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Münchner Airport:Mit Phoenix aus der Klimakrise

Flugzeugschlepper Phoenix E

Seit November im Betrieb, befindet sich der Phoenix E noch bis Ende Februar in der Testphase.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Flughafen will seinen Kohlendioxid-Ausstoß um 60 Prozent senken. E-Flugzeugschlepper, Photovoltaik und ein Blockheizkraftwerk sollen helfen, bis 2030 klimaneutral zu sein.

Von Sebastian Theuner

Der Münchner Flughafen hat sich ein Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2030 soll der Betrieb klimaneutral ablaufen. Ein Mittel, mit dem der Airport das auch erreichen möchte, bewegt sich beinahe geräuschlos über das Rollfeld. Ein Phoenix E, ein elektrisch betriebene Flugzeugschlepper, surrt gerade zu seinem Einsatzort. Seit Mitte November wird er am Flughafen eingesetzt, noch bis Ende Februar dauert die Testphase an.

"Auch wir müssen unseren Teil zur CO₂-Neutralität beitragen", sagt Bernhard Stelzle, technischer Leiter der Gesellschaft für Enteisen und Flugzeugschleppen am Flughafen München (EFM). Das vorläufige Fazit zum Test des Phoenix E sei "sehr positiv", bei den Fahrern komme der Schlepper gut an. Wenngleich sich der Mann am Lenkrad, der sich zu Vorführungszwecken beim Schieben des Airbus A350 begleiten lässt, eine höhere Geschwindigkeit beim Manövrieren des Flugzeugs wünschen würde.

Bei der Ladeinfrastruktur am Flughafen müsse man noch nachbessern, gibt Stelzle zu, "das steckt wie überall noch in den Kinderschuhen". Zwei- bis zweieinhalb Stunden brauche es, bis der elektrisch betriebene Flugzeugschlepper vollständig aufgeladen ist. Die Reichweite langt laut Stelzle für eine Acht-Stunden-Schicht, "15 bis 20 Flugzeuge" könne das Fahrzeug ohne zwischenzeitliches Aufladen in Position bringen. Bis zu 352 Tonnen Startgewicht kann der Phoenix ziehen und schieben, ein integrierter Range-Extender ermöglicht einen zusätzlichen Betrieb mit Diesel. Bernhard Stelzle geht davon aus, dass der E-Fahrzeugschlepper schon bald in Serie gehen wird.

Ob und wann der Münchner Flughafen den Schlepper kauft, kann dort derzeit jedoch noch niemand sicher sagen. Durch die Corona-Pandemie herrscht am Flughafen kaum Planungssicherheit. "Unsere nächsten Anschaffungen werden aber sicher in diese Richtung gehen", sagt er. Die neuen Schlepper sollen dabei helfen, den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß des Flughafens von rund 148 000 Tonnen im Jahr 2019 zu senken. Laut dem Münchner Flughafen haben sich die CO₂-Emissionen pro Fluggast zwischen 2005 und 2019 bereits um 46 Prozent reduziert. Um das gesteckte Ziel der CO₂-Neutralität bis 2030 zu erreichen, will der Flughafen die eigenen Emissionen um 60 Prozent reduzieren. Die verbleibenden 40 Prozent sollen kompensiert werden - beispielsweise durch die Entwicklung von Klimaprojekten im Umfeld des Flughafens.

"Das ist vergleichbar mit einer Kleinstadt"

Nicht alle sind beim angestrebten 2030-Jahresziel vollends optimistisch. Rainer Hörl, Leiter des Servicefeldes Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft, etwa sagt, dass er dafür "heute noch nicht die Hand ins Feuer legen" möchte. Doch auch aus seinen Schilderungen werden die vielfältigen Bemühungen des Flughafens ersichtlich. Als wichtige Treiber auf dem Weg zur Klimaneutralität nennt Hörl Photovoltaik und LED-Beleuchtung. Eine erste größere Photovoltaikanlage befindet sich seit 2018 auf dem Dach des Parkhauses P 51, 2019 betrug ihre Nennleistung 1100 Kilowatt. Bis 2030 sind Anlagen mit einer Gesamtleistung bis zu 20 Megawatt geplant. Durch die vollständige Umstellung der Vorfeldbeleuchtung auf LED-Technik werden laut Flughafen-Bericht 16 000 Tonnen CO₂ pro Jahr gespart.

Eine wichtige Rolle kommt auch dem Blockheizkraftwerk auf dem Flughafengelände zu, mit dem per Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung "80 Prozent des benötigten Stroms, 90 Prozent der Wärme und 100 Prozent der Kälte" selbst erzeugt werden, wie Hörl vorrechnet. Der Energiebedarf des Flughafens liegt bei etwa 450 Gigawattstunden im Jahr. "Das ist vergleichbar mit einer Kleinstadt", sagt Simon Schöwel, Leiter der Betriebsführung des Blockheizkraftwerks. Betrieben wird die Anlage derzeit mit Erdgas, "da werden wir auch nicht komplett von wegkommen, aber wir wollen es sukzessive ersetzen", so Schöwel. Und zwar soll das Erdgas durch Biomethan kompensiert werden; das sei zwar teuer, letztlich aber die wirtschaftlichere Alternative, sagt Schöwel. Das, aber auch die anderen Projekte sorgen am Münchner Flughafen für Selbstbewusstsein. "Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, wir haben die wirtschaftlichste und umweltfreundlichste Konzeption aller deutschen Flughäfen", ist Rainer Hörl überzeugt.

Auch wenn 2030 noch in weiter Ferne ist, nimmt man schon heute auch das Jahr 2050 in den Blick. Der Flughafen München hat sich zur "Net-Zero-Carbon-Initiative" des Verbandes der Europäischen Flughäfen bekannt. Demnach sollen die CO₂-Emissionen in knapp 30 Jahren bei nahezu null liegen. Zu beachten ist freilich: Dies gilt nur für jene Bereiche, die den direkten und indirekten Emissionen des Flughafens zugeschrieben werden. Der Flugverkehr fällt nicht darunter, er wird dem Bereich "Indirekte Emissionen Dritter" zugerechnet und bleibt somit hinsichtlich der formulierten Klimaziele des Flughafens außen vor.

© SZ vom 23.02.2021/syn/sim/van
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