Coronavirus im Landkreis München:Jetzt muss die Bundeswehr helfen

Lesezeit: 3 min

Coronavirus - Impfstation in der Stuttgarter Innenstadt

Marschbefehl nach München: Soldaten der Bundeswehr sollen das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung und beim Impfen unterstützen.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Weil die Infektionszahlen rapide steigen und das Gesundheitsamt mit der Kontaktnachverfolgung nicht nachkommt, bittet das Landratsamt um Unterstützung. Impf- und Testkapazitäten werden weiter hochgefahren.

Von Sabine Wejsada

Coronavirus - Impfstation in der Stuttgarter Innenstadt

Marschbefehl nach München: Soldaten der Bundeswehr sollen das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung und beim Impfen unterstützen.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Es ist der Tag, an dem in Deutschland die Zahl der Pandemie-Toten die Marke von 100 000 übersteigt. 312 davon aus dem Landkreis München. Das Infektionsgeschehen hat aktuell eine Dynamik entwickelt, die kaum noch beherrschbar ist, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) am Donnerstag in seiner wöchentlichen Corona-Pressekonferenz schildert. Das Personal im Gesundheitsamt kommt mit der Ermittlung von Kontaktpersonen nicht mehr hinterher, deshalb kommt ihm jetzt die Bundeswehr zu Hilfe. Acht Personen aus dem Landkreis müssen derzeit im Krankenhaus behandelt werden, mit 2,29 Prozent sei die Hospitalisierungsquote im Landkreis zwar noch gering, so Göbel, "aber der Blick nach München und die immer weniger werdenden Intensivbetten machen mir große Sorgen".

Was das Impfen angeht, sieht sich der Landkreis auf einem guten Weg, ebenso bei seiner Teststrategie. In beiden Bereichen würden die Kapazitäten massiv hochgefahren. Das ist auch dringend nötig, denn vor allem unter Kindern und Jugendlichen sowie bei Senioren nehmen die Neuinfektionen rapide zu. Ein Überblick über die aktuelle Corona-Lage im Landkreis.

Schulen und Kindertagesstätten: In 130 Kitas und Schulen gibt es laut Göbel mehr als 600 Infizierte sowie 205 enge Kontaktpersonen, die vom Gesundheitsamt bereits ermittelt werden konnten. Die Recherche nach weiteren Betroffenen dauert an, ist allerdings kaum noch zu bewerkstelligen, wie der Landrat einräumt. Anders als im ersten Corona-Winter müssen derzeit nach den Worten von Gesundheitsamtschef Gerhard Schmid keine ganzen Klassen mehr in Quarantäne geschickt werden, weil sich die Vorgaben für die Einstufung als Kontaktperson geändert haben; so müssen nur noch die direkten Sitznachbarn eines Infizierten das Haus hüten. In Kitas sei dies aber nicht immer möglich. Im Landkreis mussten zwei Einrichtungen wegen einer Häufung von Corona-Fällen sogar komplett geschlossen werden, und zwar in Sauerlach und Unterhaching.

Senioreneinrichtungen und Asylunterkünfte: Bis Donnerstagnachmittag sind dem Gesundheitsamt 45 infizierte Bewohner aus zehn Alten- und Pflegeheimen gemeldet worden. Zudem haben sich 35 Beschäftigte in 17 Einrichtungen mit dem Coronavirus angesteckt. Als Kontaktpersonen in Quarantäne befinden sich sechs Bewohner und fünf Mitarbeitende. Weil in den Senioreneinrichtungen die überwiegende Zahl der Bewohner zweifach geimpft oder sogar bereits geboostert ist, hat Landrat Göbel die Hoffnung, dass die Lage unter Kontrolle bleibt. In den Unterkünften für Geflüchtete gibt es aktuell 14 positive Fälle, weitere 13 Personen befinden sich in Quarantäne.

