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Kultur in München:Oper für niemand

Hunderte Menschen hätten sich am Wochenende auf dem Max-Joseph-Platz versammelt, um klassischen Klängen zu lauschen. Dieses Jahr geht das nicht.

Von Rita Argauer

So eine Opernsaison ist im Normalfall etwas furchtbar Vorhersehbares. Zumindest strukturell. Da gibt es die Premieren, die über das Jahr verteilt werden. Dazwischen finden sich Repertoirevorstellungen. Und ganz am Ende folgt die Kür mit den Opernfestspielen. Da die in der Regel auch etwas sehr Elitäres, Teures und absurd schnell Ausverkauftes sind, gibt es seit einem Jahrzehnt in München "Oper für alle". Und so demokratisch wie sich das anhört ist es auch: Eine wichtige Produktion der Spielzeit wird vor die Oper hinaus auf den Max-Joseph-Platz übertragen. Die Menschen kommen in Scharen, picknicken, sitzen auf dem Boden und sehen und hören das, was drinnen im Theater vor sich geht über eine Video-Projektion. Eine schöne sommerliche Sache, zwischen Event und Kunst.

Auch das Jugendorchester der Bayerischen Staatsoper "Attacca" profitiert davon. Neben der großen Oper-für-alle-Übertragung gibt es auch ein Für-alle-Konzert des Staatsorchesters. Dieses eröffnet das Jugendorchester traditionell live auf dem Marstallplatz, kostenlos und unter freiem Himmel.

So etwas geht natürlich in diesem Sommer gar nicht, trotz Open-Air. Denn so beliebt, wie beide Veranstaltungen sind, so gut besucht sind sie auch. In der Regel ist es dort also sehr eng. Außerdem wurden die Opernfestspiele und alle daran hängenden Events schon im April abgesagt. "In den letzten Wochen haben wir mehrere Szenarien für die Durchführung der Festspiele durchgespielt, die vor allem die Sicherheit und Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunstschaffenden und Publikum sicherstellen sollten", sagte Staatsintendant Nikolaus Bachler dazu. Doch keine der Optionen habe sich "als praktikabel und zufriedenstellend herausgestellt".

Die Saison der Staatsoper ist also jetzt - wo eigentlich in diesem Jahr beide Veranstaltungen zu einem Oper-für-alle-Wochenende am 18. und 19. Juli gebündelt hätten stattfinden sollen und der Wetterbericht das einzige sein sollte, was man diesbezüglich bange verfolgt - beendet. Frühzeitig hat sich das Haus Ende Juni in die Sommerpause verabschiedet, da man ja jetzt ohne Festspiele, ohne "Oper für alle" und ohne Festspiel-Konzerte sowieso nichts mehr machen kann.

Es ist auch traurig: Statt dem Trubel, der sonst zu Festspielzeiten in und um das Haus herum los ist, gibt es nur noch streng reglementierte Konzerte und Kleinst-Veranstaltungen. Was gab es früher schon für schöne Dinge: Die Open-Air-Bar auf den Stufen unterm Portikus zum Beispiel. Oder einen Opernstuhl, der in der Stadt herumstand und per VR-Brille in die Opernwelt entführte. Zum 1. September 2020 aber eröffnet das Haus wieder, früher als sonst, um die verlorene Zeit ein bisschen wieder einzufangen. Zu welchen Bedingungen, das wird sich erst zeigen.

Bis dahin ist die einzige Empfehlung für den Opern- und Musikfreund ein digitaler Rückblick und eventuell ein Spaziergang über den Max-Joseph-Platz. Wer Illusionen mag, kann sich Beethovens Coriolan-Ouvertüre auf die Kopfhörer legen, die hätte das Attacca-Orchester etwa am Sonntag dort gespielt. Anschließend hätte das Staatsorchester in diesem Jahr, nach einem letztjährigen Ausflug in Richtung Musical, wieder ganz romantisch Tschaikowskis Violinkonzert und Rachmaninows 2. Symphonie gegeben.

Beide Veranstaltungen waren 2020 auf dem Max-Joseph-Platz geplant, auch das Oper-für-alle-Konzert, das so noch ein paar mehr Menschen hätten sehen können. Genauso wie Simon Stones Inszenierung von Korngolds "Die tote Stadt" unter der Leitung von Kirill Petrenko. Ein Stück der Moderne, nichts so Zugängliches wie Verdi oder Wagner wäre das gewesen. Und dennoch wäre es wohl ein Abend voller Wonne, Ausgelassenheit und Kunst geworden.

© SZ vom 17.07.2020

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