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SZ-Serie: Schulabschluss in Zeiten von Corona:Ein ganz besonderer Jahrgang

Im Uhrzeigersinn von links oben: Bara Chayah, Maya Grombach, Niklas Krofta, Yannick Andricek und Lilli Schickel. Fotos: Catherina Hess, privat

In München stehen etwa 4300 Jugendliche vor dem Abitur, 4100 Schülerinnen und Schüler schließen die Mittelschule ab, 2900 die Realschule. Sie haben ein wechselhaftes Unterrichtsjahr hinter sich und aufregende Monate vor sich, in denen sie erneut über sich hinauswachsen müssen.

Von Kathrin Aldenhoff, Sabine Buchwald und Jakob Wetzel

Der Schulabschluss ist ein großer Schritt ins Erwachsenenleben. Er ist der Schlüssel für etwas Neues: für eine Ausbildung, ein Praktikum, vielleicht ein Studium, einen Auslandsaufenthalt. Nach all den Prüfungen, all dem Lernen, den Referaten, Seminararbeiten und Mathe-Knobeleien wartet die große Freiheit. Oder doch die große Leere?

Die Schülerinnen und Schüler, die 2021 ihren Abschluss machen, sind ein besonderer Jahrgang: Sie sind zwar nicht die ersten, die ausgerechnet dann, wenn sie alle Kräfte bündeln müssen, mit Schulschließungen zu kämpfen haben. Doch sie sind deutlich stärker von der Corona-Pandemie betroffen als der Abschlussjahrgang von 2020. Die Süddeutsche Zeitung wird in den nächsten Monaten fünf junge Menschen auf ihrem Weg zum Schulabschluss begleiten. Einmal die Woche, immer samstags, werden sie im Wechsel von ihren Erfahrungen erzählen, von ihren Sorgen und auch von ihrem Ärger; von dem, was gut, und von dem, was schief läuft. Die Abschlussklassen stehen auch in normalen Jahren schon unter enormem Druck - so wie auch ihre Lehrer und ihre Eltern. Nun ist aber vieles anders.

Bayernweit machen in diesem Jahr etwa 145 000 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen ihren Abschluss. In München stehen etwa 4300 Jugendliche vor dem Abitur, 4100 Schülerinnen und Schüler schließen die Mittelschule ab, 2900 die Realschule. Sie alle haben ein herausforderndes Jahr hinter sich: mit Distanz- und Wechselunterricht, mit Maskenpflicht in der Sporthalle und einer digitalen Lernplattform, deren Namen früher kaum jemand kannte, inzwischen aber wohl jeder: mit Mebis. Hinter ihnen liegt eine Zeit voller Unsicherheit, voller Unterrichtsausfälle und Unwägbarkeiten, und auch eine Zeit ohne Schulausflüge, ohne Abschlussfahrten, ohne diese besonderen Ereignisse, von denen die Jahrgänge vor ihnen ein Leben lang erzählen können.

Im September waren die Abschlussklassen, so wie alle anderen auch, mit Elan gestartet. Der Sommer war weitgehend entspannt gewesen. Doch gleich nach den Ferien kamen die ersten Corona-Fälle. Ganze Klassen, teilweise ganze Jahrgangsstufen mussten wochenlang in Quarantäne. Noch schlimmer war es für die Schülerinnen und Schüler, wenn sie alleine in Quarantäne hockten - denn dann mussten sie den verpassten Stoff und ihre Prüfungen auch alleine nachholen.

Die Jugendlichen kommen bei all dem selten zu Wort. Sie seien stille Leidtragende, heißt es von Kinder- und Jugendärzten sowie von Sozialpädagogen: Sie müssen sich den häufig allzu kurzfristig gefassten und verkündeten Beschlüssen der verantwortlichen Erwachsenen fügen und werden selbst nicht gefragt. Rahmenbedingungen und Prüfungstermine beschließt das Kultusministerium. Die Umsetzung im Alltag erledigt jede Schule etwas anders. Die Abiturprüfungen wurden um zwei Wochen verschoben, sie beginnen jetzt am 20. Mai; die Abschlussprüfungen an Mittel- und Realschulen folgen im Juni und im Juli - das ist zumindest der Stand Mitte Februar. "Unsere Schüler sollen keine Nachteile erleiden", hat Ministerpräsident Markus Söder im März 2020 versprochen, kurz nachdem die Staatsregierung zum ersten Mal alle Schulen schließen ließ. Was dieses Versprechen wert ist, davon werden die Betroffenen in den kommenden Wochen selbst erzählen.

© SZ vom 20.02.2021/infu
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