Städtische Krankenhäuser Panne bei Bau der Schwabinger Klinik

Das Städtische Krankenhaus im Münchner Stadtteil Schwabing.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Das neue Gebäude für die Kinder- und Notfallmedizin in Schwabing kann voraussichtlich erst im Herbst 2021 bezogen werden - eineinhalb Jahre später als bisher geplant.
  • Was das für den Sanierungsplan der München Klinik bedeutet, ist noch unklar.
  • Die München Klinik schloss das operative Geschäft im Jahr 2018 mit einem Überschuss von 1,3 Millionen Euro ab.
Von Heiner Effern

Die städtischen Krankenhäuser müssen in ihrem Bauprogramm einen herben Rückschlag hinnehmen. Das neue Gebäude für die Kinder- und Notfallmedizin in Schwabing wird etwa eineinhalb Jahre später fertig als bisher geplant. Statt im April 2020 soll das Haus erst im Herbst 2021 bezogen werden können.

Das gab Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik, bereits vergangenen Freitag hinter verschlossenen Türen im Aufsichtsrat bekannt. Grund dafür sollen massive Planungsfehler bei den Rohrleitungen für die Versorgungstechnik sein. Fischer bestätigte dies und erklärte, dass "jede Zeitverzögerung ärgerlich ist. Am Medizinkonzept und der Neuausrichtung ändert sich jedoch nichts".

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Noch ist unklar, welche finanziellen und organisatorischen Folgen die erneute Verzögerung eines Neubaus für den Sanierungsplan der München Klinik GmbH nach sich zieht. In der Gesellschaft sind die fünf städtischen Krankenhäuser organisiert, die jahrelang herbe Verluste gemacht hat und deshalb nun neu ausgerichtet werden muss. Der Prozess läuft seit 2015 und sieht große Neubauten an den Standorten in Schwabing, Bogenhausen und Harlaching vor.

"Ich finde es ärgerlich, dass es bei diesem Vorhaben zu Verzögerungen kommt. Aber besser jetzt eine zukunftsfähige Lösung finden, als später aufwendig nachbessern", erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der auch Chef des Aufsichtsrats ist. Bei der Aufarbeitung der Panne gebe es größeren Klärungsbedarf. "Ich habe die Geschäftsleitung gebeten, in der nächsten Aufsichtsratssitzung darzulegen, wie es zu den offenbar spät erkannten Verzögerungen kommen konnte."

Die München Klinik tüftelt nun gerade aus, was die Verzögerung in Schwabing für den gesamten Sanierungsprozess bedeutet. Der beinhaltet auch ein neues Medizinkonzept, in dem verschiedene Abteilungen über die Häuser hinweg zusammengelegt, geschlossen oder neu sortiert werden. Nun gilt es neu zu ordnen, wann welche Abteilungen nun von einem Standort zum anderen oder im eigenen Haus umziehen.

Und was die München Klinik die Verzögerung kostet. Allein schon die Steigerung der Baukosten dürfte in 18 Monaten einen Millionenbetrag ausmachen. Dazu könnten im jetzigen Bestand noch zusätzliche Arbeiten nötig sein, um den Betrieb länger aufrecht zu erhalten. Zu klären ist auch, welchen Ausfall die Baufirmen geltend machen, die ihre Arbeiten im Klinikum Schwabing fix geplant hatten und nun nichts tun können - und wer letztlich dafür haftet. Beim letzten Krisengespräch mit dem Generalplaner sollen bereits Anwälte mit am Tisch gesessen sein.

Fischer musste dem Aufsichtsrat aber nicht nur den gesprengten Zeitplan und drohende Mehrkosten beibringen, er hatte auch ein paar Zahlen im Gepäck, die Hoffnung machen sollten. Die München Klinik schloss das operative Geschäft im Jahr 2018 mit einem Überschuss von 1,3 Millionen Euro ab. Dieses Mal, sagte Fischer, seien darin keine einmaligen Sondereffekte enthalten. Dazu lägen die Baukosten in allen drei Kliniken derzeit unter der Obergrenze, sagte Fischer. In Schwabing sind diese inklusive der bisher nicht beanspruchten Risikoreserve auf einen Höchstbetrag von 138 Millionen Euro festgelegt, in Bogenhausen auf 395 Millionen Euro und in Harlaching auf 255 Millionen Euro. Der Freistaat fördert diese Kosten in der Regel mit mindestens 60 Prozent.

Der für die Klinik zuständige Kämmerer Christoph Frey kann ebenfalls noch nicht abschätzen, was die Planungspanne finanziell bedeutet. "Dafür ist die Nachricht zu frisch. Klar ist, jede Verzögerung kostet Geld beim Bauen und dem, was hinten dran hängt." Lange Zeit galten solche Verzögerungen bei den Neubauten als existenzgefährdend für die städtischen Krankenhäuser, zum jetzigen Zeitpunkt sei das nicht so, sagt Frey. Das Sanierungsprogramm laufe weiter wie geplant.

Die München Klinik musste sich dabei immer wieder neu justieren. Erhoffte Einsparungen zum Beispiel durch einen Sanierungstarifvertrag waren gegen die Gewerkschafter nicht durchzusetzen. Die dort ähnlich verhasste Auslagerung von Mitarbeitern in Servicegesellschaften wurde ebenfalls erst vor wenigen Wochen abgeblasen. Die SPD hatte dies zwar im vergangenen Jahr im Stadtrat mitbeschlossen, doch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verkündete am 1. Mai, dass er dafür nicht mehr zur Verfügung stehe. Gleichzeitig gab er öffentlich bekannt, dass die Klinik in eine gemeinnützige Gesellschaft überführt werde.

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