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Konzerte in Biergärten:Auf Brettern, die Bayern bedeuten

La Brass Banda sind auf Tour und spielen an einem Tag in vier Münchner Biergärten. Das Publikum dort feiert die Band diszipliniert, während sich draußen viele Zaungäste sammeln.

Von Dirk Wagner

Happy Birthday steht auf den blauen, mit Disney-Figuren bedruckten Servietten einer Tischgesellschaft, die im Biergarten in der Hirschau im Englischen Garten feiert. Die Stimmung ist zu recht prächtig, allerdings nicht nur bei Geburtstagskind Lea und ihrer Gruppe. Wie die anderen Gäste des Biergartens auch hat sich die Geburtstagsgesellschaft an diesem Samstagvormittag schon sehr zeitig um einen Platz bemüht, von wo aus sie nun begeistert auf die Bühne am anderen Ende des Biergartens blickt. Denn seit Punkt 12 Uhr spielen dort La Brass Banda das erste von vier Konzerten, die sie an diesem Tag auf vier Münchner Biergärten verteilen.

Jeweils eine halbe Stunde dauert das Spektakel, das von den Biergartengästen mindestens genauso euphorisch gefeiert wird wie von den vielen Zaungästen, die in Folge des enormen Andrangs keinen Einlass mehr erhielten. Als La Brass Banda schließlich um 19 Uhr auf dem Nockherberg ihr letztes München-Konzert der aktuellen Tournee geben, sind die Gehwege auf beiden Seiten der Straße zum Biergarten von lauschenden Passanten gefüllt. "Seit 14 Uhr stehen die schon Schlange", erzählen die Betreiber des nahegelegenen Kiosks am Nockherberg. Die Auswirkungen des angekündigten Gigs sind nicht zu übersehen.

Um 14 Uhr spielte die Blaskapelle derweil noch beim Hofbräukeller am Wiener Platz, wo neben den eigens angereisten Fans eine Hochzeitsgesellschaft vom Konzert überrascht wurde. "Mir taugt's!" jubelte die Braut, die La Brass Banda schon öfters live erlebt hatte. Als der Platz für die Hochzeitsfeier reserviert wurde, hatte man freilich noch keine Ahnung von deren Auftritt. Binnen zwei, drei Wochen wurde dieser nämlich samt einer siebentägigen Tournee mit Unterstützung des Gaststättenverbands und der bayerischen Staatsregierung ermöglicht. "Weil die Band uns gebeten hatte, nahmen wir Reservierungen für unseren Biergarten an. Innerhalb von zwei Tagen war alles ausgebucht. Und erst dann wurde der Auftritt in den Zeitungen kund gegeben", sagt Christine Da Silva vom Seehaus im Englischen Garten.

Das zeigt die enorme Geschwindigkeit, mit welcher sich das Ereignis bereits in den sozialen Netzwerken im Internet herum gesprochen haben muss. "In dieser schlimmen Corona-Zeit dürsten die Leute ja geradezu nach Konzerten", sagt sie und freut sich sichtbar, wie diszipliniert das Publikum am Seehaus die Mischung aus Hits und zwei Songs vom neuen Album "Danzn" im Sitzen genießt. Und auch Bandleader Stefan Dettl lobt immer wieder begeistert: "Dass ihr das aushaltet, bei solcher Tanzmusik ruhig zu bleiben, finde ich ehrlich stark."

In anderen Zeiten hätte eine solche Zurückhaltung die Musiker wohl eher irritiert. An diesem Tag ist sie eine dankbare Anerkennung der Fans für eine Live-Musik in einer Zeit, in der Konzerte Corona-bedingt nur von besonderen Schutzmaßnahmen begleitet stattfinden dürfen. Dass ab und an doch kleine Gruppen auf den Bierbänken tanzen, stört trotzdem niemanden. Zumal die Kapelle um Stefan Dettl die Stimmung rechtzeitig mit einem chilligen Reggae beruhigt. Wobei der Regisseur und Drehbuchautor Franz Xaver Bogner ("Irgendwie und Sowieso") das Konzert auf dem Nockherberg besonders genießt, weil die Musiker, wie er sagt: "ein gutes Stück schneller sind wie der Haindling. Das soll den einen nicht mindern, aber die anderen ehren." Und prompt überlegt der Filmemacher, dass der Sound von La Brass Banda eine wunderbare Filmmusik sein könnte.

Eingeladen hatte ihn Christoph Walter, der Geschäftsführer des ADAC Südbayern, der ebenfalls die La-Brass-Banda-Tour unterstützt. Weil die Band, die schon mal mit einem Traktor und Mopeds durch Österreich getourt war, heuer mit Oldtimer unterwegs ist, bot sich die Unterstützung des Automobil-Clubs an, der mit einem historischen Betreuungswagen, einer fahrbaren Geschäftsstelle also, der Band auch noch zusätzlichen Raum für den Rückzug und die Büroarbeit bietet. "Mit Oldtimer unterwegs zu sein, ist nicht nur schön sondern ab und zu herausfordernd", sagt Walter. "Wir haben viel Erfahrung damit, mit Oldtimer länger unterwegs zu sein."

Dass es ihm überhaupt ein Anliegen ist, die Aktion "Rettet die Wirte & die Kultur" von La Brass Banda zu unterstützen, sieht der Geschäftsführer in der Satzung des 1903 gegründeten Vereins begründet. Neben der Unterstützung des Motorsports und dem Pannendienst ist darin nämlich explizit die Förderung des Tourismus als Vereinsziel genannt. Dass er wie alle anderen Beteiligten damit aber auch eine beneidenswert pfiffige Promotion für das neue La-Brass-Banda-Album unterstützt, das in den Biergärten auch mal zusammen mit einer Maß Bier zum Sonderpreis verkauft wird, sollte indes keinen Neid schüren. Schließlich will die Band ihr Konzept nach der Tour im Internet für alle interessierten Musiker zum Nachahmen preisgeben.

Der Tubatrichter in der Kickdrum des komplett aus Messing angefertigten neuen Schlagzeugs bleibt dagegen ein Unikum der Band, die mit diesem Schmuckstück nun auch optisch ihre Begeisterung für die Blasmusik unterstreicht.

© SZ vom 27.07.2020/amm

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