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Städtische Krankenhäuser:"Wir brauchen die neuen Gebäude für die Sanierung"

Baustellenbegehung München Klinik Schwabing mit Dr. med. Axel Fischer und Michael Bergmann-Mitzel

Michael Bergmann-Mitzel und Axel Fischer (rechts) von der München Klinik auf dem Dach des Schwabinger Rohbaus.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Die München Klinik muss sparen und investiert darum kräftig in Neubauten. Ein Rundgang auf den Baustellen zeigt allerdings, wie anspruchsvoll Krankenhausbauten sind.

Die kleine Halle könnte in jedem größeren Rohbau stehen, bevor die Trockenbauer die Zwischenwände einziehen. Grau in grau, nackter Estrich am Boden, ein paar Säulen, unverputzte Decke und einige Löcher in den wenigen tragenden Wänden zu den Nachbarräumen. Auf diese Schächte zeigt Michael Bergmann-Mitzel, sie bereiten ihm derzeit die größten Sorgen. Dort sollten eigentlich die Rohre für die Lüftung, die Heizung oder das Wasser durchlaufen, doch vorerst bleiben die Aussparungen im Mauerwerk leer. Die Fachplaner haben zwar festgelegt, welche Rohre auf welchem Weg Luft, Wasser und Wärme transportieren sollen, doch die ausführenden Baufirmen haben gesagt: Das wird so nicht funktionieren. Da müsse neu gerechnet werden.

Seitdem rechnen auch Bergmann-Mitzel, Geschäftsbereichsleiter Bau der städtischen Krankenhäuser, und sein Chef Axel Fischer fieberhaft. Das Ergebnis ist bitter, für sie selbst, für die Ärzte und die Pflegekräfte, und auch die Patienten: Der erste Abschnitt des Neubaus im Schwabinger Krankenhaus wird wegen der Planungspannen etwa eineinhalb Jahre später als bisher geplant in Betrieb gehen. Das bedeutet für die Patienten im schlimmsten Fall 18 Monate länger Vierbettzimmer mit Nasszelle auf dem Gang, fürs Personal unglaublich weite Wege in ewig langen Gängen und für die München Klinik, wie die fünf städtischen Krankenhäuser seit vergangenem Jahr heißen, höhere Ausgaben und eine weitere Verzögerung bei der Sanierung der Finanzen. Klinik-Chef Fischer ärgert das massiv, er steht jedoch zu den ehrgeizigen Bauprojekten. "Anders geht es nicht, wir sind sonst nicht konkurrenzfähig".

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Die München Klinik treibt derzeit an drei Standorten große Neubauten voran, in Schwabing, Bogenhausen und Harlaching. Dieses Programm ist eine Säule des Sanierungskonzepts, das die Stadt als Eigentümer 2015 beschlossen hat. Zweite Säule ist ein neues Medizinkonzept, das verschiedene Abteilungen an einem Standort bündelt. Kritiker sehen darin einen Bettenabbau und die Aufgabe der wohnortnahen medizinischen Versorgung besonders in Schwabing. Doch nach Meinung von Fischer und auch des Stadtrats ist beides nötig, um mittel- und langfristig keine Verluste zu machen. "Dieser Weg bleibt der gleiche. Er war alternativlos von Anfang an", sagte Fischer. Derzeit stehen aber wegen wiederholter Probleme die Neubauten im Fokus. "Wir brauchen die neuen Gebäude für die Sanierung."

In Schwabing ist von der Bauoffensive am meisten zu sehen, dort ist neben dem historischen Haus 24 ein fünfstöckiger Rohbau entstanden. Der wird nun eine Weile so herumstehen wie die Bauarbeiter auf dem Dach, die Anfang der Woche wegen des Regens die wasserempfindliche Isolierung nicht anbringen konnten: weitgehend ohne Bewegung. In Bogenhausen dagegen kratzen Bagger an der Stirnseite des Krankenhauses entlang gerade ein riesiges Loch aus. Lastwagen fahren bereits Kies und Erdreich ab, das Planierraupen ihnen krachend auf den Lader fallen lassen. Immer wieder ist auch kontaminierter Schutt aus Nachkriegs- oder den damaligen Bauzeiten dabei, der eigens getrennt oder entsorgt werden muss.

