bedeckt München 17°
vgwortpixel

München:Bangen ums Biotop

Ehemaliges Kieswerk Roth, es liegt im Perlacher/Truderinger Wald auf Höhe Friedrich-Panzer-Weg 46

Auf dem Trockenen sitzen am Weiher im Perlacher Wald die Spaziergänger. Die kurzen Regenphasen der vergangenen Tage dürften an dieser Situation kaum etwas geändert haben. Das kleine Gewässer ist Heimat vieler bedrohter Tiere und Pflanzen, die nun verschwinden könnten.

(Foto: Florian Peljak)

Durch den niedrigsten Wasserstand seit 15 Jahren im Perlacher Wald ist der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzenarten gefährdet.

Aufmerksame Spaziergänger haben es bereits vor einiger Zeit bemerkt: Der Wasserspiegel des Weihers im Perlacher/Truderinger Wald ist in den vergangenen Wochen und Monaten kontinuierlich gesunken. Inzwischen ist das kleine Gewässer, Heimat auch vieler bedrohter Tiere und Pflanzen, weitgehend trockengefallen. Das wiederum hatte die Stadträte der Fraktion Die Grünen/Rosa Liste, Paul Bickelbacher, Herbert Danner, Anna Hanusch und Sabine Krieger, auf den Plan gerufen. In einer Anfrage wollten sie wissen, ob das Biotop im Perlacher Wald und die dortige Artenvielfalt im Bestand gefährdet sei. Darauf hat ihnen jetzt Stadtbaurätin Elisabeth Merk, in Abstimmung mit den Kollegen vom Referat für Gesundheit und Umwelt geantwortet. Kernaussage ihrer Ausführungen: Ja, die Befürchtungen um den Fortbestand des Biotops und seiner besonderen Flora und Fauna sind berechtigt, die dortige Artenvielfalt droht verloren zu gehen.

Eingangs präzisiert Merk, dass sich die Anfrage der Stadträte konkret auf das Biotop "Kiesgrube Roth" im Perlacher beziehungsweise Truderinger Wald beziehe, das seit Kurzem trockengefallen sei: "Ihren eigenen Beobachtungen zufolge, aber auch nach Aussagen von Personen, die seit Jahrzehnten im Umfeld wohnen, haben sich in der Vergangenheit zwar immer Schwankungen im Grundwasserstand gezeigt, eine vollständige Austrocknung sei erstmals - seit vielen Jahrzehnten - zu beobachten." Weshalb wiederum die Stadträte wissen wollten, ob es längerfristige Aufzeichnungen über den Wasserstand in der ehemaligen Kiesgrube Roth beziehungsweise die Grundwasserstände in diesem Abschnitt des Perlacher Waldes gibt. Und wenn ja, so fragen sie, welche Ergebnisse resultieren aus diesen Aufzeichnungen?

Dazu erklärte Merk nun, dass sich in dem Weiher keine Messstelle für den Wasserstand befinde. Dessen Wasserspiegel sei vor allem vom Grundwasserstand, von der Niederschlagsmenge und von Verdunstungsprozessen abhängig. Das Austrocknen des Weihers lasse sich durch aktuell geringe Grundwasserstände und Niederschläge erklären. Tatsächlich wird derzeit bereits bayernweit wegen des geringen Schneefalls im Winter und des ausbleibenden Regens in den vergangenen Monaten über deutlich geleerte Wasserspeicher berichtet. Jedenfalls heißt es im Antwortschreiben von Merk, dass die nächstgelegenen Messstellen mit aktuellen Daten am Friedrich-Panzer-Weg, an der Spalatinstraße 4 und an der Fauststraße 90 liegen. Derzeit, das heißt Stand Ende Januar 2020, liege der Grundwasserstand auf einem sehr niedrigen Niveau ungefähr 1,2 bis 1,5 Meter unter dem mittleren Grundwasserstand. Merk fügt hinzu: "Das ist der niedrigste Wasserstand seit circa 15 Jahren."

Ehemaliges Kieswerk Roth, es liegt im Perlacher/Truderinger Wald auf Höhe Friedrich-Panzer-Weg 46

Auch das Wild im Wald leidet unter der anhaltenden Trockenheit.

(Foto: Florian Peljak)

Insofern war auch die zweite Frage der Stadträte mehr als berechtigt: Welche Veränderungen bei Flora und Fauna sind zu befürchten, sollte dieser niedrige Grundwasserstand künftig häufiger beziehungsweise dauerhaft auftreten? Dazu bekommen sie von der Stadtbaurätin eine etwas zwiespältige Auskunft: "Niedrige Wasserstände und zeitweises Austrocknen von Gewässern führen dazu, dass Tiere und Pflanzen, die auf ausdauernde Gewässer und größere Gewässertiefen angewiesen sind, weniger werden und am Ende verschwinden." Darunter befänden sich auch in der Kiesgrube Roth gefährdete Arten.

Die Bedingungen für Lebewesen, die auf zeitweise trockenfallende Gewässer angewiesen sind, würden hingegen besser. So seien beispielsweise viele der Amphibienarten der Roten Listen auf fischfreie beziehungsweise fischarme Gewässer angewiesen, da Amphibien - vor allem ihr Laich und ihre Larven beziehungsweise Kaulquappen - zum Nahrungsspektrum vieler Fischarten gehören. Ein Austrocknen eines Gewässers im Winter könne insofern für viele Amphibienarten positiv sein, da die meisten Fische dies nicht überleben. Ein längerfristiges Trockenfallen beziehungsweise ein Trockenfallen außerhalb des Herbstes und Winters wäre jedoch auch für Amphibien nachteilig.

Der geringe Sauerstoffgehalt des Wassers bei sommerlichen Tiefständen und hohen Wassertemperaturen ist laut Merk darüber hinaus problematisch für zahlreiche weitere Gewässerorganismen. "Aus dem Blickwinkel des Naturschutzes wäre es also günstig, wenn es an einem Ort verschiedene Gewässer mit unterschiedlichen Wasserständen und Wasserstandsschwankungen gäbe, sodass die lokalen Populationen der Arten langfristig überleben können", lautet ihr Resümee.

Abschließend geht die Stadtbaurätin auf eine Frage ein, die sich auch manchem Spaziergänger und Anwohner aus der Nachbarschaft des Biotops gestellt hat: Ob es vorstellbar sei, dass die "Großbaustelle Piederstorfer" am Truderinger Alexisweg mit dem aktuellen Sinken des Grundwasserstandes in Zusammenhang steht? Merk erklärt dazu, dass im fraglichen Bebauungsplangebiet bislang zu drei Bauvorhaben wasserrechtliche Bescheide erteilt wurden, zwei davon mit einer Bauwasserhaltung. Ihr klares Fazit: "Die dabei zur Entnahme genehmigten Wassermengen sind so gering, dass eine messbare Beeinflussung des Grundwasserstandes im Bereich des Weihers im Truderinger Wald ausgeschlossen werden kann."

© SZ vom 06.05.2020
Landwirtschaft, Bayern, Trockenheit

Landwirte in Bayern
:"Wir kämpfen um unsere Existenz"

Fehlender Regen, nächtlicher Frost und östliche Winde trocknen schon jetzt - vor allem in Franken - die Ackerböden aus. Das hat spürbare Folgen für die Bauern.

Von Olaf Przybilla und Hans Kratzer

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite