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Infrastruktur:Die Isar-Brücke zwischen Grünwald und Pullach hängt in der Luft

So könnte eine Brücke über die Isar zwischen Grünwald und Pullach aussehen.

Studenten der TU München haben die Möglichkeit einer Fuß- und Radwegverbindung über die Isar bei Grünwald und Pullach untersucht. Dabei entstand auch diese Simulation einer Brücke.

(Foto: TU München (Simulation))
  • Eine Fuß- und Radwegbrücke über die Isar zwischen Pullach und Grünwald ist bereits seit langem im Gespräch.
  • Der tatsächliche Bau könnte sich aber noch verzögern. Dafür gibt es mehrere Gründe: Neben der weitgehend offenen Kostenfrage sind das etwa Bedenken von Naturschützern und Denkmalpflegern.
  • Auch andere Varianten stehen zur Diskussion: etwa eine Seilbahn. ie vor mehrere Varianten im Raum: von der Fuß- und Radwegbrücke über eine Gondelbahn bis hin zur "kleinen Lösung", einer Isarquerung am Kraftwerk Pullach,

Von einer Fuß- und Radwegbrücke über die Isar zwischen Pullach und Grünwald träumen die Menschen links und rechts des Flusses schon lange - und seit der Vorstellung einer Konzeptstudie im Februar dieses Jahres zum Bau einer Bogenbrücke werden einige vor ihrem geistigen Auge bereits in luftiger Höhe das Isartal überquert und den herrlichen Blick auf die Burg Grünwald und den Flusslauf genossen haben.

So schnell aber wird daraus nichts werden. Dass in naher Zukunft die Pfeiler für dieses ehrgeizige Vorhaben in die Hochufer getrieben werden, ist nahezu ausgeschlossen, die Brückenpläne hängen sprichwörtlich in der Luft.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben der weitgehend offenen Kostenfrage sind das etwa Bedenken von Naturschützern und Denkmalpflegern. So hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bereits in einer Stellungnahme die Pläne für eine von Landrat Christoph Göbel (CSU) favorisierte Gondelbahn rundweg abgelehnt, weil sie in unmittelbarer Nähe zur Burg Grünwald und Burg Schwaneck errichtet werden sollte und nach Überzeugung der Denkmalpfleger eine erhebliche Beeinträchtigung des seit dem Mittelalter überlieferten Erscheinungsbildes darstellen würde.

"Das ist ein Projekt, das viele, viele Jahre gären muss."

Diese Bedenken werden wohl auch für eine Bogenbrücke gelten, würden die Pfeiler doch voraussichtlich an der selben Stelle gründen. Aber auch die Tatsache, dass die vom Grünwalder Gemeinderat geforderte Bedarfsanalyse noch nicht in Angriff genommen wurde, spricht nicht gerade für ein zügiges Vorangehen. Es sieht so aus, als würde Thomas Lindbüchl (CSU) mit seiner Prognose wohl recht behalten: "Das ist ein Projekt, das viele, viele Jahre gären muss."

Als Oliver Fischer, Professor an der TU München, im Februar dieses Jahres in den Gemeinderäten von Pullach und Grünwald das Ergebnis einer Konzeptstudie vorstellte, die Drilon Gubetini an seinem Lehrstuhl für Massivbau als Masterarbeit verfasst hatte, schlug ihm weitgehend Wohlwollen entgegen. Seine Pläne für eine aufgeständerte 413 Meter lange und barrierefreie Fuß- und Radwegbrücke fand großen Anklang.

Vor zwei Wochen nun haben sich Rathausvertreter aus Grünwald und Pullach im Landratsamt München mit Fachleuten aus mehreren Abteilungen der Behörde und nicht zuletzt mit Professor Fischer zu einem informellen Austausch zusammengesetzt. Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) spricht auf Nachfrage von einem "Herantasten an das Projekt ohne konkrete Durchführungsabsicht".

Zur Sprache gekommen sei dabei auch der Umwelt- und Denkmalschutz sowie das Problem mit den Hochleitungen der S-Bahn, sagte Tausendfreund der SZ. Zur gegebenen Zeit werde man sich deshalb noch einmal zusammensetzen.

Das wird wahrscheinlich frühestens nach der Vorstellung des Ergebnisses einer Bedarfsanalyse sein, auf die der Grünwalder Gemeinderat drängt. Bis dato steht aber noch nicht einmal das Planungsbüro fest, das die Analyse erstellen soll. "Wir sind gerade dabei, mit mehreren Büros Gespräche zu führen", berichtet Tobias Dietz, Hauptamtsleiter der Gemeinde Grünwald.

Dabei soll auch der Umfang der Untersuchung festgelegt werden, wobei Dietz glaubt, dass die Messung der Verkehrsströme von Radfahrern und Fußgängern mangels Referenzzahlen schwierig werden könne. "Für den Radverkehr gibt es wenig bis gar nichts", sagte Dietz. Aber bevor nicht die Bedarfsanalyse vorliege, "steht hinter allem ein großes Fragezeichen", zumindest aus Grünwalder Sicht, so Dietz.

Die beiden Gemeinden, so der TU-Professor, müssten nun vor allem die Frage klären: "Wollen wir das oder das?" Denn es liefen "Bestrebungen aller Art", berichtet Fischer. In der Tat stehen nach wie vor mehrere Varianten im Raum: von der Fuß- und Radwegbrücke über eine Gondelbahn bis hin zur "kleinen Lösung", einer Isarquerung am Kraftwerk Pullach, die laut Professor Fischer unter einer Million Euro kosten würde, während eine Bogenbrücke bis zu 20 Millionen Euro teuer wäre.

Der Wasser- und Umweltschutz ist dabei nach seiner Ansicht "kein unüberwindbares Hindernis". Zur Diskussion steht zudem die Variante, mit dem Brückenschlag auch gleich eine geothermische Verbundlösung anzustreben, das heißt, Wasserrohre zwischen den beiden Geothermiegemeinden über die Brücke zu führen, was sicher großen Jubel auslösen würde in den Lagern der Geothermiebetreiber auf beiden Isarseiten.

Das Ergebnis der Bedarfsanalyse wird wohl entscheidend sein für die Wahl der Isarquerung. "2020 legen wir mit der Analyse los", verspricht Tobias Dietz.

© SZ vom 18.12.2019/mmo
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