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Kommentar:Schwachstelle Kommunalpolitik

Die Grünen im Landkreis können derzeit darauf hoffen, dass sie für die Kommunalwahlen personell so stark wie nie aufgestellt sind

In Meinungsumfragen gehen die Grünen durch die Decke, ziehen bereits mit der CDU gleichauf. Deshalb ist es normal, dass die Landkreisgrünen die Gunst der Stunde nützen und bei der Kommunalwahl im März 2020 vom aktuellen Hype profitieren wollen. Sollte der Kreisvorstand sein Ziel von 72 kommunalen Mandaten erreichen, läge das Ergebnis jedoch noch immer weit unter dem aktuellen Umfragehoch. Die angepeilten 72 Mandate entsprächen in etwa 14 Prozent. Bei der Europa- und Landtagswahl schnitten sie im Landkreis sehr viel besser ab. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass die Grünen in der Kommunalpolitik eine Schwachstelle haben, trotz ihrer Hochburgen in Gröbenzell oder Grafrath. Insgesamt verfügen sie zurzeit mit 42 Sitzen in Gemeinde- und Stadträten sowie im Kreistag über nur knapp acht Prozent aller 530 kommunalen Mandate. Das ist nicht viel.

Dafür, dass bisher in den meisten Gemeinderäten im Landkreis kein einziger Grüner sitzt, gibt es eine einfache Erklärung. Die Personaldecke war zu dünn. Es fehlte vor allem in den kleinen Gemeinden an ortsbekannten aktiven Grünen und an einer Struktur. Das heißt, es gab zu wenig Ortsverbände, die die Aktivitäten der Grünen bündelten und auf Gemeindeebene organisierten. Allerdings sieht es so aus, also sollte sich momentan genau das ändern. Viel wichtiger als der Umfragehype ist für die Ökopartei für die anstehenden Kommunalwahlen, dass sie im Landkreis einen bisher unbekannten Mitgliederboom erlebt. Die angepeilte Zahl von 300 Mitgliedern bis zum Jahresende entspräche einem Zuwachs von fast 50 Prozent innerhalb von nur wenigen Jahren. Viele derjenigen, die eintreten, tun das, wie es heißt, weil sie sich in ihrer Gemeinde politisch engagieren wollen. Gut, dass es neben Politikverdrossenheit auch wieder Lust auf Politik gibt.

Umfragehochs sind wechselhaft und vergänglich. Das wissen auch die Grünen im Landkreis. Beschert ihnen die Debatte über den Klimawandel jedoch den Nachwuchs in der bisher nur schwach vertretenen Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, dann kann sich die Partei eine breitere Basis für ihre Aktivitäten in den kommenden Jahren schaffen. Was nicht nur nachhaltig wäre, sondern auch die Voraussetzung für gute Wahlergebnisse. Man darf gespannt sein, welche neuenOrtslisten mit welchen Neumitgliedern demnächst präsentiert werden, und wie die anderen Parteien darauf reagieren.