Ausblick auf das Münchner Volksfest:Frühlingsfest ohne Kiffen

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Am Freitag beginnt das Frühlingsfest auf der Theresienwiese. Bis dahin muss alles aufgebaut sein - auch die Achterbahn "Wilde Maus". (Foto: Robert Haas)

Schirmherr Baumgärtner findet die Diskussion darum "echt ulkig". Welche Neuerungen auf dem Volksfest auf der Theresienwiese anstehen - und was Frühlingsfest-Wirt Schöniger zu seiner Bewerbung für die Oide Wiesn sagt, durch die er das Herzkasperlzelt verdrängen könnte.

Von Sarah Maderer

Zwei Tage vor Beginn des 58. Frühlingsfestes ist es noch nicht sehr frühlingshaft auf der Theresienwiese. Trotz Regen und Kälte hat die Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller (VMS) zur Pressekonferenz geladen. VMS-Sprecherin Yvonne Heckl begrüßt einige Vertreter der rund 100 zugelassenen Festbetriebe im beheizten Zelt des Weißbiergartens. Der ist in diesem Jahr auf die gegenüberliegende Seite des Festgeländes umgezogen, und auch sonst werden einige Neuerungen vorgestellt.

Doch zunächst die Begrüßungsrunde. Der Schirmherr und Referent für Arbeit und Wirtschaft Clemens Baumgärtner setzt in seinem Grußwort zum Seitenhieb auf andere deutsche Volksfeste an: "Im Vergleich zu Städten wie Hamburg ist's bei uns in München einfach gemütlicher. Wir haben Qualitätsgeschäfte." Wenn er damit die Achterbahn "Höllenblitz" kommentieren wollte, in der auf dem Hamburger Dom vor wenigen Tagen Fahrgäste stecken blieben und von Höhenrettern befreit werden mussten, hat er damit ein Eigentor geschossen. Denn erst letztes Jahr machte dasselbe Fahrgeschäft Schlagzeilen mit einem Auffahrunfall am ersten Tag der Wiesn.

Apropos Wiesn: Ebenfalls zur Pressekonferenz erschienen sind die Wirte der beiden Festzelte auf dem Frühlingsfest, Tina Krätz für das Hippodrom und Peter Schöniger für die Festhalle Bayernland. Letzterer ist schon seit 33 Jahren mit seinem Zelt auf dem Frühlingsfest vertreten und hat sich in diesem Jahr auch für die Oide Wiesn beworben. Womöglich mit Erfolg, denn gemäß dem Punktekatalog der Stadt liegt Schöniger vorn und könnte das Herzkasperlzelt von Beppi Bachmaier vom Platz drängen. Eine Petition, die das Herzkasperlzelt mit seinem abwechslungsreichen Musikprogramm retten will, sammelte bereits 11 000 Unterschriften.

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In diesem Jahr werde es in der Festhalle Bayernland vegetarische und vegane Gerichte geben, die Mass werde 12,80 Euro kosten und gespielt werde "schöne konstante Blasmusik", kündigt Schöniger an. Die Stargast-Auftritte von DJ Ötzi und Mickie Krause dürften nicht in diese Kategorie fallen. Zu seinem Kulturprogramm auf der Oidn Wiesn und zu seiner Bewerbung auf der Wiesn überhaupt will Schöniger vor der Pressekonferenz noch keine Fragen der SZ beantworten. Nach der Ankündigung von Ötzi und Krause stellt er dann doch klar: "Ich werde kein Ballermann-Konzept an den Tag legen. Das geben Brauchtum und Tradition vor."

Brauchtum und Tradition sind wohl auch die treibenden Kräfte im Umgang mit Cannabis auf dem Frühlingsfest. Der Beschluss der Bayerischen Regierung vom Vortag, Cannabis-Konsum unter anderem auf Volksfesten verbieten zu wollen, greift auf dem Frühlingsfest noch nicht. Und laut der sogenannten Bubatzkarte, die zeigt, wo es in Deutschland nun legal ist, wäre das Kiffen auf der Theresienwiese größtenteils erlaubt. Doch dass sich auch hier die Veranstalter für ein Kiff-Verbot entschieden haben, kann man einem Aufsteller entnehmen. Unglücklicherweise wurde das Wort "Cannabis" darauf mit einem "N" geschrieben, weshalb kurzerhand eine Wand von Bierkrügen vor den Aufsteller geschoben wird und das leidige Thema doch noch angesprochen werden muss.

Neue Fahrgeschäfte, bekannte Events

Clemens Baumgärtner findet diese Diskussion "echt ulkig". Für ihn passe Cannabis genauso wenig auf das Frühlingsfest wie auf die Wiesn. Auf einem Fest, wo zwei Familiennachmittage beworben werden, sei das unangebracht, sagt er. Um Kritikern vorzugreifen, stellt er klar, dass keiner der anwesenden Bier-Vertreter den Alkoholgenuss verherrliche. "Genuss" sei hier das entscheidende Wort, nicht Missbrauch. Dann hat er sich noch eine Einlage zurechtgelegt, die man ebenfalls als "echt ulkig" beschreiben könnte. Unter den Presse-Vertretern erhebt er eine Spontan-Umfrage, wer denn selbst Cannabis rauche. Als sich keiner meldet, schlussfolgert er: "Das finde ich erstaunlich, alle interessieren sich fürs Kiffen und keiner kifft. Entspannt's euch!"

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner bei der Vorstellung des Frühlingsfest-Programms. (Foto: Robert Haas)

Mit Cannabis darf man sich also heuer auf dem Frühlingsfest nicht entspannen, dafür aber mit Fahrgeschäften, die zum ersten Mal vertreten sind, wie dem Familien-Karussell "Montgolfière", dem sich um mehrere Achsen überschlagenden Klassiker "Top Spin No.1", oder dem "Willenborg"-Riesenrad, das man vom "Sommer in der Stadt" auf dem Königsplatz kennt.

Ebenfalls neu auf dem Frühlingsfest ist der Autoscooter der Familie Distel, wo in diesem Jahr zum ersten Mal der Schausteller-Gottesdienst mit Taufe abgehalten werden wird. Wie immer findet am ersten Samstag von 7 Uhr an der Riesenflohmarkt statt, tags darauf das Oldtimer-Treffen, und eine Woche später der Tag des Brauchtums. Dazu kommen neben den zwei Familiennachmittagen zwei Abende mit Feuerwerk. Das diesjährige Frühlingsfest dauert vom 19. April bis zum 5. Mai, angezapft wird am Freitag nach dem Festumzug um 16 Uhr im Hippodrom.

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