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Uni-Skandal:Es geht um den guten Ruf der LMU

Bei einer Prüfung des Reisekostenwesens der Ludwig-Maximilians-Universität fielen von Herbst 2017 an fünf umstrittene Vorgänge auf.

Die Extravaganzen in den Haushaltsbüchern der Universität monierte der Bayerische Oberste Rechnungshof schon vor längerer Zeit.

(Foto: Florian Peljak)

Die Ludwig-Maximilians-Universität sieht sich Vorwürfen der Geldverschwendung ausgesetzt - und vielen Fragen. Wer sich bisher nicht dazu äußert, ist der LMU-Präsident. Das passt nicht zum eigenen Leitbild.

Kommentar von Martina Scherf

Gruppenreisen nach Venedig, Mittagessen in feinen Restaurants, eine fünfstellige Rechnung für die Abschiedsfeier eines Kollegen - und 64 000 Euro für Taxifahrten eines Vizepräsidenten zwischen Wohnort und Büro. Diese Extravaganzen in den Haushaltsbüchern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) monierte der Bayerische Oberste Rechnungshof schon vor längerer Zeit. Jetzt ist auch der bayerische Wissenschaftsminister alarmiert. Im Nachhinein soll nun geprüft werden, ob und wie weit das Dienstrecht verletzt wurde. Nur einer schweigt zu dem Thema: LMU-Präsident Bernd Huber.

Der Volkswirt ist bekannt für seinen, vorsichtig ausgedrückt, zurückhaltenden Umgang mit der Öffentlichkeit. Dafür nimmt er in Kauf, dass es jetzt wieder einmal auf den Fluren der Uni rumort. Hielt er die Vorgänge für eine Bagatelle angesichts eines Gesamtetats von fast zwei Milliarden Euro? Interessiert ihn nur die Forschung? Diese Fragen stellen sich nicht nur Studierende, die um jeden Euro Zuschuss für eine Exkursion betteln müssen, sondern auch die Abgeordneten des Landtags.

Hochschulen stehen mitten in der Gesellschaft. Sie werden überwiegend von Steuergeldern finanziert, auch wenn sie lieber unabhängiger wären und gerne Geld von der Industrie nehmen. Und sie haben, um es etwas pathetisch auszudrücken, auch einen demokratischen Auftrag. Die Leitidee formuliert die LMU selbst: "umfassende Bildung unserer Studierenden, soziale Kompetenzen sowie kritisches Werte- und Geschichtsbewusstsein". Da passt so ein Fehlverhalten der Führung nicht ins Bild.

Politiker müssen jede Dienstreise rechtfertigen. In Firmen herrschen strenge Compliance-Regeln. Unternehmerische Verantwortung ist Unterrichtsfach für Betriebswirte. Denn die Folgen solcher Verstöße sind bekannt: Oft wiegt der Imageverlust schwerer als finanzielle Einbußen. Das ist gut so, denn Bürger müssen Menschen in Führungspositionen vertrauen können. Dem Präsidenten dieser exzellenten Universität stünde also mehr Transparenz gut an. Fehler zuzugeben, Missstände zu korrigieren, das gehört zu überzeugendem Management. Es geht um Verantwortung. Und um den guten Ruf.

© SZ vom 23.10.2020/syn

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