Architektur in München:Eine der längsten Holzbrücken der Welt soll breiter werden

Architektur in München: An der Isar stellt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (rechts) die Pläne für den Umbau der Thalkirchner Brücke vor. Konstanze Hofinger, die Erbin des Urheberrechts, hat keine Einwände.

An der Isar stellt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (rechts) die Pläne für den Umbau der Thalkirchner Brücke vor. Konstanze Hofinger, die Erbin des Urheberrechts, hat keine Einwände.

(Foto: Florian Peljak)

Damit sich am Tierpark über der Isar Autos, Radfahrer und Fußgänger nicht ins Gehege kommen, plant die Stadt eine Erweiterung der preisgekrönten Konstruktion.

Von Andreas Schubert

Mit ihren 197 Metern gilt sie als einer der längsten Holzbrücken der Welt. Bis 1994 führte die Thalkirchner Brücke, auch Tierparkbrücke genannt, die Rangliste sogar an.

Doch nach mehr als 30 Jahren soll der Überbau der gut 15 Meter breiten Isar-Querung nun saniert und gleichzeitig verbreitert werden, um endlich dem Gedränge von Auto-, Radfahrern und Fußgängern ein Ende zu bereiten. Eine Prüfung des Baureferats hatte ergeben, dass das möglich ist. Und so hat Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer an diesem Donnerstag zusammen mit Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) die Idee bei einem Ortstermin am östlichen Isarufer offiziell vorgestellt. Um 5,60 Meter soll die Brücke auf der Südseite breiter werden. Insgesamt wird sie dann knapp 21 Meter breit sein.

"Gerade weil hier viele Familien mit kleinen Kindern unterwegs sind, bedarf es einer sicheren Lösung", sagte Krause. Eine zweite Brücke für den Fuß- und Radverkehr sei mehrfach diskutiert worden, doch dies hätte einen weitreichenden Eingriff in das sensible Isarbett bedeutet.

Auch Konstanze Hofinger war zur Vorstellung gekommen. Sie ist die Tochter des 2019 verstorbenen Architekten Richard Dietrich, der Ende der Achtzigerjahre eine neue Konstruktion für die Brücke entworfen hatte. Die alte aus dem Jahr 1904 war nicht mehr zu retten gewesen. Lediglich die Betonfundamente blieben damals erhalten, sodass kein Eingriff ins Flussbett erforderlich war. Hofinger hat die Urheberrechte geerbt und nun ihre Zustimmung für die Erweiterung der Brücke erteilt. Diese besteht aus einer sogenannten Raumfachwerk-Konstruktion und ist noch in gutem Zustand. Weil sie in modularer Bauweise, also nach Baukastensystem, entstanden ist, ist eine Erweiterung mit den gleichen Modulen möglich. Optisch werde die Verbreiterung, vom Isarufer aus gesehen, gar nicht weiter auffallen, verspricht das Baureferat.

Sie freue sich, dass die Brücke erhalten bleibe, sagte Hofinger. Dies sei auch im Sinne ihres Vaters, der in München neben Wohnungsbauprojekten noch weitere Brücken realisiert hat, etwa die Fußgängerbrücke über die Schenkendorfstraße, die Kettenbrücke in Neuperlach oder die St.-Emmeram-Brücke in Oberföhring. Die Thalkirchner Brücke sei aber die schönste Brücke, die Richard Dietrich gebaut habe. Sie sei "ein Symbol seiner Auffassung von schön gestalteter und nachhaltiger Ingenieur-Architektur", so Hofinger.

Architektur in München: Die Thalkirchner Brücke besteht aus 520 Kubikmetern Holz.

Die Thalkirchner Brücke besteht aus 520 Kubikmetern Holz.

(Foto: Florian Peljak)

Die heutige Brücke entstand von 1989 bis 1991. Als Material wurden Fichtenleim- und Lärchenvollholz verwendet, das durch Stahlknoten zusammengehalten wird. Insgesamt wurden 520 Kubikmeter Holz verbaut. Im Jahr 1992 erhielt die Brückenkonstruktion eine Auszeichnung beim Deutschen Holzbaupreis.

Bevor damals mit dem Bau begonnen wurde, gab es in München eine Diskussion über das Baumaterial. Zunächst wollte das Baureferat mit aus tropischen Regenwäldern stammendem Bongossi-Hartholz arbeiten, das damals im Brückenbau noch häufig verwendet wurde. Nach Protesten von Naturschützern nutzte man dann das Holz heimischer Nadelbäume.

Das Baureferat plant nun den Umbau der Brücke und will dem Stadtrat bis Anfang 2025 einen Entwurf vorlegen. 2026 könnte die Brücke dann fertig sein, dann sollen sie auch kleine Linienbusse queren können. Dennoch sollen auch weiterhin nur Fahrzeuge bis maximal drei Tonnen die Brücke befahren dürfen.

Die Bauzeit schätzen die Fachleute auf etwa ein Jahr. Währenddessen wird die Brücke für den Verkehr gesperrt. Ob zumindest Fußgänger und Radler sie weiter nutzen können, ist noch zu klären, ebenso die Frage, ob auch die Straßen im Zulauf der Brücke verbreitert werden.

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