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Nahverkehr in München:40 U-Bahnhöfe sollen in den kommenden Jahren modernisiert werden

Als erstes sind Bahnhöfe der Linie U 6 dran. Architekten erklärten nun ihre Vorschläge der Stadtgestaltungskommission - anhand des Beispiels Giselastraße.

Von Sebastian Krass

Deckenverkleidung und Wandverkleidung raus, damit den Beton sichtbar machen und den Raum vergrößern: "Wir wollen die Grandezza des Ingenieurbauwerks rausholen." So beschreibt der Münchner Architekt Ludwig Wappner vom Büro Allmann Sattler Wappner (ASW) das Motto eines Gestaltungsleitfadens für die Sanierung von Bahnhöfen im Münchner U-Bahnnetz, den er am Dienstag in der Stadtgestaltungskommission vorstellte. Als Fallbeispiel zeigte er den Bahnhof Giselastraße, "das ist unser Testbahnhof, weil da schon alles ausgebaut ist". Da könne man die neue Wirkung eines um drei Meter höheren Raums bereits erleben.

Was man noch nicht erleben kann, ist das Lichtkonzept, das ASW mit den Lichtdesignern vom Büro Luxophil erarbeitet haben: ein schlichtes Stahlgerüst aus LED-Leuchten, das dazu beitragen solle, die U-Bahnhöfe als "puren Raum" erleben zu können und sie zugleich auch zu "angstfreien Räumen" zu machen, wie Wappner betonte. Insgesamt werden die Bahnhöfe, wenn die Stadtwerke München (SWM) als Eigentümer den Ideen folgen, deutlich aufgeräumter und schlichter werden. Ein Farbakzent entstünde nur noch über die bereits bestehenden farbigen Fliesen an den Säulen in der Bahnsteigmitte: rot an der Giselastraße, dunkelgrün am Goetheplatz, hellgrün an der Dietlindenstraße, gelb am Nordfriedhof.

Das Büro ASW hat zuvor bereits die Sanierung der Untergeschosse am Stachus und am Marienplatz geplant und sich damit für diesen Auftrag qualifiziert. Denn die SWM müssen in den nächsten Jahren etwa 40 U-Bahnhöfe modernisieren und sanieren. Sie sollen ein zeitgemäßeres Aussehen bekommen, zugleich geht es angesichts der Masse der Projekte darum, die Kosten im Rahmen zu halten. Als erstes dran sind die Bahnhöfe der Linie U 6, die vor 50 Jahren zwischen Goetheplatz und Kieferngarten in Betrieb ging (mit Ausnahme der Knotenpunkte Marienplatz und Sendlinger Tor, die gesondert saniert werden). Im weiteren wird es um die Bahnhöfe Poccistraße bis Holzapfelkreuth gehen, um die U 2-U 5-Strecke Neuperlach Süd bis Scheidplatz, um den Abschnitt Stiglmaierplatz bis Rotkreuzplatz - und um die inzwischen denkmalgeschützte "Olympialinie" Bonner Platz bis Olympiazentrum.

Bei den Architektinnen und Architekten aus der Stadtgestaltungskommission, die Stadtrat und Verwaltung zu wichtigen Bauprojekten berät, stießen Wappners Vorschläge auf viel Wohlwollen: "Das gefällt mir wahnsinnig gut", lobte Matthias Sauerbruch (Berlin). Birgit Rapp (Amsterdam) nannte es "ein sehr schönes dezentes Konzept". Manfred Kovatsch (München) fand es "erstaunlich, wie viel Raum durch abgehängte Decken verborgen geblieben ist". Er warf aber die Frage auf, ob die Werbetafeln an der Wand künftig tatsächlich so dezent sein würden wie auf den Simulationen. Ja, entgegnete Ludwig Wappner, sie seien "eins zu eins so groß wie derzeit, sie wirken nur kleiner, weil die Räume größer sind". Birgit Loosen (Hamburg) wollte wissen, ob man die grau dargestellten Schriftzüge der Stationsnamen besser lesbar machen könne, gerade auch für Auswärtige. Möglicherweise könne man das etwa in Blau machen, erwiderte Wappner. Ein durchgehendes farbiges Band, wie es das bisher in der Verkleidung gab, will er aber künftig eher nicht mehr haben.

© SZ vom 27.01.2021/vewo
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