Rikschafahrer:Radeln und Ratschen

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Rikschafahrer: Falk Hilbers City-Rikschas haben extra Haltegriffe und eine absenkbare Bodenplatte, die auch Rollstuhlfahrern das Einsteigen erleichtert.

Falk Hilbers City-Rikschas haben extra Haltegriffe und eine absenkbare Bodenplatte, die auch Rollstuhlfahrern das Einsteigen erleichtert.

(Foto: privat)

Falk Hilber hat ein Rikscha-Modell eigens für Senioren entwickelt. Immer mehr Altenheime finden das interessant. Denn Ehrenamtlichen erleichtert es den Kontakt zu alten Menschen, beim Radeln kommen sie ins Gespräch.

Von Clara Löffler

An diesem Donnerstag startet ein Rikscha-Angebot für Senioren im Vincentinum. Das Alten- und Pflegeheim im Lehel hat zwei Rikschas angeschafft, damit ehrenamtliche Helfer die Bewohner zu einem kleinen Radausflug in die Umgebung mitnehmen können. Die Erfahrung in anderen Städten habe gezeigt, so ein Sprecher, dass sich mehr Ehrenamtliche auf dieses Angebot melden, weil es ihnen auf diese Weise leichter falle, alten Menschen als Rikschapilot eine Freude zu machen und dabei unkompliziert ins Gespräch zu kommen. Sie radeln mit ihnen an die Isar, in einen Biergarten, auch Konzert- oder Arztbesuche sind möglich. Falk Hilber stellt die Rikschas her.

Die zwei Fahrzeuge im Vincentinum stammen aus Ihrer Manufaktur. Wie kamen Sie auf die Idee, Rikschas herzustellen?

Ich war zuerst zehn Jahre lang selbst Rikschafahrer. 2017 habe ich dann Rikschaguide.com gegründet. Ich spielte immer mit dem Gedanken, eine E-Rikscha auf den Markt zu bringen. 2020 habe ich dann das Start-up Coolly gegründet und im Februar 2021 das City-Modell auf den Markt gebracht.

Warum fingen Sie mit Rikschafahren an? Das ist ja doch ein spezielles Hobby.

Mein Bruder fuhr schon Rikscha in München, er bot Stadtführungen an und erzählte mir davon. Dann habe ich das auch mal probiert und bin dabeigeblieben. Ich setzte mich dann auch politisch viel für unsere Branche in München ein. Ich kümmerte mich darum, dass es offizielle Standplätze gibt, im Innenstadtbereich und auch um das Oktoberfest herum.

Warum profitiert ein Seniorenheim von Rikschas?

Immer mehr Pflegeeinrichtungen schaffen sich eine Fahrradrikscha an. Es hat sich mehr und mehr herumgesprochen. Man fährt gemeinsam mit den Senioren raus und unterhält sich mit ihnen. Sie kommen raus, sie sehen etwas, sie kommen wieder mehr in Kontakt, mit ihrer Umgebung und mit dem Fahrer. Das hat eine ganz wunderbare Wirkung auf Körper und Geist.

Inwieweit sind die Fahrzeuge an die Bedürfnisse von älteren Menschen angepasst?

Das Modell für Senioren hat Griffe rechts und links und oben unter dem Dach, so dass das Einsteigen leichter ist. Für Rollstuhlfahrer kann man die Fußplattformen rausnehmen, so kann man den Rollstuhl ganz ranfahren.

Abgesehen von Seniorenheimen, wer hat bislang von Ihrem Angebot noch Gebrauch gemacht?

Familien, ganz allgemein. Besonders aber auch Familien mit Handicap-Fall, zum Beispiel, wenn Eltern dement sind oder nicht mehr gehen können. Die schaffen sich ein City-Modell an, um gemeinsame Fahrradtouren zu unternehmen. Mit ein bisschen Übung am Anfang ist das leicht zu fahren.

Ganz billig ist eine solche Anschaffung aber nicht.

Wenn man andere Fahrräder aus dem Segment vergleicht, Lastenräder, Räder für Familien, die sind alle in diesem Preisrahmen. Und man kann die Rikschas auch mieten.

Am Sonntag ging die IAA zu Ende. Es wurde viel diskutiert über eine nachhaltige Mobilitätswende. Ist die Rikscha das Fahrzeug der Zukunft?

Die Mobilitätswende beginnt bei jedem selbst. Die E-Rikscha ist Teil dieser Mobilitätswende, als Autoergänzung zum Beispiel. Sie ist wesentlich klimafreundlicher als ein Auto unterwegs, das beginnt schon bei der Produktion.

Was macht die Produktion denn nachhaltig?

Wir produzieren in Europa, die Rikschas sind handgefertigt. Der Elektromotor wird natürlich akkubetrieben. Darüber kann man sich dann zu Recht streiten. Denn die Elemente des Akkus sind noch nicht hundert Prozent klimaneutral, aber zumindest wesentlich klimafreundlicher als Verbrennungsmotoren.

Wo darf man mit diesen E-Rikschas fahren?

Das City-Modell gilt rechtlich als Fahrrad und man darf überall dort fahren, wo man auch mit dem Fahrrad unterwegs sein darf. Zusätzlich darf auf der Straße gefahren werden, also im regulären Autoverkehr. Die Fahrradwege sind noch relativ eng in vielen Bereichen der Stadt. Da gäbe es noch Nachbesserungsbedarf, aber daran wird gearbeitet. Ich finde es sehr positiv, was gerade im Stadtrat diskutiert und beschlossen wird, dass wirklich daran gearbeitet wird, die Stadt fit für die Zukunft zu machen.

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