pretty Yende, die hier bei der Paris Fashion Week bella figura macht.

Kehrt als Adina in Donizettis "L' Elisir d' Amore" an die Bayerische Staatsoper zurück: Sopranistin Pretty Yende, die hier bei der Paris Fashion Week bella figura macht.

(Foto: IMAGO/Zabulon Laurent/ABACA)

An der Bayerischen Staatsoper und am Gärtnerplatztheater wird längst für die nächsten Premieren ("Die Passagierin", 10. März, "Les Misérables", 22. März ) geprobt. Fade wird's dem Publikum bis dahin bestimmt nicht. So singt etwa die wunderbare Pretty Yende wieder mal die Adina in Donizettis "L' Elisir d' Amore", (Nationaltheater, 23. Februar), und am Gärtnerplatz kehrt die Mozartoper "Le nozze di Figaro" zurück (18. Februar).

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