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Bildung:Für 50 Millionen Euro sollen Münchens Schulen digitaler werden

Land unterstützt Schulen mit zusätzlichen Corona-Hilfen

Investitionen in Millionenhöhe: Die digitale Ausstattung an den Münchner Schulen soll nun rasch verbessert werden.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Stadt will im kommenden Jahr 10 000 Lehrer-Laptops und 2000 Wlan-Router anschaffen, um bei der Schul-IT kurzfristig nachzubessern. Der Bildungsausschuss des Stadtrats berät darüber am Mittwoch.

Von Anton Kästner und Jakob Wetzel

Die Zeit dränge, schnelle Lösungen müssten her, sagt Martin Schmid, der Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Zum Schutz vor dem Coronavirus könnten ja erneut Klassen halbiert werden. Lehrerinnen und Lehrer müssten ihre Schülerinnen und Schüler dann zum Teil virtuell unterrichten, zum Beispiel mit "hybridem Unterricht": Das bedeutet, dass die eine Hälfte der Klasse im Schulhaus hockt, die andere daheim vor dem Rechner. Doch dafür braucht es Technik. "Wie kann ich den Unterricht streamen, wenn ich in der Schule kein Wlan habe?", fragt Schmid.

Das zuständige städtische Bildungsreferat habe viel versäumt, sagt Schmid. Er erwartet nicht, dass sich die Lage bald bessere. Schmid selbst leitet die Grundschule an der Klenzestraße in der Isarvorstadt; diese müsse nach aktueller Planung noch bis Herbst 2021 auf ihr Wlan warten, sagt er. Ginge es nach Schmid, erhielten die Schulen mehr Verantwortung und könnten sich dann selbst um ihre Technik und ihr Internet kümmern. Diesen Wunsch wird ihm die Stadt in absehbarer Zeit eher nicht erfüllen. Doch in anderer Hinsicht naht jetzt wohl Abhilfe: Am Mittwoch wird der Bildungsausschuss des Stadtrats darüber beraten, bei der Schul-IT kurzfristig nachzubessern: SPD und Volt sowie Grüne und Rosa Liste im Stadtrat hatten im Oktober eine "Wlan-Offensive" gefordert. Jetzt wird es konkret: Stimmen die Stadträte zu, sollen die Münchner Schulen nun unter anderem rascher als geplant mit Wlan sowie mit Laptops für Lehrer ausgestattet werden.

Die Stadt wollte mit der Digitalisierung ihrer Schulen eigentlich ohnehin längst weiter sein. 2019 hat die "LHM Services" (LHM-S), eine Tochterfirma der Stadtwerke, die IT der Schulen übernommen; bis 2025 soll sie diese für knapp 300 Millionen Euro auf einen zeitgemäßen Standard heben. Als Vorreiterin sollte dabei ursprünglich schon im Herbst 2020 eine erste Schule neu ausgestattet sein. Ausgerechnet die Pandemie aber habe diese Pläne vereitelt, heißt es in der Vorlage des Bildungsreferats für den Stadtrat. Zum Beispiel deswegen, weil die LHM-S kurzfristig reagieren musste und seither damit beschäftigt war und ist, 8220 Leih-Tablets für Schüler, die daheim keine eigenen Geräte haben, anzuschaffen und zu verteilen sowie Lizenzen für das System "Microsoft Teams" zu organisieren. Nun soll diese Verzögerung "weitgehend ausgeglichen" werden, heißt es. Und mehr noch: Es sollen erheblich mehr Schulen schon 2021 neu ausgestattet werden als anfangs geplant.

Im Einzelnen sollen allein im kommenden Jahr 10 000 Lehrer-Laptops und damit Geräte für etwa zwei Drittel aller städtischen Lehrkräfte verteilt werden - doppelt so viele wie ursprünglich vorgesehen. Um die Schulen zudem kurzfristig mit mobilem Internet auszustatten, sollen unter anderem 2000 Wlan-Router angeschafft werden. Diese können die Schulen flexibel dort verwenden, wo sie gebraucht werden. Außerdem sollen an den Schulen IT-Arbeitsplätze für virtuellen Unterricht ertüchtigt werden, etwa mit schwenkbaren Kameras. Für die Kommunikation mit den Eltern ist eine App angedacht. Das Bildungsreferat spricht dabei von "Sofortmaßnahmen". Bis die ersten Router verteilt werden können, wird es allerdings bis Februar dauern. Wann die Laptops bereitstehen, hänge davon ab, wie schnell sie geliefert werden, heißt es. Die ersten sollen im März oder April an die Lehrkräfte gehen.

Kosten soll diese IT-Offensive insgesamt 50,8 Millionen Euro. Einen großen Teil davon könnte die Stadt aus bereits beschlossenen Budgets bezahlen, insgesamt aber wäre der Kostenrahmen für die Digitalisierung der Schulen damit um mehr als 18,2 Millionen Euro überschritten. Wie viel die Stadt davon tatsächlich selbst bezahlen muss, ist aber unklar: Die Stadt setzt darauf, dieseAusgaben "aus zusätzlich erwarteten Fördermitteln des Landes" zu bestreiten. Die Stadtkämmerei hat keine Einwände.

© SZ vom 01.12.2020/syn/van
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