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Landtagsabgeordnete:Auf der großen Bühne

Die Farbgebung der Weste lässt keine Rückschlüsse auf seine politische Heimat zu: Helmut Markwort macht sich nämlich für die FDP im Landtag auf den Weg in den Plenarsaal - und nicht für die Freien Wähler.

(Foto: Claus Schunk)

Seit seiner Wahl in den Landtag hat Helmut Markwort kaum eine FDP-Veranstaltung im Landkreis mehr besucht. Kritik daran bügelt er Worten ab. Im Kommunalwahlkampf will er seine Partei tatkräftig unterstützen.

Nach dem ersten Auftritt erheben sich alle im Saal, der Applaus will kein Ende finden, vereinzelt sind sogar "Bravo"-Rufe zu hören. Die Frankfurter Allgemeine schreibt gar, dass ihm die Zuschauer "glückselig zujubeln". So viel Zuneigung, Enthusiasmus, Herzenswärme fliegt Politikern selten zu. Der Landtagsabgeordnete Helmut Markwort verneigt sich, glücklich darüber, dass alles gut gegangen ist - in der Rolle des Johannes Fust im Musical "Johannes Gutenberg", mit dem er im Januar im Mainzer Unterhaus Premiere feierte.

Helmut Markwort ist Schauspieler, "von ganzem Herzen", wie er sagt. Schon als Schüler hat er Theater gespielt. "Johannes Gutenberg" war nun sein erstes Musical. "Es wird aber auch mein letztes gewesen sein", sagt Markwort in der Gaststätte des Bayerischen Landtags, vor ihm dampfende Königsberger Klopse. "Das wird mir sonst alles zu viel. Meine neue Aufgabe bindet schon sehr viel Kraft."

Am 14. Oktober wurde der Focus-Gründer als Kandidat im Stimmkreis München-Land Süd für die FDP in den Landtag gewählt. Mit 82 Jahren ist er der älteste Abgeordnete; als solcher durfte er am 5. November die konstituierende Sitzung des Parlaments eröffnen. Neun Minuten, so lange hätte er laut Landtagsverwaltung reden sollen, erinnert sich Markwort an die mahnenden Worte. "Aber es gibt keine Beschränkung für den Alterspräsidenten bei der konstituierenden Sitzung."

Es wurde schließlich eine 29 Minuten lange Rede, vollgepackt mit Querverweisen auf die Bayerische Verfassung und die darin enthaltenen Rechte der Abgeordneten. "Eine Rede, die eigentlich in die Schulbücher gehört", hat ihm sein langjähriger Weggefährte Hubert Burda mit auf den Weg gegeben, sagt Markwort.

Und weil er schon mal in Fahrt ist zwischen Klopsen, Reis und Gemüse im Separee mit Blick auf die Maximilianstraße, nimmt Markwort jene Kritiker in der eigenen Partei ins Visier, die ihm vorwerfen, dass er seit seiner Wahl im Landkreis kaum präsent ist. Was also sagt er, gefragt nach den bösen Zungen, die ihm vorwerfen, an kaum einer der FDP-Veranstaltungen mehr teilgenommen und sich bei einer Kreisversammlung gerade mal per Videobotschaft aus Berlin, wo er bei Maybrit Illner zu Gast war, an die Parteikollegen gewandt zu haben? "Denen soll die Zunge abfaulen", sagt Markwort und lässt sich den Klops schmecken. "Und außerdem hilft es der Partei und auch dem Kreisverband tausend Mal mehr, wenn ich in einer deutschlandweit ausgestrahlten Talkshow bin als in einem Hinterzimmer."

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Dabei verbringt Markwort seit seinem Einzug in den Landtag deutlich mehr Zeit in Hinterzimmern als vor Kameras. Das Leben als normaler Abgeordneter habe ihn schneller in Beschlag genommen, als er es zunächst vermutet hatte, sagt er. Bis auf den Januar eben, in dem er als Johannes Fust auf der Bühne stand. "Aber das Engagement war schon lange vor der Wahl vereinbart", sagt Markwort. Seitdem heißt es vor allem: Akten lesen, Gutachten durchwälzen, in stundenlangen Fraktionssitzungen debattieren - und vor allem Präsenz zeigen.

Die FDP stellt mit elf Abgeordneten die kleinste Fraktion im 18. Bayerischen Landtag. Und sie ist als eigene Einheit im Plenum nicht immer sofort zu erkennen. Von der Regierungsbank aus gesehen, sitzen die Liberalen weit rechts, wenn auch nicht ganz rechts draußen; als ein Block mit den Parlamentariern der AfD. Eine "Gemeinheit" sei das, sagt Markwort. "Politisch von der CSU so gewollt, damit sie selbst nicht neben der AfD sitzen muss. Das sind primitive politische Spielchen."

Markwort selbst will sein Abgeordneten-Dasein indes nicht als politisches Schauspiel verstanden wissen. "Es ist harte Arbeit", sagt er. Als Mitglied im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie regionale Beziehungen will er wichtige Themen, die direkt Auswirkungen auf Bürger haben, runterbrechen und auf die kommunale Ebene hieven. Wenn es etwa um den Aufbau des 5 G-Mobilfunknetzes geht. "Bisher spricht ja keiner darüber, dass dann in der Landschaft unzählige neue, kleinere Masten herumstehen könnten", sagt Markwort. "Da müssen wir raus und des den Leuten erklären." Fakten schaffen also, sagt er.

Und raus will er auch wieder, wenn es auf die Kommunalwahl im Frühjahr 2020 zugeht, die längst ihre Schatten vorauswirft. Raus in den Landkreis München, in die FDP-Ortsverbände, zu den Bürgern, an die Infostände. "Ich will kräftig im Wahlkampf mithelfen, damit der Landkreis für die FDP wieder eine Hochburg wird." Und um alle Kritiker verstummen zu lassen - die Zunge muss ihnen ja nicht gleich abfaulen -, kündigt er für den 8. April sein Kommen beim FDP-Stammtisch in Sauerlach an; dort will er dann über die Folgen des Brexit oder Nicht-Brexit für Bayern reden.

Beim Rundgang durch den Landtag wirkt Markwort entspannt, nur manchmal bleibt er kurz stehen, um sich zu orientieren. Ist ja doch noch alles neu zwischen Plenarsaal, Landtagsgaststätte und Steinernem Saal. Zum Aktenstudium hat es ihn in den ersten Wochen immer noch in sein Büro in den Arabellapark gezogen. "Da fahr' ich dann mit der Tram raus", sagt er. Es hat wie bei vielen anderen Kollegen etwas gedauert, bis sein Abgeordnetenbüro in der Maximilianstraße fertig geworden ist.

Manchmal muss sich selbst ein Abgeordneter mit den Meriten eines Musical-Darstellers in Geduld üben. Das gilt auch für Markworts Berufung in den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks: Die hat der Landtag zwar bestätigt, aber der Rundfunkrat lehnt die Entsendung ab. Diese würde nicht den rechtlichen Vorgaben im Bayerischen Rundfunkgesetz entsprechen, so die Begründung.

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