Kurze Pisten Schleppende Geschäfte

Rund um die Stadt können vor allem Kinder und Anfänger an kleinen Liften Skifahren üben. Doch für die Betreiber lohnt sich der Aufwand kaum

Von Christina Hertel

Der Filsberg-Skilift steht in Landsberied.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Freilich sei er müde, sagt Otto Mannheim, 83, seit fast 50 Jahren Skiliftbetreiber am Beuerberg im Landkreis Bad Tölz. Aber wer wäre das nicht? Schließlich sei er jeden Tag um vier Uhr morgens zum Schneeschippen aufgestanden. "Es hat so viel geschneit, dass man drin ersticken könnte." Aber dann war es wieder zu warm, aus dem Schnee wurde ein einziger Matsch, und sein Lift musste geschlossen bleiben, weil der Parkplatz nicht geräumt werden kann. "Sehr, sehr kritisch alles", ruft seine Frau Inge ins Telefon. Doch schlechte Winter, sagt Mannheim, habe es schon immer gegeben. 1971, in seinem ersten Jahr am Beuerberg, nachdem er einen Haufen Schulden gemacht, nachdem er mit der Hand die Fundamente für den Lift ausgegraben und alles selbst betoniert hatte, fiel keine einzige Flocke vom Himmel. Jetzt schneit es zwar ausgiebig. Und trotzdem: "Bauen würde ich heute keinen Lift mehr." Zu unbeständig sei das Wetter, sagt Mannheim, zu teuer der Strom und der TÜV. Er sei schon froh, wenn er keinen Verlust mache. Dabei wollte er mit dem Lift ursprünglich nicht nur kein Geld verlieren, sondern welches gewinnen - ein Gedanke, den damals, Anfang der Siebziger, viele hatten. "An jedem Buckel gab es einen Lift", sagt Mannheim. Und heute sind viele davon wieder verschwunden - bei Eurasburg, in Icking, bei Benediktbeuern, an der Peretshofener Höhe. Warum seiner noch steht? "Weil ich alles in Ordnung halte", meint Mannheim. Weil der Vater sein ganzes Herzblut in den Lift stecke, sagt seine Tochter Sabine Vieweg, die mit ihrer Schwester am Hang eine Skischule leitet.

Otto Mannheim hat seinen Lift am Beuerberg im Jahr 1971 eröffnet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Etwa 70 Kilometer nördlich, im Landkreis Fürstenfeldbruck, stand dem Lift am Landsberieder Skiberg der Abbau auch schon bevor. Der Besitzer, mehr als 80 Jahre alt, fand keinen Nachfolger. Dann sah Yves Eisenreich eine Anzeige in einem örtlichen Magazin. Er ist 29, Snowboarder und betrieb mit Freunden am Ammersee ehrenamtlich einen Funpark, wo Wintersportler über Hindernisse gleiten und springen können. Für ihn, Florian Keller und Benedikt Fuchs, die auch Snowboard fahren und die Eisenreich schon so lange kennt, dass er gar nicht mehr weiß woher, sei schnell klar gewesen, dass sie den Lift weiterführen wollen. Doch all ihr Erspartes in einen Skilift zu stecken, trauten sie sich nicht. Das Geld spendete schließlich ein Medizin- und Physikinstitut der Gemeinde, die dem alten Betreiber den Lift abkaufte und ihn nun an die drei Freunde verpachtet.

Yves Eisenreich ist in dieser Saison zum ersten Mal als Liftbetreiber in Landsberied im Einsatz.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mit dem Wetter haben sie mehr Glück, als Otto Mannheim damals in Bad Tölz. In dieser Woche war der Lift die meisten Tage geöffnet. Am Sonntag seien um die 130 Leute da gewesen, sonst vielleicht bis zu 30. Und damit sei er zufrieden, sagt Eisenreich. "Unser Ziel war ja nie, einen Gewinn zu machen. Hauptsache die Leute haben Spaß." Die Atmosphäre an ihrem Skilift sei eine Besondere. Es gibt einen Funpark, Musik, Bratwürste und Glühwein. Das Ziel: Nicht nur Kinder, die an dem Hang das Ski- oder Snowboardfahren lernen, sollen zu ihnen kommen, sondern auch Erwachsene und Jugendliche.

Für die Betreiber, egal ob in Bad Tölz, Fürstenfeldbruck, Ebersberg oder Starnberg, ist ihr Skilift im besten Fall ein Zuverdienst. Der 83-jährige Otto Mannheim vom Beuerberg war Schlosser - praktischerweise, denn so konnte er sich eine Pistenraupe aus alten VW-Teilen bauen und das meiste selbst reparieren. Yves Eisenreich arbeitet eigentlich in einer Schnapsbrennerei am Ammersee. Weil dort das Hauptgeschäft in der Vorweihnachtszeit liegt, kann er momentan immer gleich am frühen Nachmittag zum Lift fahren und an den Wochenenden habe er ohnehin frei. Doch warum stecken die beiden so viel Zeit in eine Arbeit, mit der sie kaum Geld verdienen und die noch dazu anstrengend ist? "Mir gefällt es einfach, wenn die Leute skifahren", sagt Otto Mannheim. "Man schaut in so viele strahlende Gesichter", sagt Yves Eisenreich - eine Antwort, die Robert Schmid, der den Lift am Kreuzmöslberg im Landkreis Starnberg führt, praktisch genauso gibt. Schmid ist 45, fast so alt wie der Lift, den er von seinem Vater übernommen hat. Auch bei ihm blieb in dieser Woche der Lift an den meisten Tagen geschlossen, der Schnee war zu matschig. Erst am Donnerstag ging der Betrieb wieder los. "Wir denken immer lauter darüber nach, wie lange wir das noch machen können", sagt Schmid. Von den vergangenen sechs Wintern konnte er zwei den Lift gar nicht aufmachen, zwei waren ein Verlustgeschäft und zwei deckten die Kosten gerade so. 2000 bis 3000 Euro schätzt er, gibt er alleine für Strom und TÜV aus. Doch gleichzeitig sei das Ganze eben eine Tradition. Und wenn er auf habe, sei die Resonanz toll. Denn dass die Leute zu verwöhnt von den großen Skigebieten seien, könne er nicht bestätigen. "Gerade zum Lernen kommen viele hierher, weil es dann zu mühsam ist, so weit raus zu fahren."

Das bestätigt auch Josef Schneider, der in Glonn im Landkreis Ebersberg einen Lift besitzt, den sein Schwiegervater Anfang der Siebziger aufbaute. Wenn er geöffnet hat, sei am Wochenende ganz Glonn zugeparkt, dann sei nicht nur sein Hang voller Leute, sondern auch die Restaurants und Cafés im Ort. Ans Aufhören denke er nie. Weil es zu viel Spaß mache - als Consultant einer Bank sitzt er sonst den ganzen Tag vor dem PC. Und weil schon so viele Generationen von Kindern an seinem Hang Skifahren lernten.