Klima-Proteste in München:"Letzte Generation" kündigt verstärkte Störungen an

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Klima-Proteste in München: Mitglieder der "Letzten Generation" bei einer Aktion am Stachus.

Mitglieder der "Letzten Generation" bei einer Aktion am Stachus.

(Foto: Florian Peljak)

Die nächste Aktion in München soll am Montagmorgen am Stachus stattfinden. Dort haben sich die Klimaaktivisten schon mehrmals festgeklebt. Immer mehr Menschen sind bereit, für den Klimaprotest ins Gefängnis zu gehen.

Von Andreas Schubert

Fast einen Monat lang saß der Klimaaktivist Joel Schmitt im Gefängnis. Es war für ihn, wie er sagt, eine intensive Zeit, in der er sich gefragt habe, warum er das überhaupt mache. Aufgrund des umstrittenen Polizeiaufgabengesetzes wurde er in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Gewahrsam gehalten, nachdem er sich Anfang November zusammen mit anderen am Stachus festgeklebt und so den Verkehr blockiert hatte. Dann wurde er auch noch neben zwei anderen Aktivisten zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch der Aktivist von der Gruppe "Letzte Generation" lässt sich nicht von weiteren Aktionen abhalten. "Alles in allem hat mich die Zeit im Gefängnis bestärkt."

Und so will sich der 23-jährige Volkswirtschaftsstudent am kommenden Montag, acht Uhr, wieder am Stachus festkleben, genauer gesagt auf Höhe des Taxistands Stachus Ost. Es wird ziemlich sicher nicht die letzte Aktion sein. Am Freitag hat die "Letzte Generation" nach einer kurzen Pause neue Störaktionen angekündigt, insbesondere in Berlin und München. Und auch wenn die Aktivisten dem eigenen Bekunden nach "unfassbar viel Gegenwind" bekommen, werden sie auch über den Jahreswechsel hinaus so lange protestieren, bis zumindest ihre Minimalforderungen erfüllt sind. Das wären die Wiedereinführung des Neun-Euro-Tickets und ein generelles Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf den Autobahnen. Erst dann werde man den Protest aussetzen. Eines kann Schmitt dabei nicht so ganz verstehen, nämlich dass die Regierung lieber friedliche Klimaaktivisten wegsperre, statt die einfachsten Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

Besonders die verkehrsreichen Straßen hat die "Letzte Generation" bei ihren Aktionen im Blick. Man gehe bewusst in die Innenstadt, wo auch viele Passantinnen und Passanten vorbeikämen und es nicht nur zur Konfrontation mit Autofahrern komme. "Unsere Aktionen führen dazu, dass sich alle Menschen positionieren müssen", sagt Schmitt. "Wir lassen uns nicht mit Gefängnisstrafen davon abhalten, für eine gute Zukunft zu kämpfen."

Die Klimaaktivisten blockieren seit Beginn des Jahres immer wieder Straßen und erregen Aufmerksamkeit auch mit anderen Aktionen. Sie beschmieren in Museen Gemälde und kleben sich an deren Rahmen fest. Im August hatten sich in der Alten Pinakothek zwei Männer am Rahmen des Rubens-Gemäldes "Der bethlehemitische Kindermord" fixiert. Dabei ist nach Angaben des Museums ein Sachschaden von mehr als 10 000 Euro entstanden. Straßenblockaden gab es außer am Stachus unter anderem auch am Odeonsplatz, vor dem Justizpalast und am Friedensengel. In der BMW-Welt klebten sich Aktivisten an ein Auto.

Derlei Aktionen halten die Klimaschützer, die in vielen Medienberichten als "Klima-Kleber" bezeichnet werden, für notwendig und nehmen dafür auch juristische Konsequenzen in Kauf. Einfache Demonstrationen, davon sind sie überzeugt, zeigen nicht die gewünschte Wirkung.

Trotz aller Kritik schließen sich der Klimaschutz-Bewegung offenbar immer mehr Menschen an. Laut Schmitt haben in München seit November mehr als 1000 Menschen Kontakt zur "Letzten Generation" aufgenommen. 266 hätten angegeben, grundsätzlich eine Haftstrafe in Kauf zu nehmen. So rechnet der Freiburger Student, der dem eigenen Bekunden nach derzeit eher wenig zum Studieren kommt, am kommenden Montag mit einer größeren Beteiligung an der Aktion. Am 3. November, dem Tag, an dem Schmitt und zwei weitere Aktivisten dann nach Stadelheim kamen, waren es 15.

Neben wütenden Reaktionen habe es bei den Klebe-Aktionen auch Zuspruch gegeben, erzählt er, sogar von Autofahrern. Schmitt und seine Mitstreiter sind überzeugt, die Mehrheit von ihrem Anliegen überzeugen zu können. "Wir können die Gesellschaft nicht dazu zwingen, sich für Klimaschutz einzusetzen. Wir laden sie aber dazu ein, sich die Frage zu stellen: Möchten wir umsteuern?"

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