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Steakhauskette Maredo:Endgültig durch

Maredo am Rindermarkt 5 schließt

Die Marke Maredo kam 1987 nach München. Nun steht sie auch hier wie an vielen Orten vor dem Aus.

(Foto: Florian Peljak)

Maredo brachte einen Hauch von großer, weiter Welt nach München. Nun löst sich die Steakhauskette auf. Ein Nachruf.

Von Franz Kotteder

Für die Eltern-Generation war schon klar: Das ist wieder so ein Ami-Schmarrn, ähnlich wie Haschisch, Hippies, laute Rockmusik oder dieser Ronald mit seinen Wattesemmeln und den faden Fleischpflanzln, der 1971 seinen ersten Laden in Deutschland aufgemacht hatte, ausgerechnet in München. Und jetzt also, 16 Jahre später, auch noch ein sogenanntes Steakhaus, in dem man sich den Salat selber zusammensuchen musste.

Maredo kam tatsächlich erst im Juni 1987 nach München. Die Steakhauskette eröffnete am Rindermarkt im Drei-Rosen-Haus ihr damals mit 300 Plätzen größtes Lokal. Fast 34 Jahre später ist alles wieder vorbei: Am Montag wurde nun bekannt, dass Maredo die allermeisten seiner noch verbliebenen 450 Mitarbeiter in Deutschland entlassen muss. Im März vergangenen Jahres meldete die Firma Insolvenz an, als erstes größeres Opfer der Corona-Pandemie, finanziell hatte es aber schon vorher nicht gut ausgesehen.

Trotzdem war die Münchner Eröffnung damals schon ein kleines Ereignis und auch ein Hauch von großer, weiter Welt. Blutige Rindersteaks waren zuvor nicht so in Mode gewesen, der deutsche Restaurantbesucher liebte es in der Regel immer noch gut durchgebraten. Es galt nach wie vor als sehr amerikanisch, dass man auch in einem ganz normalen Lokal vom Kellner empfangen und zum Tisch begleitet wurde. Und auch Salatbuffets waren damals noch nicht so verbreitet. In München, und nicht nur dort, herrschte ja lange der grüne Beilagensalat vor, angemacht mit Essig, Livio-Öl, Pfeffer, Salz und Zuckerwasser.

Maredo war da schon anders, keine Frage. Amerikanisch war es allerdings gar nicht. Drei Männer aus Düsseldorf, ausgerechnet, hatten die Kette erfunden, und der Name setzte sich zusammen aus jeweils zwei Buchstaben ihrer Namen: Ma von Manfred Holl, re von Karl-Heinz Reinheimer, und do von Udo Schlote. Immerhin kam das Fleisch für den Grill aus der südamerikanischen Pampa, nämlich aus Argentinien und Uruguay.

Die Kette wuchs schnell und lief gut, es gab 35 Restaurants in ganz Deutschland. Die drei Gründer verkauften ihre damals noch recht erfolgreiche Kette in den Neunzigerjahren an den britischen Gastrokonzern Whitbread. Danach folgten Private-Equity-Fonds, zuletzt 2017 der Münchner Finanzinvestor Perusa.

Da war die Steakhaus-Kette dann allerdings schon ziemlich aus der Zeit gefallen. Steaks lagen zwar immer noch im Trend - aber nicht in der banalen Filet- und Huftsteak-Version mit Ware aus Argentinien. Vielmehr boomten Restaurants mit möglichst teuren Stücken von seltenen Zuchtrassen, und dann am besten dry-aged oder gut geschimmelt, ersatzweise von japanischen Rindern, die tagtäglich mit Mozartstreichquartetten beschallt und von sanftmütigen Geishas achtsam totgestreichelt wurden - jedenfalls klingt die Speisekartenlyrik oft danach, als wäre es so.

Das gemeine Nullachtfünfzehn-Steak hingegen hat heute, da furzende Rinderherden das Klima zerstören, nur noch Außenseiterchancen. Und so standen sich beim zweiten Münchner Maredo am Dom die Bedienungen zuletzt die Beine in den Bauch, weil sie kaum was zu tun hatten. Vor zwei Jahren übernahm dann Sepp Krätz mit seinem Andechser am Dom das Lokal.

Nun ist auch die Belegschaft des letzten verbliebenen Maredo-Lokals von München arbeitslos geworden. Was aus den Räumen am Rindermarkt wird, ist noch nicht klar.

© SZ vom 20.01.2021/mmo/van
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