Corona-Tests in Kitas:Mehr als Söders Ankündigung kommt in München nicht an

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Corona-Tests in Kitas: Bis das Stäbchen Gewissheit bringt, kann es schon mal dauern. Denn die Labore haben alle Hände voll zu tun, die vielen PCR-Tests zu prüfen.

Bis das Stäbchen Gewissheit bringt, kann es schon mal dauern. Denn die Labore haben alle Hände voll zu tun, die vielen PCR-Tests zu prüfen.

(Foto: AFP)

Der Ministerpräsident hat mitgeteilt, Corona-Pooltests in den Kitas einzuführen. Doch seitdem wartet die Stadt München vergeblich auf weitere Informationen - und will eigentlich gar nicht mitmachen.

Von Kathrin Aldenhoff

Es klang in den Ohren mancher Eltern wie ein Versprechen: Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag hatte Ministerpräsident Markus Söder davon gesprochen, dass in Bayerns Kitas nach und nach Pooltests eingeführt werden sollen. Im Bericht aus der Kabinettssitzung vom Dienstag sind die Kitas dann nur einer von mehreren Orten: "Zur weiteren Erhöhung des Sicherheitsniveaus wird im Rahmen der zur Verfügung stehenden Test- und Materialkapazitäten angestrebt, schrittweise PCR-Pooltests in Alten- und Pflegeheimen, den 5. und 6. Klassen der weiterführenden Schulen sowie in Kindertagesstätten anzubieten."

Mehr als Söders Ankündigung kam bei der Stadt aber noch nicht an. "Wir haben keine neuen Informationen aus dem Ministerium", sagte der Sprecher des Referats für Bildung und Sport (RBS) am Donnerstag. Gemeinsam mit den freien Trägern hatte sich München Ende Oktober gegen PCR-Pooltests an Kitas entschieden.

Bei einem Pooltest werden die Proben von mehreren Personen im Labor gemeinsam untersucht - nur wenn der gesamte Pool positiv ist, werden Einzelproben geprüft, um herauszufinden, welche Person aus der Gruppe infiziert ist. In den Grundschulen geben Kinder gleichzeitig zwei Proben ab: eine für den Pool, eine für eine mögliche Einzeluntersuchung.

"Ich halte die Pooltests in den Kitas für ein Lippenbekenntnis", sagt Daniel Fritsch vom Gemeinsamen Elternbeirat der städtischen Kinderkrippen. Er habe die Pressekonferenz auch gehört, aber er sehe keine Chance auf eine Umsetzung. Auch wenn die Tests sinnvoll seien, gerade bei den Krippenkindern. Weil man sonst kaum Möglichkeiten habe, die Kinder zu schützen. Die Stadt habe sich aber aus nachvollziehbaren Gründen dagegen entschieden. Die Logistik bei 1500 Kitas müsste gut geplant werden, am besten vom Freistaat. "Das ist totaler Irrsinn, wenn jede Kommune das selbst organisiert."

Der Freistaat unterstütze Landkreise und kreisfreie Städte bei der Einführung seit September 2021, teilt eine Sprecherin des Familienministeriums mit. Diese entschieden selbst, ob und wo sie Pooltests nutzen wollen. "Eine Ausweitung der Bemühungen der Staatsregierung steht unter dem Vorbehalt, dass ausreichend Test- und Materialkapazitäten zur Verfügung stehen." Familien- und Gesundheitsministerium prüften regelmäßig, ob und welche Schritte zur Ausweitung möglich seien.

Klar ist: Schon jetzt haben die Labore viel zu tun mit den regelmäßigen PCR-Pooltests an den Grund- und Förderschulen. In München besuchen 44 425 Kinder 138 Grundschulen und 3374 Kinder 15 Förderschulen. Im Moment machen diese Kinder zweimal wöchentlich einen PCR-Pooltest. Nach Anfangsschwierigkeiten lief das an den meisten Schulen gut - am Dienstag aber erhielten die Eltern ein Schreiben des Kultusministeriums: Die verschärfte pandemische Lage führe zu einem hohen Testaufkommen und zu einer sehr hohen Belastung der Labore. Aus diesem Grund "wird es künftig vermehrt zu Verspätungen bei der Benachrichtigung über die Testergebnisse kommen". Bis 22 Uhr könne es dauern, bis den Eltern mitgeteilt wird, ob der Pool negativ oder positiv ist. Einzelergebnisse sollen aber am Morgen vor Unterrichtsbeginn vorliegen.

In dieser Situation ein Pooltest-Verfahren an 1500 Kitas einzuführen, die von rund 65 000 Kindern besucht werden, wäre eine Herausforderung. Und: Wer testet die Kinder? Soll das in den Einrichtungen passieren oder bringen die Eltern die Teststäbchen morgens mit? Anders als an den Grundschulen werden nicht alle Kinder gleichzeitig in die Kitas gebracht, manche kommen schon um 7.30 Uhr, andere erst um neun Uhr.

SPD-Politikerin Doris Rauscher, Vorsitzende im Sozialausschuss des Landtags, sagte, das bisherige Konzept mit freiwilligen Selbsttests an den Kitas reiche nicht aus. "Über die Hälfte der Eltern nehmen die Selbsttests für ihre Kinder nicht in Anspruch - da hilft es dann auch nichts, statt zwei nun drei Tests die Woche anzubieten." Sie fordert verpflichtende PCR-Pooltests in den Kitas - für Kinder und Betreuer.

An den Kitas wurden einige Regelungen nun noch einmal verschärft. So gilt seit Mittwoch auch dort 3G. Eltern und andere Besucher dürfen Krippen und Kindergärten nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. Einzige Ausnahme: das Abgeben und Abholen der Kinder. Weihnachtsfeiern, Elternabende und Elternbeiratssitzungen sind nur noch digital möglich. Und ungeimpfte sowie nicht genesene Kita-Mitarbeiter müssen jeden Tag vor der Arbeit einen Testnachweis vorlegen. Eine Ausnahme sind PCR-Tests, die 48 Stunden gelten. Die Selbsttests müssen unter Aufsicht in der Kita durchgeführt werden. Am Donnerstagmorgen waren Gruppen in 128 Münchner Kitas geschlossen.

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