Coronavirus im Landkreis München: An den mobilen Impfstationen stehen die Menschen seit dieser Woche stundenlang in der Schlange.

An den mobilen Impfstationen stehen die Menschen seit dieser Woche stundenlang in der Schlange.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Immunisierung: Seit Beginn der Impfkampagne sind im Landkreis 536 203 Impfungen dokumentiert worden, 251 980 Personen haben den vollständigen Impfschutz. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) hat es bislang 39 361 sogenannte Booster-Impfungen im Landkreis gegeben, also Auffrischungen der Immunisierung. Insgesamt 186 421 Mal haben Hausärzte Patienten eine Spritze verabreicht (Erstimpfungen, Vollschutz und Auffrischimpfungen). Bisher hat der Landkreis 155 Sonderimpfaktionen in den Städten und Gemeinden organisiert. Die Impfbusse mit mobilen Teams aus dem Impfzentrum sind insgesamt 71 Mal im Einsatz gewesen. Allein in der vergangenen Woche haben sich bei diesen Terminen knapp 1500 Menschen ihre erste, zweite oder dritte Spritze abgeholt.

Impfkapazitäten: Künftig soll es im Landkreis München neben dem Impfzentrum in Haar zwei weitere feste Standorte für die Immunisierung geben: Diese öffnen am Mittwoch, 1. Dezember, in Oberhaching (Keltenring 16, Johanniter) und in Unterschleißheim (Freisinger Straße 3, Rotes Kreuz). An allen Standorten können sich Impfwillige nur nach einer vorherigen Anmeldung und Terminvergabe über das Registrierungsportal Bayimco spritzen lassen. Weil es im Würmtal anders als bis zum Herbst keine Außenstelle eines Impfzentrums geben wird, will der Landkreis dort feste Impftage mit mobilen Teams anbieten. In Gräfelfing könnten Impfungen im Bürgerhaus stattfinden, so Göbel, die Gemeinde Planegg sei ebenfalls angefragt. Was Impfbus-Touren im restlichen Landkreis angeht, laufen bereits Gespräche mit den Kommunen, um die Einsätze vor Ort "besser zu lenken und zu leiten", wie der Landrat sagt. Geimpft werden soll optimalerweise in Häusern, die von den Gemeinden und Städten vorgeschlagen werden. "Warteschlangen wird uns das aber auch nicht ersparen", ist sich Göbel sicher. Denn der Ansturm sei groß und es gebe kein "Territorialprinzip" mehr. Das heißt, dass Impfwillige von überall her kommen können, um sich impfen zu lassen. Man habe bereits festgestellt, dass an den Landkreis-Bussen sehr viele Menschen aus München anstehen. Von Samstag, 27. November, an sind nicht nur mobile Teams der Malteser aus dem Haarer Impfzentrum im Einsatz, sondern auch zwei zusätzliche der Johanniter Unfallhilfe. Am Montag, 29. November, werden drei weitere des BRK die Aktionen unterstützen. Unterdessen suchen die Malteser nach Göbels Worten hundert zusätzliche Kräfte. Inzwischen helfen auch 20 Abgesandte des Technischen Hilfswerks (THW) bei der Bewältigung "des ganzen blöden Papierkrams", wie Göbel sagt. Der Landkreis habe zudem Unterstützung von der Bundeswehr angefordert, um der Lage Herr zu werden.

Testungen: In den kommunalen Testzentren im Landkreis steigt die Nachfrage nach Abstrichen, was nicht zuletzt am dynamischen Infektionsgeschehen und an der 2-G-Regel liegen dürfte. Gegenüber der Vorwoche hat sich die Zahl der Antigen-Schnelltests auf 5906 mehr als verdoppelt; bei den PCR-Tests ist eine Steigerung von 1706 auf 8815 zu verzeichnen. Der Landkreis ist dabei, seine Kapazitäten auf 20 000 PCR-Tests und 10 300 Schnelltests am Tag hochzufahren.

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