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Warum die Öko-Partei einen solchen Zulauf hat:Aus beruflichem und politischem Interesse

Stefan Dietz, Mitglied der Grünen

Stefan Dietz ist eigentlich Politologe. Sein Geld verdient der Fürstenfeldbrucker jedoch mit Elektromobilität.

(Foto: privat)

Der 54-jährige Fürstenfeldbrucker Stefan Dietz steht beispielhaft für viele Neumitglieder der Grünen

Stefan Dietz, 54, ist Politologe. Sein Geld verdient der Fürstenfeldbrucker jedoch mit Elektromobilität. Zuerst beschäftigte er sich mit der Konzeption und dem Vertrieb elektrischer Schiffsantriebe. Inzwischen arbeitet er als Vertriebsleiter bei Evum Motors. Das Start-up von Wissenschaftlern der TU München reizte ihn, weil es das Elektroauto Acar entwickelt. Das für Afrika konzipierte E-Mobil ist einfach, geländegängig und preisgünstig. Es soll im nächsten Jahr in Serie gehen. Zurzeit baut Dietz für das Auto ein Vertriebsnetz in Deutschland und Europa auf. Später will er sich um dessen Vertrieb in Entwicklungs- und Schwellenländern kümmern, um dort Elektromobilität voranzubringen.

Sein Interesse an Politik und die Leidenschaft für Elektromobilität - der seiner Ansicht nach idealen Fortbewegungsart der Zukunft zu Land, zu Wasser und in der Luft -, haben ihn 2018 dazu bewogen, den Grünen beizutreten und sich dort zu betätigen. Auch wenn es noch einige Zeit bis zur Aufstellung der Kandidatenliste dauert, steht für den Vertriebsleiter schon fest, dass er sich bei der Kommunalwahl 2020 auf deren Liste um ein Stadtratsmandat bewerben will.

Mit den Grünen sympathisiert der aus dem Raum Heidelberg stammende Dietz seit Längerem. 2018 reichte es ihm nicht mehr, die Grünen nur zu wählen. Er wollte sich bei ihnen in der Stadt, in der er seit zwei Jahren lebt, mit seiner Berufserfahrung und Ideen einbringen. "Wie kann man den Verkehr besser und effektiver lenken, damit er für alle Brucker besser und erträglicher wird?", ist eine der Fragen, die ihn umtreiben. Eine andere, wie sich Elektromobilität im Landkreis fördern lässt. Schließlich sei das seine "Urexpertise". Diese Expertise passe zum Agenda-Musterlandkreis Fürstenfeldbruck, dessen Politiker dem Klimaschutz einen hohen Wert beimessen. Nur müssten den Worten auch Taten folgen.

Ansatzpunkte, sein Fachwissen in Fürstenfeldbruck einzubringen, ergeben sich für Dietz bei Spaziergängen. Als Beispiel führt er zwei Parkplätze für E-Fahrzeuge auf dem Volksfestplatz an. Diese seien zwar in der Nähe eines Stromverteilerkastens platziert, verfügten aber über kein Ladegerät. "Das kann man besser machen", konstatiert der 54-Jährige sachlich nüchtern, ohne irgendeinen Vorwurf.

Ökonomie und Ökologie gehören für ihn untrennbar zusammen. Weil die Grünen für beides und für Klimaschutz stehen, fühlt er sich in der Partei am richtigen Platz. Zudem könne man hier selbst über ungewöhnliche Ansichten offen diskutieren. Zur Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft hält das Neumitglied die Konzepte der Grünen für überzeugend. Gehe es doch darum zu erkennen, wo die Stärken Deutschlands liegen, und diese zu nutzen. Laut Dietz muss das "Land der Tüftler und Denker" seine Fähigkeiten in Spitzentechnologie umsetzen. Aus München zog der Vertriebsleiter weg, weil ihm die Metropole zu groß und unpersönlich war. Umso mehr ist er von Fürstenfeldbruck angetan, das er als lebens- und liebenswert lobt. Das kulturelle Angebot bringt ihn ebenso zum Schwärmen wie die hohe Lebensqualität mit schnell erreichbaren Seen.