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Covid-19-Pandemie:Der Schlachthof ist coronafrei

Großreinigung im Münchener Schlachthof nach BSE-Verdacht

Großreinigung gehört für die Mitarbeiter im Münchner Schlachthof zur täglichen Routine.

(Foto: imago/Reinhard Kurzendörfer)

Mit Reihentests will die Stadt an der Zenettistraße einen Massenausbruch wie bei der Firma Tönnies verhindern. Das jüngste Ergebnis: Alle Tests negativ.

Von Thomas Hummel

Der Schlachthof München bleibt von einem Ausbruch des Coronavirus verschont. Nach teilweise Hunderten Infizierten in diversen Fleischbetrieben Deutschlands führte das städtische Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) in der vergangenen Woche zum zweiten Mal eine Reihentestung unter den Mitarbeitern in der Zenettistraße durch. Nun gab das Referat die Ergebnisse bekannt: alle Tests negativ.

"Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis und bestätigt die Landeshauptstadt München in ihrer Teststrategie und ihren Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie", erklärt Oberbürgermeister Dieter Reiter. Nach Angaben des RGU wurden in der Schweineschlachtung 36 Mitarbeiter getestet, 117 in der Rinderschlachtung. 13 Mitarbeiter seien nicht anwesend gewesen, diese Tests stünden noch aus. Bei der ersten Reihentestung Ende Mai war bei zwei Mitarbeitern das Virus festgestellt worden, die beiden begaben sich damals in Quarantäne.

Der massenhafte Virusausbruch bei der Firma Tönnies in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1500 Infizierten und anschließendem Lockdown zweier Landkreise verursachte auch in München Nervosität. Noch weiß niemand genau, warum sich das Virus in vielen Fleischbetrieben so leicht verbreitet hat. In der Kritik standen auch die bisweilen beengten Wohnverhältnisse der oft aus Osteuropa stammenden Mitarbeiter. Der Münchner Schlachthof ist zwar wesentlich kleiner, liegt aber inmitten der Stadt.

So bat der Bezirksausschuss um Auskunft zu Hygiene- und Arbeitsverhältnissen, Stadträte wurden aktiv und im Landtag stellten drei Grünen-Abgeordnete Anfragen, unter anderem zur Wohnsituation der Arbeiter. In der Antwort verweist das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auf das städtische RGU, demnach gebe es keine prekäre Unterbringung. Mitarbeiter der Schweineschlachtung wohnten in München und im Umland zu zweit oder dritt auf einem Zimmer. "Bei der Rinderschlachtung sind 78 Mitarbeiter in einer Sammelunterkunft untergebracht, sie wohnen teilweise zu zweit zusammen, 15 Mitarbeiter an einer weiteren Adresse in München, und 15 im Umland in zwei Sammelunterkünften." Sollten hier Infektionen auftreten, würden die Gesundheitsbehörden Maßnahmen einleiten, die bis zu einer Isolation und zwangsweiser Absonderung von Personen oder Schließung von Betrieben führen kann.

Nach Angaben der Tierärzte des Veterinäramts halten die Mitarbeiter im Schlachthof die Abstandsregeln ein oder tragen Mund-Nasen-Schutz. Die Betreiber der Schlachthöfe wollen sich weder dazu noch zu anderen Fragen äußern. Das RGU kündigt an, die Reihentestung regelmäßig zu wiederholen.

© SZ vom 13.07.2020
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