Tinder für Tiere:One-Night-Cat? Oder doch was fürs ganze Leben?

Lesezeit: 3 min

Sie suchen jemanden, der sie lieb hat: Joshi und Captain Kirk

Sie suchen jemanden, der sie lieb hat: Joshi und Captain Kirk.

(Foto: Territory/oh)

Das Münchner Tierheim hat 14 Tinder-Profile erstellen lassen. Wer dort nach einer neuen Liebe sucht, könnte auch eine Katze oder einen Hund finden.

Von Michael Bremmer

Joshua ist witzig und liebt es zu kuscheln. Captain Kirk wiederum ist sehr verschmust, harmoniert allerdings mit kleinen Kindern nicht so gut. Wer am Sonntag, dem internationalen Tag der Katze, auf der Dating-App Tinder nach der großen Liebe oder nach Zeitvertreib sucht, könnte in München auch auf haarige Gesellen stoßen. Das Tierschutzheim hat in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Territory 14 Tinder-Profile erstellt, um für sieben Katzen und sieben Hunde ein Zuhause zu finden. "Wir können keine Liebe erzwingen. Aber wir hoffen es natürlich", sagt Daniel Nerger, 30, Berater bei der Werbeagentur.

SZ: Wie jeden Sommer ist das Tierheim gefüllt mit herrenlosen Tieren. Warum versprechen Sie sich ausgerechnet mit Katzen-Tinder Abhilfe?

Daniel Nerger: Katzen kommen immer gut an. Und das könnte auch bei Tinder funktionieren. Das ist zumindest unsere Hoffnung. Tinder hat eine einfache Mechanik, die viele Menschen kennen. Und so hoffen wir, dass die Hürde gering genug ist und Tiere dadurch ein neues Zuhause finden können. Wenn Menschen Interesse zeigen und matchen, stellen wir den Kontakt zum Tierheim her.

Moment. Sie nutzen das normale Tinder für diese Aktion?

Ja. Das ist eine Guerilla-Aktion. Aber da das Ganze ja eine Pro-Bono-Aktion ist und keiner etwas daran verdient, wird Tinder die Profile der Tiere hoffentlich nicht gleich löschen.

Dating-Apps versprechen die schnelle Hilfe gegen Einsamkeit - hier geht es aber doch um eine langfristige Bindung.

Das muss kein Widerspruch sein. Wir wollen Aufmerksamkeit schaffen. Und im Idealfall kann ja das schnelle Kennenlernen dazu führen, etwas Langfristiges zu schaffen. Der erste Kontakt ist jedenfalls schnell und unkompliziert. Und es wäre schön, wenn hier etwas fürs Leben entstehen könnte.

Beim Tinder geht es ja häufig um das schnelle Date. Wie wollen sie die One-Night-Cat verhindern?

(Lacht) Wer eine Katze haben will, wird erst einmal vom Tierheim München gecheckt. Es geht hier ja um eine ernste Sache. Es geht darum, für eine Katze, für einen Hund eine neue Heimat zu finden. Das Tierheim coacht sozusagen die junge Liebe.

Beim Katzen-Tinder sehen die potenziellen zukünftigen Wohnpartner ein Foto der Katze und erfahren ihren Namen und fünf Eigenschaften von ihr. Reicht das aus, um die Katze fürs Leben zu finden?

Tinder für Tiere: Daniel Nerger, 30, hat selbst noch kein Haustier. "Meine Freundin ist im Team Katze", sagt er, "ich sehe mich eher an der Seite eines Hundes. Das wird aber noch ausdiskutiert, da werden wir uns sicher noch einig."

Daniel Nerger, 30, hat selbst noch kein Haustier. "Meine Freundin ist im Team Katze", sagt er, "ich sehe mich eher an der Seite eines Hundes. Das wird aber noch ausdiskutiert, da werden wir uns sicher noch einig."

(Foto: privat)

Vielleicht reicht es zumindest aus für die Liebe auf den ersten Blick. Für eine langfristige Bindung muss man sich kennenlernen - und dafür muss der Interessent dann einen Termin beim Tierheim ausmachen.

Da das Ganze über Tinder läuft, haben die Menschen ja auch ein Profil. Darf sich die Katze den Menschen auch anschauen?

Die Vorauswahl läuft über unsere Mitarbeiter. Alle Anfragen werden von uns beantwortet, jeder bekommt von uns ein Like. Erst später wird sich dann zeigen, ob es zwischen den beiden funkt.

Und was ist mit der Katze?

Wenn man so will, ist es für die Katze ein Blind Date. Die Reaktion der Katze wird dann zeigen, ob es auch wirklich zwischen den beiden passt.

Sie haben insgesamt 14 Tiere im Angebot. Werden alle 14 ein neues Zuhause finden?

Wir können keine Liebe erzwingen. Aber wir hoffen es natürlich.

Wie geht das Auswahlverfahren nach dem Matchen weiter?

Klar, es ist eine schöne und coole Aktion. Aber es geht letztendlich um Lebewesen. Deswegen gehen wir sehr ernsthaft damit um. Wenn jemand wirklich Interesse an einem Tier hat, wird ein Beratungsgespräch mit dem Tierheim ausgemacht. Dann wird auch die Wohnung des Interessenten angeschaut, ob das Tier eine gute Heimat bekommt. Es ist also durchaus ein bisschen bürokratischer, als man es von Tinder gewohnt ist.

Während Corona haben sich viele Menschen ein Haustier zugelegt. Gerade in der Urlaubszeit werden diese Tiere wieder ausgesetzt. Diese Mechanismen kann man mit einer Tinder-Aktion aber auch nicht verhindern.

Verhindern kann man das nicht. Aber wir können Aufmerksamkeit fürs Tierheim schaffen. Und das ist auf jeden Fall nicht schlecht.

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