Diese Erdarbeiten zählen aber noch zu den Vorbereitungen, der offizielle Start steht noch aus. Im Neubau sollen alle Operationssäle konzentriert werden und unter anderem wird auch die Intensivstation unterkommen. Das Bestandsgebäude aus den 1980er-Jahren ist bereits so funktional geplant, dass es komplett erhalten werden kann, aber saniert werden muss. Mit künftig mehr als 1000 Betten wird Bogenhausen "das Flaggschiff" sein, sagt Fischer.

Im Gegensatz dazu wird das Krankenhaus in Harlaching deutlich kleiner sein, dafür aber komplett neu mit gut 500 Betten. Im parkähnlichen Außenbereich ist ein rot-weißes Absperrband zu sehen, dahinter liegen noch Baumstümpfe der bereits abgeholzten Bäume. Der Weg für den im Herbst beginnenden Abbruch und die dafür benötigten schweren Lastwagen ist schon frei. Der blaue Block, in dem sich lange die Notaufnahme für Kinder und Jugendliche befand, wird nach und nach geräumt. Am höheren Gebäude dahinter steht ein Bauzaun. Nicht weil dort schon was passiert, sondern weil "die Fassade bröckelt", sagt der Geschäftsbereichsleiter Bau, Bergmann-Mitzel.

Was für die Fassade in Harlaching gilt, haben die Zeitpläne dort und in Bogenhausen schon hinter sich: Die ursprünglich 2015 festgelegten Eröffnungstermine sind längst zerbröselt. Der noch nicht einmal begonnene Neubau in Bogenhausen sollte im Sommer dieses Jahres bezugsfertig sein, die neue Klinik in Harlaching im Herbst 2022. Aktuell rechnet die München Klinik mit dem Abschluss der Arbeiten an beiden Standorten im Februar 2024. Schuld an diesen beiden Verzögerungen waren die Kosten, die auszuufern drohten. Die Baupläne wurden abgespeckt und in Harlaching wurde sogar der Generalplaner ausgetauscht. Klinik-Chef Fischer spürt immer wieder, was er sich und seinem Personal mit drei künftig auch noch parallel laufenden Großbaustellen zugemutet hat.

Denn der Neubau eines Krankenhauses ist hoch komplex. In Schwabing hat die München Klinik für den ersten Bauabschnitt nachgerechnet, wie viele Rädchen ineinander greifen müssen. Herausgekommen sind 96 Vergabeeinheiten für Handwerker. Das bedeutet, dass bei einigen Doppelaufträgen um die 90 verschiedene Firmen nach- und nebeneinander an dem Bau arbeiten. Nicht weniger ausufernd ist die Planung, das zeigt sich am Beispiel Neubau Harlaching. Im Vertrag mit dem Generalplaner sind 28 unterschiedliche Fachdisziplinen aufgelistet. Dafür werden in der Regel Subunternehmer angeworben, und in diesem Zusammenspiel soll das Problem in Schwabing gelegen haben. Die Planung für die Versorgungstechnik soll fehlerhaft gewesen sein. Und der Generalplaner viel zu lange nicht reagiert haben, so ist zu hören.

Offiziell will dazu niemand etwas sagen, man muss ja weiter zusammenarbeiten. Ein Austausch des Generalplaners wie in Harlaching scheint derzeit also nicht geplant zu sein. Das würde eine öffentliche Ausschreibung zufolge haben und damit weitere Verzögerungen bewirken. Im Gegensatz zum Bau eines privaten Krankenhauses dauert bei der öffentlichen Hand alles länger. Dafür gibt es eine Faustregel in der Branche, die Bau-Geschäftsleiter Bergmann-Mitzel anhand eines OP-Saals so beschreibt: Beim privaten Träger rechnet man zweieinhalb Jahre Planung und zweieinhalb Jahre Bau, beim öffentlichen ist jeweils ein Jahr draufzuschlagen.

Angesichts der überhitzten Baukonjunktur und der komplexen Planung sind weitere Überraschungen nicht auszuschließen. Anschließend beginnt die Sanierung des Bestands in Bogenhausen. Und jeder Architekt und Planer weiß: Ein Neubau sollte dagegen das reine Vergnügen sein.

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