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Zuschauer bei EM:14 000 Freunde dürft ihr sein

Vier EM-Spiele werden in der Allianz Arena ausgetragen.

Die Arena in München leuchtet in den deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold.

(Foto: dpa)

Die Münchner Spiele der Fußball-Europameisterschaft dürfen vor Publikum stattfinden. Die Staatsregierung hat sich mit der Entscheidung viel Zeit gelassen. Sie setzt vor allem auf Sicherheit - andere Städte lassen mehr Fans zu.

Von Joachim Mölter

Den ersten Erfolg bei der bevorstehenden Europameisterschaft hat die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereits verbucht. "Wir hoffen alle, dass wir nicht die einzige Stadt sind, die ohne Zuschauer spielen wird", hatte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Freitag vor einer Woche gesagt, als sich die Mannschaft in Seefeld/Tirol zur Vorbereitung auf das vom 11. Juni bis 11. Juli dauernde Turnier traf. Diese Hoffnung hat nun Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erfüllt, als er am Freitag nach einer Kabinettssitzung verkündete, dass zu den vier EM-Spielen in München jeweils 14 000 Besucher zugelassen werden.

Bis dahin war ungewiss, ob wegen der noch bis zum Montag geltenden Corona-Einschränkungen - der im Amtsdeutsch sogenannten Infektionsschutzmaßnahmenverordnung - überhaupt Publikum in die Arena darf, dem einzigen deutschen Spielort bei der in elf Ländern ausgetragenen EM. "Ich freue mich, dass nun endlich klar ist, dass die Münchner Spiele mit Zuschauern im Stadion stattfinden können", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der sich eine Spitze in Richtung Staatsregierung nicht verkneifen konnte: "Für alle Beteiligten wäre allerdings eine frühere Entscheidung hilfreich gewesen."

Das erste Vorrundenspiel der DFB-Auswahl gegen Weltmeister Frankreich ist ja bereits für den 15. Juni terminiert, also in zehn Tagen. Es folgen Partien gegen Europameister Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie ein Viertelfinale am 2. Juli.

An den anderen zehn Austragungsorten der EM war die Zuschauerkapazität längst geklärt: In Budapest wird mit einem vollen Stadion geplant (67 215 Zuschauer), in Baku und St. Petersburg zumindest mit einem halbvollen (jeweils rund 34 000). Alle anderen Standorte hatten der veranstaltenden Europäischen Fußball-Union (Uefa) eine Auslastung von mindestens 25 Prozent zugesagt. In Amsterdam ist in dieser Woche die Zuschauerzahl von 12 000 sogar auf 16 000 erhöht worden, auf ein Drittel der Kapazität, nachdem sich dort die Corona-Lage entspannt hat.

Weil das in Bayern ebenfalls der Fall ist, öffnet nun auch die Staatsregierung die Stadiontore, freilich nicht so weit wie anderswo. Bloß 20 Prozent der bei internationalen Spielen verfügbaren Plätze sollen besetzt werden. "Damit haben wir das Wichtigste gerettet", fand Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler): "Wir wären ein schlechtes Gastgeberland, wenn wir diese 14 000 Zuschauer nicht hätten zulassen können." Damit, so betonte Aiwanger, seien sie zumindest "nicht Schlusslicht, sondern können mithalten". Hinter München rangieren in der Zuschauertabelle allerdings nur noch Bukarest (13 000) und Glasgow (12 000).

Markus Söder beanspruchte dennoch eine Vorreiterrolle für Bayern und für München. "Die Fußball-EM ist eine Sondersituation", erklärte er eingangs seiner Erläuterungen: "Wir glauben, dass das ein Pilot- und Probelauf sein kann für weiteren Profisport in Deutschland." Sowohl Söder als auch Reiter wollen es dabei vorsichtig angehen. "Selbstverständlich hat die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung für mich oberste Priorität", versicherte Münchens Oberbürgermeister. Bayerns Ministerpräsident verwies in diesem Zusammenhang auf ein "strenges Hygienekonzept, das Gesundheitsministerium und Stadt München miteinander schon besprochen haben". Es sehe PCR-Tests für die Besucher vor, das Tragen von Masken in der Arena sowie die Organisation von Zu- und Abfahrt der Fans, "damit es zu keinen Aufläufen kommt", wie Söder sagte.

Wie der letztgenannte Punkt organisiert werden soll, auch wie größere Fan-Ansammlungen nach den Partien in der Innenstadt vermieden werden sollen, scheint allerdings noch ungeklärt zu sein. "Wir werden das jetzt unmittelbar angehen, nachdem die Entscheidung gefallen ist", erklärte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bei der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung. "Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, da ist das Innenministerium sicher auch beteiligt", fügte er hinzu und versprach: "Wenn wir hier rausgehen, werden wir die weiteren Dinge mit der Landeshauptstadt besprechen."

© SZ/sonn
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