Altstadt:Glühwein im Alten Hof - Regelkonform oder leichtsinnig?

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Altstadt: Weihnachtsstimmung im "exklusiven Hinterhof". Erst am Samstag wurde auf der Internetseite vom Winterquartier der Begriff "Christkindlmarkt" in "Wintermarkt" umgewandelt.

Weihnachtsstimmung im "exklusiven Hinterhof". Erst am Samstag wurde auf der Internetseite vom Winterquartier der Begriff "Christkindlmarkt" in "Wintermarkt" umgewandelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Beim "Winterquartier" stehen und trinken die Menschen dicht an dicht - und das, obwohl Christkindlmärkte wegen der Corona-Pandemie verboten sind.

Von Bernd Kastner

Was das Fernsehteam gefragt hat, ist nicht zu verstehen, aber die Antwort des Gefragten: Geil hier! Er freut sich, um ihn herum ein paar Freunde. Es ist Samstag, früher Abend, sie stehen in der Schlange im Durchgang, der von der Dienerstraße hineinführt in den Alten Hof, zum "Winterquartier". Ein Relikt der guten, alten Zeit, es bewirbt sich als "exklusiver Hinterhof", der sich "in einen etwas anderen Christkindlmarkt" verwandelt habe. Christkindlmarkt? Sind die nicht alle verboten?

Der junge Mann, 24, verrät, dass er in der Nähe von Dachau wohne und eigens nach München gefahren sei, um hierher zu gehen. Keine Sorge vor Ansteckung? Nee, er sei ja geimpft und genesen, und überhaupt, vor einer Woche seien sie doch noch in den Clubs "rumgehüpft". Ein anderer aus der Schlange ruft dazwischen, ob denn die Presse nichts Besseres zu tun habe, als den Leuten "auf den Sack zu gehen".

Ein Innenhof wie eine Parallelwelt. Es ist das Wochenende, an dem die ersten Intensivpatienten ausgeflogen werden, der Bundespräsident zu freiwilligen Kontaktbeschränkungen aufruft, die ersten deutschen Omikron-Fälle entdeckt werden, auch in München, und Wissenschaftler auf Kontaktbeschränkungen dringen, auch für Geimpfte. Und hier stehen Menschen dicht an dicht, ohne Maske, sie essen und trinken, in weißer Kreideschrift werden angeboten: fränkische Würstel, Alpenburger, Aperol Spritz, Vodka Soda, Glühwein und und und.

Das "Winterquartier" gehört zur Weinbar "Lump, Stein und Küchenmeister", Stephan Holzheu ist der Wirt. Er gehe davon aus, sagt er, dass alles hier regelkonform sei. "Es ist eine normale Außengastronomie." Das mit dem Christkindlmarkt stimme gar nicht, sie verkaufen ja keine entsprechenden Sachen. Die von ihm beauftragte Agentur verwandelt noch am Samstag auf der Internetseite den Christkindlmarkt in einen "Wintermarkt". Holzheu sagt, er habe die Zahl seiner Plätze draußen reduziert, von 360 auf 250. "Ich pumpe nicht voll."

Wer eine gute halbe Stunde lang in der Schlange steht und sich als geimpft oder genesen ausweist, wird viele freie Sitzplätze finden. Die feuchten und kalten Holzbänke sind nicht der Hit, die meisten Leute stehen in Gruppen beieinander. Gemäß der Gastro-Regeln darf die Maske runter "am Platz", das heißt hier: Stehplatz. Gabriele Krettner, 65, und ihr Mann kommen aus Amberg, sie stehen mit ihren Bechern außerhalb des Zauns. Eigentlich wollten sie rein, aber jetzt sei sie froh, draußen zu sein. "Mulmig ist es mir schon."

Die TV-Leute, die Wartende in der Schlange filmen, kommen aus Italien, dem Land mit den Armeelastern zu Pandemie-Beginn. Die Drei fallen auf, weil sie fast die einzigen sind, die Maske tragen. Wie finden sie das Gedränge? Sie habe den Eindruck, sagt die Reporterin, die Menschen hier seien "zu entspannt".

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