Nach Wasserschaden im "Oskar Maria":Im Literaturhaus gibt es endlich wieder Essen

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Uli Springer (li.), Dino Klemencic und Literaturhaus-Chefin Tanja Graf sind froh, dass die Brasserie Oskar Maria endlich wieder öffnen kann. (Foto: Stephan Rumpf)

Die Brasserie Oskar Maria musste mehr als drei Monate renoviert werden. An diesem Wochenende öffnet sie wieder.

Von Franz Kotteder

Stete Tropfen, da kennt sich das Sprichwort aus, haben oft ungeahnte Wirkungen. Im Falle der Brasserie Oskar Maria im Literaturhaus am Salvatorplatz war es der Spülmaschinenanschluss an der Bar, der nicht ganz dicht war. Tröpfchenweise gab er Wasser frei, offenbar über einen langen Zeitraum hinweg. Und irgendwann ging die Glastür, die das Literaturhaus von seiner Brasserie trennt, nicht mehr richtig zu: Das Holzparkett hatte sich gehoben, war aufgequollen. "Wir mussten dann feststellen", sagt Uli Springer, einer der drei Brasserie-Betreiber, "dass der Boden im gesamten Lokal bis hinunter zum Estrich feucht geworden war. Und an der Wand hinter der Bar konnte man schon Schimmelbildung sehen."

Das ist auch der Grund, warum die neue Ingeborg-Bachmann-Ausstellung in der Galerie, die sich auf der Erdgeschossseite des Hauses befindet, erst am Montagabend mit vierzehntägiger Verspätung eröffnet werden kann. Die Behebung des Wasserschadens dauerte mehr als drei Monate, "und das hat natürlich auch uns beeinträchtigt", sagt Tanja Graf, die Leiterin des Literaturhauses. Jetzt aber ist sie wieder glücklich mit ihrer runderneuerten Immobilie. "Hier stand mal das erste Opernhaus Münchens, danach war es eine Markthalle und eine Schule", sagt sie, "und jetzt haben wir hier wieder Austausch, Bildung und Kultur vereint. Das ist doch schön!"

Schon an diesem Samstag ist die Dichtkunst nicht mehr brotlos, denn da eröffnet die Brasserie wieder. Für die Betreiber Uli Springer, Dino Klemencic und Marc Ueblherr wird das ansatzweise ein Sprung ins kalte Wasser. Denn gleich am ersten Tag findet auch die lange Nacht der Musik statt. Da spielt im Oskar Maria traditionsgemäß die Swing-Combo The Upstroke Five & Collectif Django, und da ist die Hütte in der Regel so voll, dass das Publikum draußen Schlange steht. Dino Klemencic ist deshalb gespannt, wie sich der Neustart gestaltet.

"Unsere 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir alle weiterbezahlt während der Schließung", berichtet er, "die sind fast alle wieder mit dabei." Aber ob auch die Aushilfen bei der Stange bleiben, ist eine andere Frage. Das Trinkgeld macht bei Servicekräften in der Regel ein Drittel bis zur Hälfte des Einkommens aus, "das fällt natürlich weg, wenn das Lokal geschlossen ist". Beim derzeit herrschenden Personalmangel in der Gastronomie kann man sich die Jobs jedoch aussuchen.

Und auch wenn im Bankenviertel zumindest tagsüber betuchte Kundschaft unterwegs ist, tut sich auch das Oskar Maria nicht unbedingt leicht, weil man täglich geöffnet hat, vom Vormittag bis spät in die Nacht. Das Publikum ist sehr gemischt, von Geschäftsleuten tagsüber bis hin zum Kulturpublikum mit allen Altersstufen am Abend. "Das Literaturhaus ist wie eine Bühne", sagt Uli Springer, "mit einem sehr vielseitigen Programm und einem ganz tollen, gemischten Publikum." Aber auch vielen Stammgästen. "Tagsüber sind das um die 60 Prozent", sagt Klemencic.

Für die Gäste hat sich durch den Umbau wenig verändert. (Foto: Stephan Rumpf)

Die werden ihr Restaurant am Samstag sofort wiedererkennen. Denn auch wenn Fußboden und Bar nahezu komplett erneuert wurden: Der Denkmalschutz und der Urheberrechtsanspruch des Architekturbüros Uwe Kiessler, das den Umbau der ehemaligen Salvatorschule in den Neunzigerjahren ausgeführt hatte, lassen kaum große Änderungen zu. Was in Ordnung ist, denn das Restaurant selbst mit seiner eingehängten Galerie und der Freitreppe nach oben ist ja von zeitloser Schönheit.

Die Veränderungen beziehen sich eher auf das Angebot. "Die klassische Brasserieküche ist nicht mehr so gefragt", erzählt Klemencic, "das Tagespublikum hat einen hohen Qualitätsanspruch und wenig Zeit." Uli Springer schätzt, dass inzwischen um die 40 Prozent der Gerichte vegetarisch und vegan sind. An den Autorinnen und Autoren, die nun im Haus endlich wieder etwas zu essen bekommen, dürfte das nicht liegen, wenn man der Literaturhaussprecherin Marion Bösker glauben darf: "Viele, die immer wieder bei uns lesen, sagen, sie freuen sich schon auf das Rindertatar im Oskar Maria danach."

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