bedeckt München 18°

Coronavirus:München bekommt weitere Impfzentren

Erste Corona-Impfungen im Landkreis

Ein Mann über 80 bekommt eine Corona-Impfung.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Stadt muss schnell handeln, denn von April an sollen täglich 13 000 Dosen geliefert werden. Schon jetzt gelingt es nicht, die Vakzine zügig zu spritzen.

Von Heiner Effern und Anna Hoben

Die Stadt will ihre Impfkapazitäten schnell hochfahren. Zwei bis drei weitere Impfzentren sollen so rasch wie möglich zum jetzigen Standort in der Messe in Riem dazukommen. Auch dort sollen künftig mehr Dosen verabreicht werden: Das Gesundheitsreferat will die Zahl der Impfteams von 40 auf 60 erhöhen. Insgesamt sollen künftig 13 000 Münchner pro Tag die Präparate zum Schutz vor dem Coronavirus gespritzt bekommen können. Das geht aus einer auf den letzten Drücker erarbeiteten Beschlussvorlage hervor, die der Stadtrat am Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung verabschieden soll.

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) bringt ihr eigenes Papier als Dringlichkeitsantrag ein, um es noch auf die Tagesordnung zu schaffen. Dieses ungewöhnliche Vorgehen wird mit der Ankündigung des Freistaats Bayern begründet, dass München von April an täglich 13 000 Dosen der verschiedenen Impfstoffe erhalten soll. Auch wenn Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) daran "erst glaubt, wenn sie tatsächlich da sind", will die Stadt die dafür nötigen Strukturen schaffen. "Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die notwendigen Voraussetzungen zur Nutzung der zur Verfügung stehenden Impfstoffe nicht rechtzeitig geschaffen werden können", schreibt Zurek in ihrem Antrag.

Für den chaotischen Eindruck, den die Impfstrategie in München mitunter erweckt, macht Reiter den Freistaat verantwortlich. "Mir fehlt eine halbwegs transparente und planbare Struktur", sagt er. Man wisse nie, wann wie viel von welchem Impfstoff geliefert werde. Zudem würden sich die Voraussetzungen ständig ändern. Zum Beispiel beim Impfstoff von Astra Zeneca: "Wird er für über 65-Jährige freigegeben oder nicht?"

Wenn nun Lehrerinnen und Lehrer in die zweite Prioritätsgruppe aufrückten, nütze das nicht viel, weil sie dann wohl immer noch nicht in diesem Schuljahr drankämen. Er würde Lehrern gern den Astra-Zeneca-Impfstoff anbieten, aber "ich mache mich strafbar, wenn ich von der Impf-Reihenfolge abweiche".

Nur ein Bruchteil der vorhandenen Astra-Zeneca-Dosen wurde bislang verimpft

Allerdings muss Gesundheitsreferentin Zurek einräumen, dass es derzeit auch nicht gelingt, die vorhandenen Impfstoffe zügig zu spritzen. Stand Montag waren nur 800 der 24 600 eingetroffenen Dosen des Präparats der Firma Astra Zeneca genutzt worden, und nur 650 der 8800 Dosen von Moderna. Grünen-Fraktionsvize Dominik Krause zeigte sich "verwundert", dass der Impfstoff Astra Zeneca "so lange liegen geblieben ist", bis er schließlich eingesetzt worden sei. Von etwa zehn Tagen ist im Rathaus die Rede. Er hoffe, dass die Gesundheitsreferentin in der Stadtratssitzung aufklären könne, wie es dazu gekommen sei und wie das künftig zu verhindern sei.

Das Problem ist offensichtlich nicht nur die bisherige Beschränkung auf ein Impfzentrum, und es ist auch nicht nur der schlechte Ruf des Präparats von Astra Zeneca. "Es ist schwierig, die nötigen personellen Ressourcen zu finden", sagt SPD-Fraktionssprecherin Anne Hübner. Medizinisches Fachpersonal sei an sich nicht im Überfluss vorhanden, und in Zeiten der Coronakrise sei es noch schwieriger, ausreichend Personal zu finden.

Das Gesundheitsreferat arbeite aber mit Hochdruck daran. Auch die weiteren Impfzentren will die Stadt an private Anbieter vergeben. Den Standort in Riem betreut die Aicher Ambulanz. Nach Ansicht der Stadt wären mehrere Kandidaten in der Lage, die Organisation zu stemmen. Nach der Übergabe der Immobilie durch die Stadt bräuchten die etwa zwei bis drei Wochen, um ein Impfzentrum in Gang zu bringen. "Wir freuen uns, dass auch das Gesundheitsreferat jetzt die Notwendigkeit für weitere Impfstandorte erkannt hat", kommentiert die CSU-Fraktion. Sie fordert weiterhin, dass auch Hausärzte ihre Patienten impfen dürfen.

© SZ vom 03.03.2021/infu, van
Zur SZ-Startseite
Coronavirus - Bayern beginnt mit Impfungen von Polizisten

SZ PlusCorona-Impfung
:Wer kriegt was wann?

Bayern gibt Impfstoff nach Tschechien ab, davon erhofft man sich in den Grenzlandkreisen einen positiven Effekt. Die Reaktionen sind gemischt - vor allem aber stellt sich die Frage: Wann kommt die Immunisierung im Freistaat endlich in Schwung?

Von Andreas Glas, Dietrich Mittler, Lisa Schnell und Florian Fuchs

Lesen Sie mehr zum Thema