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Freising:Sozial bunt gemischt

In bis zu 85 Wohnungen, die im Steinpark entstehen, soll günstiges Wohnen möglich sein.

(Foto: Marco Einfeldt)

In fünf Gebäuden im Steinpark soll günstiges Wohnen möglich sein. Nun müssen sich genügend Leute zusammenfinden, um sich ein gutes Konzept zur Gründung einer Genossenschaft einfallen zu lassen.

Von Alexandra Vettori, Freising

Das Interesse war groß, als die Stadt Freising am Donnerstag den ersten Informationsabend zu genossenschaftlichem Wohnen im Steinpark veranstaltet hat. 89 Menschen wählten sich online ein, um mehr zu erfahren. 80 bis 85 Wohnungen sollen genossenschaftlich verwaltet am Nordende des 16 Hektar großen Neubauviertels entstehen, in fünf Gebäuden, bis zu fünf Stockwerke hoch. Nun müssen sich Interessierte zusammen finden, um eine neue Genossenschaft zu gründen oder mit Bestehenden kooperieren. Und sie müssen sich ein gutes Konzept einfallen lassen, sozial möglichst bunt, städtebaulich anspruchsvoll und nachhaltig sowieso. Welche Vorgaben es geben wird, das erarbeiten Stadtrat und Verwaltung in den nächsten Monaten.

Für den gesamten Prozess hat sich die Stadt Freising Hilfe in Gestalt der Stattbau München geholt, einem Beratungsbüro für zukunftsfähige Wohn- und Siedlungsprojekte. Mitarbeiter Christian Stupka erläuterte während des Infoabends erste Details für den Freisinger Steinpark. Die vielen Teilnehmer bestätigten seiner Ansicht nach einmal mehr den Trend einer "Renaissance des genossenschaftlichen Wohnens und Bauens", der seit Jahren immer stärker wird. Wunder ist das angesichts galoppierend steigender Mieten keines. In München wohnten die Leute in Genossenschaftswohnungen, so Stupka, "im Durchschnitt für sechs Euro zur Miete, bei Neuvermietungen zu 7,50 Euro". Damit haben sich die Genossenschaftswohnungen dort vom Mietmarkt entkoppelt, wo die Quadratmeter-Miete derzeit zwischen 20 und 30 Euro liegt.

Die Genossenschaft erwirtschaftet keinen Gewinn

Möglich wird das zuerst dadurch, dass die Kommunen, wie im aktuellen Beispiel Freising, Bauland vergünstigt an Genossenschaften abgeben. Im Steinpark wird es wohl auf ein Erbbaurecht hinauslaufen. Der zweite Grund für langfristig günstige und immer günstiger werdende Mieten ist die besondere Konstruktion einer Genossenschaft: Sie erwirtschaftet keinen Gewinn und ist basisdemokratisch organisiert. Jeder hat eine Stimme, der Vorstand wird gewählt, und niemand hat direktes Eigentum. "Man hat ein gemeinsames Bewirtschaften, aber das erwirtschaftete Vermögen gehört allen", so Stupka.

Anders als bei einer GmbH braucht es zum Eintritt in eine Genossenschaft keinen Notar. Man füllt die Beitrittserklärung aus, zahlt seinen Pflichtanteil, bei Münchner Genossenschaften sind das laut Stupka rund 1500 Euro, und einen Verwaltungsbeitrag. Bei einem späteren Austritt aus der Genossenschaft, erhält man sämtliche Einlagen zurück. Wie gebaut wird, und wer einziehen darf, all diese Vorgaben gibt sich die Genossenschaft selbst, natürlich in Übereinstimmung mit denen der Stadt. Hier stellt man sich für den Steinpark zum Beispiel 30 Prozent geförderte Wohnungen für sozial Schwache im Rahmen des Genossenschaftsprojekts vor.

Es gilt der Grundsatz "soziale Rendite vor wirtschaftlicher Rendite"

Wie sich die Genossenschaft finanziert, auch das entscheidet sie selbst, es gibt aber gängige Modelle. Wie private Bauherren greifen Genossenschaften auf Bankkredite zurück, in der Regel ist der Hausbau mit 60 Prozent fremd finanziert. Im Beispiel von Christian Stupka gibt es dazu 25 Prozent Förderdarlehen. 25 Prozent bestehen aus Eigenkapital der Genossenschaft. Das setzt sich im Beispiel aus 12,5 Prozent allgemeinen Anteilen der Mitglieder zusammen und zu 12,5 Prozent aus Pflichtanteilen der aktuell Wohnenden. Wer einzieht, wird logischerweise am stärksten zur Kasse gebeten. Er oder sie muss einen wohnungsbezogenen Anteil zahlen, im Beispiel 48 000 Euro. Dazu kommt eine Monatsmiete bei einem mittleren Einkommen und 80 Quadratmeter Wohnraum von 840 Euro.

Für die Stadt gelte der Grundsatz "soziale Rendite vor wirtschaftlicher Rendite", erklärte Natalie Schaller, ebenfalls von Stattbau München, deshalb werde das Grundstück an das beste Konzept vergeben. Jetzt liegt es an der Freisinger und der Landkreis-Bevölkerung - auch für sie steht das Steinpark-Genossenschaftprojekt offen - sich zu engagieren. Wer sich dafür interessiert, findet auf der Homepage der Stadt unter www.freising.de/leben-wohnen/wohnen/genossenschaftliches-wohnen Informationen und einen Link zu einer Plattform, auf der man Gleichgesinnte finden kann. Läuft alles glatt, werden im nächsten Jahr schon die Grundstücke vergeben.

© SZ vom 17.07.2021/ilos
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