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Arbeitsmarkt:Pandemie hat gravierende Folgen

Hessens Arbeitsmarkt

Auch der bevölkerungsreichste Landkreis des Freistaats bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren, wie die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen.

(Foto: dpa)

Mehr Menschen ohne Job, weniger Fortbildungen - eine Prognose für die kommenden Monate sei jedoch schwierig, sagt IHK-Regionalchef Leicher.

Von Bernhard Lohr, Landkreis

Geschlossene Geschäfte und Restaurants, keine Veranstaltungen und Kurzarbeit: Die Corona-Pandemie hat die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt in der Region München auf den Kopf gestellt. Der seit 2015 verzeichnete stete Zuwachs an Arbeitsmöglichkeiten und Beschäftigten fand ein jähes Ende. Im Landkreis München waren 2020 im Jahresdurchschnitt 5824 Personen ohne Arbeit. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich eine Zunahme um 1672 Menschen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote stieg übers Jahr gesehen um 0,9 Prozentpunkt auf 3,1 Prozent. Insgesamt hätte es allerdings "viel schlimmer kommen können", resümiert die Arbeitsagentur.

Das Instrument der Kurzarbeit habe seine Wirkung entfaltet. Die Zahlen spiegeln auch nicht die dramatische Lage wider, in der sich viele Unternehmer und auch Beschäftigte mitten in einem zweiten Corona-Lockdown befinden. Vor allem in der Gastronomie und im Einzelhandel kämpfen viele nach wochenlangen Schließungen ums Überleben.

Die Lage bei vielen Betrieben im Dienstleistungssektor ist ernst. Gerade die klein- und mittelständischen Unternehmen würden versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten, um gerüstet zu sein, sobald die Wirtschaft wieder anspringe, sagt Christoph Leicher, Unternehmer aus Kirchheim und Vorsitzender des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern. Aber die Verunsicherung sei gewaltig angesichts immer neuer politischer Strategien, die Pandemie zu bekämpfen. "Die Chancen für eine realistische Einschätzung der nächsten sechs Monate liegt bei Null."

Die Meldung freier Stellen brach ein

Dennoch skizziert die Arbeitsagentur jetzt schon ein Szenario, das an die Zeit des Booms vor der Krise erinnert. Wilfried Hüntelmann, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit München, sagt, mittelfristig würden die vor der Krise dominierenden Themen wie Fachkräftesicherung, Digitalisierung oder der Strukturwandel wieder in den Vordergrund rücken. "Betriebe, die jetzt die Zeit nutzen und ihre Beschäftigten gezielt dabei unterstützen sich weiterzubilden, können gestärkt aus der Krise hervorgehen." Hüntelmann weist darauf hin, dass Arbeitgeber von der Agentur für Arbeit auch während der Kurzarbeit finanzielle Unterstützung für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter erhalten könnten.

Aus Sicht von Unternehmer Leicher ist das ein hehrer Wunsch, der an der Realität vieler Firmenchefs und Arbeitnehmer in Zeiten finanzieller Belastung und Unsicherheit vorbeigehe. Außerdem seien viele Beschäftigte mit der Arbeit zuhause, womöglich zusätzlich zu betreuenden Kindern im Home Schooling, nur schwer zu motivieren, noch eine Fortbildung draufzusetzen, die auch wieder nur am heimischen Bildschirm stattfinden könne.

Corona hat in Stadt und Landkreis München 2020 den Beschäftigungszuwachs gestoppt. Zum ersten Lockdown im April brach die Meldung neuer freier Stellen geradezu ein. Die Lage stabilisierte sich nur bis zum zweiten Lockdown Ende des Jahres. Insgesamt gingen übers Jahr gesehen bei der Agentur 31,8 Prozent weniger Jobangebote ein als im Jahr davor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag zum 1. Juni mit 1,1 Millionen Personen in Stadt und Landkreis ziemlich genau auf dem Vorjahresniveau. Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen, öffentliche Verwaltung oder der Lebensmittel- und Online-Handel waren von Corona wenig betroffen.

© SZ vom 16.01.2021
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