MS Utting Knifflig wird es gegen 3 Uhr

Mit einem riesigen Schraubenschlüssel montieren sie Verkehrsschilder ab. Ein Vorfahrtzeichen muss weg und ein weißer Pfeil auf blauem Grund. Sie stünden sonst den beiden Schwertransportern im Weg, die die MS Utting in der Nacht zum Mittwoch nach München bringen. Wie beim Zerlegen erledigt der 26-jährige Hahn auch jetzt möglichst viel selbst. "Auch um Geld zu sparen, das wir nicht haben", sagt er. Eine genaue Summe will er nicht nennen, aber einen sechsstelligen Betrag müsse er schon ausgeben für den Transport.

Das Schiff neu zu bauen, wäre billiger, sagt er. Und so schleppt der junge Schiffseigentümer Platten auf eine Verkehrsinsel, damit sie von den Reifen nicht völlig ramponiert wird, legt Holzbalken an den Randstein. Seit dem Aufbruch in der Werft in Stegen müssen die Fahrer Michael Weber und Friedrich Saam bei Inning zum ersten Mal rangieren. Für den geraden Weg über die Kreuzung bei der Autobahnauffahrt reicht der Platz zwischen den Ampeln nicht aus.

Die Fahrzeuge nehmen einen weiten Umweg, umrunden von Westen kommend auf dem Autobahnring die Stadt und kommen vom McGraw-Graben wieder herein. Dort wechselt die Polizei-Begleitung, die Fahrer haben eine Dreiviertelstunde Pause. Etwas knifflig wird es gegen 3 Uhr auf der Kreuzung von Schäftlarner Straße und Brudermühlstraße. Auch dort müssen die Fahrer rangieren. Ein Felsen auf einer Verkehrsinsel erweist sich als Hindernis. Die Hydraulikanlage neigt den gesamten Transport zur Seite, ein Metallrohr, das seitlich aus dem Schiffsaufbau heraus ragt, kratzt über den Stein. Auf der anderen Seite kommt die Reling einem Wegweiser zur Großmarkthalle sehr nahe. Metallisches Quietschen, Zischen, ruhige Kommandos via Funkgerät, dann ist ohne Schäden auch das letzte Hindernis gemeistert.

Gegen 4 Uhr stehen Schiffsrumpf und Aufbau am Zielort. "Ich freue mich, jetzt endlich ins Bett zu dürfen", sagt Hahn. Doch die Nacht wird kurz. Auf dem Gelände der Großmarkthalle neben dem neuen Standplatz der Utting beginnt nun das Leben. An den Zufahrten bilden sich Lastwagenschlangen. Die Techniker Karl Reischl und Rudolf Rieger dürfen die Ampel wieder aufstellen, die sie vier Stunden zuvor abgeschraubt haben.

Die Fahrer der Spedition aus Schwäbisch Hall können sich am Mittwoch auf den Heimweg machen. In ein paar Wochen kommen sie wieder nach Bayern. Dann bringen sie das neue Schiff für den Ammersee. Die Fahrt durch München bleibt ihnen dann aber erspart.

Whatsapp SZ München-News per WhatsApp, Telegram oder Insta
SZ-Dienst

SZ München-News per WhatsApp, Telegram oder Insta

Wissen, was München bewegt: Der WhatsApp-Kanal der Süddeutschen Zeitung bietet einen schnellen und bequemen Nachrichtenservice für die Stadt. Abonnieren Sie ihn kostenlos.