Mathias Klöffel ist regelrecht "verzweifelt", sagt er. Seit 40 Jahren ist er als Landwirt in der Gegend um Bad Königshofen tätig, im nördlichen Unterfranken. Und natürlich gab es immer schon trockene Perioden. Von den letzten zehn Jahren aber waren im Kreis Rhön-Grabfeld acht extrem trocken. "Und es spitzt sich immer mehr zu", erzählt Klöffel, "da fragt man sich irgendwann: Warum stehe ich überhaupt noch auf?"
Vier Wochen hat es keinen Tropfen mehr geregnet auf seine Äcker. In den vergangenen Tagen wurde zwar in einigen Regionen Bayerns ein wenig Regen gemeldet. Bei Klöffel aber: nichts. Zusammen mit dem nächtlichen Frost und den östlichen Winden ergebe die Trockenheit eine "deprimierende" Mixtur. Sein Raps ist ihm Anfang des Monats erfroren. Als Landwirt frage man sich, was man überhaupt noch anbauen könne. "Wir kämpfen um unsere Existenz", sagt Klöffel. "Würden wir sagen: Das ist katastrophal für uns - wäre es noch geprahlt."
Franken, vor allem Unterfranken, ist von der Trockenheit regelmäßig stark betroffen. Von einer aktuellen Ausnahmesituation will Johannes Ruck, Vorsitzender des Weinbauvereins in Iphofen, insofern nicht sprechen, dies aber nur mit einer entscheidenden Einschränkung: "Es ist besonders trocken", nur habe man sich am Main inzwischen an diesen extremen Zustand gewöhnt und im Weinberg erkenne man vor dem Austrieb den Grad der Trockenheit noch nicht. Reben haben ein stark ausgeprägtes Wurzelwerk, fehlt es an Nährstoffen oder Wasser können sie das für eine gewisse Zeit überbrücken.
Sollte es aber auf Dauer so bleiben in der zentralen Weinbauregion im Freistaat, so gäbe es in 30, spätestens aber 50 Jahren "keinen solchen Weinbau mehr hier in Iphofen", befürchtet der Winzer. Für die Region, für die der Wein einen beträchtlichen Teil ihrer Identität ausmacht, wäre das ein Albtraum. Weinbergbewässerungsanlagen könnten Abhilfe schaffen, ohne staatliche Hilfe sind solche aufwendigen Projekte für die Region aber nicht zu stemmen, sagt Ruck.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in München reagierte am Dienstag auf Fragen nach einer Bewertung der aktuellen Trockenheit noch zurückhaltend. Auffallend ist jedenfalls die Ähnlichkeit der derzeitigen Wetterlage mit jener vom Frühjahr 2018, damals folgte dann eine extreme Sommerdürre. Auch jetzt herrscht mitten im April eine Art Frühsommer, die Böden stauben vor Trockenheit, die Aussichten verheißen wenig Hoffnung auf Regen. Die Meteorologin Lisa Brunnbauer vom DWD sagte am Montag lediglich, die derzeitige Dominanz von Hochdruckgebieten ohne Regen könnte noch länger anhalten. Im Alpenvorland hat es in der Nacht von Sonntag auf Montag etwas geregnet, die Lage hat sich dort im Gegensatz zu Nordbayern etwas entspannt. Insgesamt sei die Lage aber noch nicht dramatisch.

Das bestätigt auch Johann Graf vom Bayerischen Bauernverband. Der Wasserbedarf sei zurzeit noch nicht so groß, fünf Liter Niederschlag in der Nacht zum Montag haben schon geholfen. Für das Wintergetreide sei es zwar zu trocken, aber es werde noch nichts kaputt. Für eine Prognose sei es zu früh. Kartoffeln und Mais profitierten momentan sogar von der Trockenheit, sagt Graf, es komme nämlich zu keiner Bodenverdichtung. Es sollte aber bald regnen, denn die Wasservorräte im Boden seien knapp. "Das klassische nasse Aprilwetter haben wir nicht mehr", sagt Graf. Sehr schlecht sei das für den Wald.
Aufgrund der erhöhten Gefahr von Waldbränden - im Freistaat mussten bereits mehrere regionale Waldbrände gelöscht werden - hat die Regierung von Unterfranken über Ostern und für das kommende Wochenende Beobachtungsflüge angeordnet. Zwar werden auch am Wochenende wie bereits über Ostern aufgrund der Ausgangsbeschränkungen weniger Ausflügler in Wald und Flur erwartet, was die Gefahr eines aus Versehen ausgelösten Waldbrands reduziert. Trotzdem ist die Situation offenbar so heikel, dass vor allem nachmittags aus der Luft kontrolliert wird. Luftbeobachter versprechen sich auch Erkenntnisse über den Befall mit Borkenkäfern, die von angeschlagenen Bäumen profitieren könnten.
Wie es weitergeht? Klöffel, der Landwirt aus Großbardorf bei Bad Königshofen, ist 57 Jahre alt, um sich selbst macht er sich nicht zuvorderst Sorgen. Aber sein Sohn ist ebenfalls Landwirt, für dessen Zukunft ist die Lage "dramatisch", sagt Klöffel: "Ohne Wasser können wir nichts machen." Beide wollen sie nun versuchen, auf Dauerkulturen zu setzen. Wildpflanzenmischungen etwa sind gut für die Biodiversität und kann man über mehrere Jahre auf dem Acker stehen lassen. Das Problem ist nur, sagt Klöffel: "Das muss auch bezahlt werden."


