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Mobilitätskongress:Autofrei zur Automesse

IAA

Die IAA ist eine der größten Automobilfachmessen der Welt. Von 2021 an soll sie alle zwei Jahre in München stattfinden, bis 2019 präsentierten sich die Aussteller in Frankfurt am Main (Foto). Neben der großen Schau in der Messe Riem planen die Veranstalter auch mehrere "Open Spaces" in der Stadt.

(Foto: Silas Stein/dpa)

Der Stadtrat will die erstmals in München stattfindende IAA nutzen, um über die Verkehrswende zu diskutieren. Wichtige Themen sollen die Verkehrssicherheit und die Umgestaltung des Straßenraums sein.

Von Heiner Effern und Andreas Schubert

Die Stadt steht mit ihrem Ziel, den Autoverkehr zu verringern, im Herbst vor einer spannenden Premiere. Dann werden zum ersten Mal die größten Autohersteller der Welt zu Gast sein, um ihre neuesten und schönsten Modelle anzupreisen. Der Stadtrat will der Internationalen Automobilausstellung IAA allerdings das Feld nicht alleine überlassen. Parallel zur Messe sollen Aktionen für die Verkehrswende laufen. Geplant sind ein autofreier Boulevard Sonnenstraße und ein verkehrsberuhigter "Super-Block" in der Isarvorstadt. Dazu soll im Kongresszentrum der Alten Messe ein "Mobilitätskongress" der Stadt stattfinden.

Am Mittwoch will der Stadtrat darüber entscheiden. Vorher wollte die grün-rote Rathauskoalition noch einen Kostenrahmen für die zusätzlich zum Mobilitätskongress geplanten Aktionen festlegen. Laut Grünen-Fraktionschef Florian Roth könnte der in etwa bei 200 000 Euro liegen. Die SPD könne sich sogar vorstellen, nochmals 200 000 Euro draufzulegen, sagte ihr Verkehrsexperte im Stadtrat, Andreas Schuster. Für den Kongress selbst veranschlagt das Mobilitätsreferat 212 000 Euro. Beide sind sich aber einig, dass die Pläne der Stadt zur IAA sehr gelungen sind. "Es ist notwendig, parallel zur IAA darzustellen, was die Bedarfe sind", sagte Roth.

Die IAA soll vom 7. bis zum 12. September in München stattfinden, sofern die Pandemielage den Plänen keinen Strich durch die Rechnung macht. Neben dem Schauplatz in der Messe in Riem, dem sogenannten "Summit", sind bisher sogenannte "Open Spaces" auf öffentlichen Plätzen geplant, auf denen der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Messe München als Veranstalter auch andere Formen der Mobilität der Zukunft vorstellen wollen.

Und die liegen bekanntermaßen zumindest in München nicht beim Ausbau des Autoverkehrs. Die Stadt will mit den parallelen Veranstaltungen ein Zeichen setzen, dass sie in Zeiten des Klimawandels auf die Verkehrswende setzt - also neben dem öffentlichen Nahverkehr und dem Radverkehr auf innovative und zukunftsfähige Verkehrskonzepte. Der Mobilitätskongress soll am 7. und 8. September in der Kongresshalle und im benachbarten Verkehrszentrum des Deutschen Museums stattfinden. In Letzterem soll die Stadt anschließen vier Tage lang mit einer Ausstellung und Exkursionen zeigen, wie innovative und nachhaltige Mobilitätslösungen in München bereits umgesetzt werden.

Ein wesentliches Merkmal soll die Teilnahme der bürgerschaftlichen Organisationen Münchens an der Gestaltung des Kongressprogramms und der Ausstellung sein. "Mir gefällt, dass wir viele Akteure einbinden können. Der Kongress wird auf allen Ebenen inklusiv, die Teilnahme wird nicht von der Tiefe des Geldbeutels abhängen", sagte SPD-Verkehrsexperte Schuster. Er ist überzeugt, dass Kommunikation und Vernetzung zentral für eine nachhaltige Mobilität sein werden. Auf dem Programm stehen auch Praxisbeispiele wie eine Exkursion zum künftigen Altstadt-Radlring. Dargestellt werden sollen auch Projekte und Ideen zur Umgestaltung des Straßenraums für mehr Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität. Manche davon könnten dann erst temporär, später womöglich dauerhaft eingerichtet werden.

Das Veranstaltungskonzept sei als "work in progress" zu verstehen, heißt es in der Vorlage des Mobilitätsreferats. Gleich nach dem Beschluss des Stadtrats soll sich ein Koordinierungskreis unter Federführung des Mobilitätsreferats und mit Beteiligung des Kreisverwaltungsreferats, des Wirtschaftsreferats, des Referats für Klimaschutz und Umwelt und des Planungsreferats an die Vorbereitung des Mobilitätskongresses machen - in Abstimmung und Vernetzung mit den innerstädtischen Elementen und den Veranstaltern der IAA. Eine Veranstaltungsagentur soll bei der Detailplanung helfen.

Ob es gelingt, so kurzfristig ein starkes Programm zu organisieren, da zeigt sich CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl "skeptisch". Grundsätzlich begrüßt er den Mobilitätskongress, "wir haben auch den Dialog zur Mobilität gefordert". Doch den will die CSU nicht auf die alle zwei Jahre stattfindende IAA beschränken, sondern sie will dauerhaft einen städtischen Austausch "mit allen Akteuren" der Verkehrswende. Der Kongress sollte nur der Auftakt sein. SPD-Stadtrat Schuster kann sich vorstellen, jedes Jahr einen Mobilitätskongress zu veranstalten: "Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend für die Verkehrswende."

Bei der Premiere ihres Kongresses will die Stadt mehr denn je digital präsentieren. Wie moderne Mobilitätskonzepte, etwa bei der Gestaltung künftiger Wohnquartiere aussehen könnten, sollen die Bürger anhand von 3D-Simulationen nachvollziehen können. Auch die Region und die Pendlerproblematik will das Mobilitätsreferat nicht vernachlässigen. Es bestehe die Chance, bereits bestehende Projekte mit regionalen Partnern zu präsentieren und voranzubringen, von anderen zu lernen und gemeinsam innovative, neue Projekte und Kooperationen zu starten. Hauptaugenmerk des Kongresses liege zwar auf der urbanen Mobilität, die Vernetzung und die Kooperation mit Partnern aus der Region müsse aber ebenso berücksichtigt werden. Zum einen plant München mit der Metropolregion unter dem Leitthema "Räume der Mobilität" eine Internationale Bauausstellung (IBA), in deren Rahmen über einen Zeitraum von zehn Jahren konkrete Projekte umgesetzt werden sollen, die die Mobilität im technischen, räumlichen und gesellschaftlichen Sinne transformieren. Zum Zweiten entstehen derzeit im Rahmen des Verkehrspakts Großraum München der Bayerischen Staatsregierung in den Landkreisen und Städten der Metropolregion konkrete innovative Mobilitätsprojekte.

© SZ vom 26.01.2021/van/vewo
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