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Kommunalwahlen 2020:Verdoppelung der Mandate anvisiert

Grüne im Wahlkampfmodus: Martin Runge, Robert Habeck und Sepp Dürr

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gestärkt durch die jüngsten Erfolge, wollen die Grünen im Landkreis die zweitstärkste Partei werden. Möglichst überall wollen sie deshalb mit eigenen Listen antreten

Nach ihren Erfolgen bei der Europawahl Ende Mai und bei der Landtagswahl im vergangenen Herbst wollen die Grünen nun auch bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr erstmals die zweitstärkste politische Kraft im Landkreis werden. "Das sollte das Ziel sein", kündigt Kreisvorsitzender Andreas Birzele auf SZ-Anfrage hin selbstbewusst an. Zurzeit verfügen die Grünen im Landkreis über 42 kommunalpolitische Mandate. Über Listen der Partei zogen 2014 insgesamt 32 ihrer Kandidaten in Stadt- und Gemeinderäte ein sowie zehn weitere in den Kreistag. Jan Halbauer kalkuliert bei den Kommunalwahlen 2020 mit einem Zugewinn von etwa 30 Mandaten.

Das sei zwar ein bisschen Kaffeesatzleserei, aber durchaus realistisch, sagt der Kreis- und Bezirksrat sowie Fürstenfeldbrucker Stadtrat Halbauer optimistisch. Das wäre fast eine Verdoppelung der Mandate. Genau das hat sich der Kreisvorstand vorgenommen. Um dieses Ziel zu erreichen, will der Kreisverband in möglichst vielen der 23 Landkreiskommunen mit eigenen Kandidatenlisten antreten.

Grünen-Sprecher Lena Satzger und Andreas Birzele (rechts) mit Neumitgliedern Korbinian Mayr, Werner Miosga, Hans Sautmann und Bernhard Neuhofer

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Neun Ortsverbände der Grünen stellten vor fünf Jahren für zehn Städte und Gemeinden Bewerberlisten auf. Das war nicht einmal die Hälfte der 23 Landkreis-Kommunen. Für 2020 peilen sie 15 Ortslisten an, also fünf mehr, auch wenn noch vieles in der Findungsphase ist. Erstmals im Gespräch sind hierfür Gemeinden wie Mammendorf, Emmering, Althegnenberg, Moorenweis oder Türkenfeld. Gelingt ihnen das, eröffnet sich den Grünen die Chance, in fast zwei Dritteln aller Städte und Gemeinden im Landkreis Verantwortung zu übernehmen und mitzuentscheiden. Das sei genau das, was die Wähler ihrer Partei wollten, beteuert die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Beate Walter-Rosenheimer aus Germering.

Ortsverein ändert seinen Namen

Vorreiter bei der Umsetzung dieser Strategie ist der Ortsverband Grafrath-Kottgeisering. Dort erzielten die Grünen mit 29,3 Prozent ihr bestes Landkreis-Ergebnis bei der Europawahl. Der Ortsverband beschloss kürzlich die Umbenennung in "Ampermoos" und verband damit die Ausweitung seines Tätigkeitsbereichs auf die Gemeinden Moorenweis, Schöngeising, Türkenfeld und Landsberied. Sitzen in einer Kommune die Grünen erst einmal im Gemeinderat, kann sich aus diesem Kern ein neuer Ortsverband entwickeln. Das ist zumindest der weitere Plan.

Dieses Konzept basiert auf zwei Grundlagen. Das sind zum einen die Erfolge der vergangenen Jahre. Zum anderen eine ausreichende Zahl von Neumitgliedern, weshalb die Grünen zurzeit nicht händeringend nach Kandidaten suchen müssen. Wie Mitglieder des Kreisvorstands beteuern, träten zurzeit viele der Partei bei, weil sie sich an ihrem Wohnort politisch betätigen wollen und ein Mandat anstreben. Die Grünen sind nicht nur für Wähler attraktiv geworden. Das führt der Kreisvorsitzende und Schreinermeister Andreas Birzele auf zwei Punkte zurück. Einerseits seien sie als ursprüngliche Ökopartei ihrer Linie treu geblieben. Andererseits bewege das Thema Klimawandel viele Menschen. Das gelte vor allem für Jüngere und die Fridays-for-Future-Bewegung.

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Dass Grüne vor allem Jüngere ansprechen, die auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz setzen, spiegelt sich im Mitgliederzuwachs wider. Laut Halbauer ist die Generation der 30- bis 40-Jährigen inzwischen sehr, sehr stark vertreten. Diese Generation fehlte lange komplett. Dazu kämen viele Jüngere, also Schüler und Studenten, die den Kreisverband mit neuen Ideen voranbrächten. In Verbindung mit erfahrenen Politikern wie dem Landtagsabgeordneten Martin Runge, der vor 40 Jahren zu den Gründern der Partei gehörte, seien die Grünen im Landkreis also gut aufgestellt, heißt es.

Umsetzen, was der Wähler erwartet

273 Mitglieder gehörten dem Kreisverband Anfang Juni an. Bis zum Jahresende sollen es mindestens 300 werden. So lautet die Prognose der Bezirksrätin Gina Merkl. Einig sind sich Kreisvorsitzender Birzele und die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer darin, dass der große Zuspruch auch einen großen Vertrauensvorschuss beinhaltet. "Jetzt müssen wir auch liefern", lautet für Birzele die Konsequenz. Dazu benötige man, wie in einer Firma auch, Leute, die umsetzen wollen, was die Wähler erwarten. Die Situation des Kreisverbandes vergleicht der Kreisvorsitzende mit einer Gratwanderung. "Wir sind am Rödeln", sagt Birzele. Ihn und seine Mitstreiter im Vorstand halten zurzeit viele Workshops zur Vorbereitung des Kommunalwahlkampfes auf Trab.

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